Warenverkaufskunde Scotch

Scotch ist eine Spirituose für Kenner. Gerade mit den komplexen Single-Malts kann der Händler anspruchsvolle Kunden locken.

Freitag, 17. Juli 2015 - Warenkunden
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Scotch
Bildquelle: Shutterstock

Inhaltsübersicht

Schottischer Whisky (kurz: Scotch) liegt im Verkaufsranking des deutschen Lebensmittel-Einzelhandels nicht auf den obersten Plätzen. In der Kategorie Whisky kommt die Spezialität aus den Highlands nicht gegen die Abverkäufe von beispielsweise Bourbon an. Trotzdem stellt diese Whisky-Variante eine attraktive Erweiterung für das Spirituosen-Regal dar, denn der Händler kann hier Kompetenz zeigen, sich vom Wettbewerb abgrenzen und anspruchsvolle Kunden in den Markt locken. Diese geben häufig nicht nur für ihren Whisky gerne etwas mehr aus, sondern ihr Durchschnittsbon liegt allgemein höher. Aber Vorsicht: Die wichtigste Voraussetzung für das Anbieten hochwertiger Whiskys aus Schottland ist Fachwissen. Denn genauso wie sich ein Single-Malt-Liebhaber von einem attraktiven Sortiment anziehen lässt, genau so schnell ist der Kunde auch verärgert über eine schlechte oder nicht vorhandene Beratung . „Beim Whisky gibt es Sammler, die suchen das Besondere und die brauche ich als Händler“, sagte Rewe-Händler Michael Glück im Gespräch mit der LEBENSMITTEL PRAXIS in Bezug auf Scotch. Zeit also, das Allgemeinwissen über diese hochwertige Spirituose aufzufrischen!

Die schottischen Brennereien stehen in engem Bezug zu ihrer Region. Da wären beispielsweise die eher süßen Erzeugnisse aus Speyside , die Torf-lastigen Whiskys aus der Region Islay oder die Brennereien in den Highlands, die von fruchtig bis kräftig sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen produzieren (für eine Übersicht der verschiedenen Regionen siehe Seite 4). In der so genannten „ Scotch Whisky Regulation “ von 2009 sind insgesamt fünf Kategorien von schottischem Whisky definiert: Scotch Blended, Single Malt, Single Grain, Blended Malt und Blended Grain. Jede dieser Bezeichnungen muss auf dem Etikett der Flasche ausgelobt werden.

Eine der bekanntesten und erfolgreichsten Varianten ist der Scotch Blended Whisky (bekannte Marken sind beispielsweise Johnnie Walker , Ballantine’s und Chivas Regal ). Dabei handelt es sich um eine Mischung (engl. „blend“) von Malt und Grain Whisky. Malts sind Destillate aus gemälzter Gerste. Hinter der Bezeichnung Grain stehen überwiegend Whiskys aus ungemälztem Getreide, wie Mais oder Weizen. Bei einem Blend können bis zu 60 verschiedene Whiskys verwendet werden. Der Grain hat bei dem Mischverhältnis meist einen leicht höheren Anteil. Er ist auch ein Teil des Erfolgskonzepts dieser Scotch-Variante, da der Whisky durch ihn eine Leichtigkeit gewinnt, die eher ein breites Publikum anspricht. Wirklich wichtig für den Geschmack und die Qualität ist aber der verwendete Malt, der durch die gemälzte Gerste intensiv schmeckt und dem fertigen Produkt sein aromatisches Fundament verleiht. Die Kunst bei der Herstellung eines Blended Scotch ist also die geschickte Auswahl und Zusammenstellung der einzelnen Malt und Grain Whiskys. Die obligatorische Altersangabe auf dem Etikett ist immer bezogen auf den jüngsten Whisky, der in dem fertigen Produkt enthalten ist.

Die zweite bedeutende Kategorie ist der Single Malt Whisky . Eine wichtige Rolle kommt hier der Destillerie Glenfiddich zu, die mit ihren Erzeugnissen in den 1960er Jahren maßgeblich zu einem Revival dieser Variante beigetragen hat. In der Scotch Whisky Regulation heißt es, dass ein Single Malt ausschließlich aus Gerste mit dem so genannten „Pot-Still“-Verfahren hergestellt werden darf. Dieser Name bezeichnet die bei der Destillation verwendeten Brennblasen, deren Größe und Form einen entscheidenden Einfluss auf das fertige Produkt haben. Solange der Whisky nicht als so genannter „ Single Cask “ vermarktet wird, handelt es sich um einen Verschnitt aus verschiedenen Fässern. Allerdings, und das ist der entscheidende Unterschied zu anderen Scotch-Sorten, dürfen die verwendeten Destillate nur aus einer Brennerei stammen. Auch darf neben Gerste kein anderes Getreide verwendet werden. Dass der Single Malt trotz dieser strengen gesetzlichen Limitierungen zu einer der komplexesten und vielfältigsten Spirituosen der Welt geworden ist, liegt an vielen Feinheiten im Produktionsprozess. So spielt beispielsweise die Intensität, mit der das Grünmalz getrocknet wird, eine wichtige Rolle. Ebenso die Entscheidung, ob das Feuer bei der Trocknung mit Torf geschürt wird oder nicht. Torf ist eine Ablagerung, die sich in den Mooren in tausenden von Jahren gebildet hat.

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Bild öffnen Das Getreide wird in einem ersten Schritt gemälzt, das bedeutet es wird ein Keimvorgang eingeleitet und das Malz anschließend gedarrt (getrocknet). Danach geht es an das Herauslösen des Zuckers in der so genannten Mashtun.
Bild öffnen Jetzt folgt die Gärung in den Wash Backs . Die Behälter sind verschlossen, ein Propeller rührt den immer neu entstehenden Schaum unter. Nach ca. drei Tagen hat das Gebräu einen Alkoholgehalt von rund 10 Prozent und kann destilliert werden.
Bild öffnen Die so genannten Pot Stills sind große Kupferblasen. Hier wird der Whisky zweimal, manchmal auch dreimal, destilliert. Der Alkohol wird aus der vergorenen Fluessigkeit verdunstet und danach wieder zur fluessigen Form kondensiert.
Bild öffnen Die Brände werden in Eichenfässer, meist aus amerikanischer Eiche , oder auch gebrauchte Sherry-Fässer gefüllt. Das Gesetzt schreibt vor, dass Scotch drei Jahre lang im Fass bleiben muss, Häufig beträgt die Lagerzeit viel länger.

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