Faire Partner Vom Milchpreis bis zum Zukunftsbauern

Platz 1: Mit ihrem ganzheitlichen Konzept und zahlreichen Initiativen für Tier, Landwirt, Marke und Handel überzeugen die Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau die Jury des „Faire Partner 2022“- Preises von Lebensmittel Praxis und top agrar.

Montag, 15. August 2022 - Rückblick
Elke Häberle
Artikelbild Vom Milchpreis bis zum Zukunftsbauern
Bildquelle: Milchwerke BGL

Vom Hof bis ins Regal und zum Verbraucher. So lässt sich das Spektrum der zahlreichen Nachhaltigkeits- und Fairness-Initiativen der Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land mit Sitz im oberbayerischen Piding/Chiemgau grob umschreiben. Da ist zum einen der faire Milchpreis, den die Genossenschaftsmolkerei ihren rund um Watzmann und Zugspitze angesiedelten 1.800 Bauern bezahlt. Der liegt mit 48,82 Cent pro Liter (Jahresdurchschnitt Januar bis Juni 2022, brutto, bei 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß; Stand: Mitte Juli, Erhöhungen sind geplant) zwar nicht immer an der Spitze der nationalen Milchpreisrankings, aber über dem Durchschnitt – und ist vor allem langfristig angelegt.

„Wichtiger als ein kurzfristig hoher Milchpreis ist uns, einen konstant hohen Milchpreis zu zahlen“, so Geschäftsführer Bernhard Pointner. Nur so sei eine langfristige Kalkulation auf den Höfen möglich. Weiter sind die Milchpreise gestaffelt, das heißt, je „tierwohler“ die Haltung, desto höher der Zuschlag. Die noch wenigen Landwirte mit ganzjähriger Anbindehaltung bekommen einen Abschlag, und die Milch fließt auch nicht in die grün (konventionell) verpackten Marken-Molkereiprodukte von Berchtesgadener Land, sondern geht in den Spotmarkt.

Der Milchpreis ist dabei nur eine Komponente des gesamten Pakets für die Landwirte. So gibt es Abnahmegarantien für die Milch, es gibt Hofberater wie auch Coachings zur Stressbewältigung oder für mehr Resilienz. Im Rahmen der als Fortbildungs- und Informationsplattform installierten „Wissenswerkstatt“ werden außerdem Kurse für die Mitglieder rund um Themen wie Homöopathie, Stallbau, Weideseminare und vieles mehr angeboten.

Kurz: „Wir sind unseren Milchbauern seit 1927 ein fairer und zuverlässiger Partner“, betont Pointner – quasi wie eine gute Versicherung. Das belegen auch Aktionen wie die 1.000-Euro-Soforthilfe, die die Molkerei ihren Milchbauern in der schwierigen Zeit des Lockdowns zu Beginn der Corona-Pandemie bezahlte. Zur Fairness gehört bei der Genossenschaftsmolkerei auch, dass sie sich selbst in die Pflicht nimmt und sich vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise ein umfangreiches Sparprogramm auferlegt hat.

So wurden geplante Investitionen zurückgestellt, das Marketingbudget gekürzt, die Personaldecke eingefroren, Prozesse und das Produktsortiment stehen auf dem Prüfstand, und die Gewinnprognose wird laut Pointner auf null gefahren.

Projekt Zukunftsbauer: Hand in Hand mit Handel und Verbraucher

Neben dem Milchpreis hat die Jury aber vor allem das Projekt Zukunftsbauer, das im Oktober 2021 zusammen mit dem Discounter Penny ins Leben gerufen wurde, überzeugt. Darin werden Landwirte der Genossenschaftsmolkerei aus einem gemeinsamen Fördertopf (geschätzt jährlich ca. 350.000 Euro) mit jeweils bis zu 10.000 Euro unterstützt, wenn sie ihre Bauernhöfe energetisch optimieren. Die Funktionsweise des Fördertopfs: Der Discounter verzichtet beim Verkauf von Berchtesgadener-Land-Produkten auf einen Teil der Handelsspanne, und die Molkerei verdoppelt den Betrag. Im Herbst 2021 kam dazu der Zukunftsbauer-Naturjoghurt – gut zu erkennen am entsprechenden Logo – in die Regale aller 2.200 Penny-Märkte in Deutschland. Im Herbst 2022 folgt die nationale Listung der Zukunftsbauer-Fruchtjoghurts.

Philipp Stiehler, Geschäftsleiter Ware bei Penny: „Wir sind mit der Entwicklung des Projektes sehr zufrieden. Gemeinsam mit der Molkerei Berchtesgadener Land können wir einen wichtigen Beitrag zur energetischen Weiterentwicklung der Landwirtschaft leisten. Denn die Bäuerinnen und Bauern können das nicht alleine stemmen. Da sind wir als Partner mit gefordert.“ Um den Absatz anzukurbeln und den Zukunftsbauern bekannt zu machen, macht Penny in seinen Handzetteln in ganzseitigen Anzeigen auf die Aktion aufmerksam. Weiter wirbt die Molkerei auf ihren Milchpackungen, und beide Partner trommeln auf ihren jeweiligen Websites sowie in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram für den Zukunftsbauern. „Je mehr sich das Projekt im Handel und bei den Verbrauchern etabliert, desto mehr kann es wachsen und desto größer kann es werden“, beschreibt Pointner den Kreislauf.

Ziel: Kleinbäuerliche Strukturen erhalten und Klima schützen

„Ziel des Gemeinschaftsprojektes von Handel, Molkerei, Landwirtschaft und Kunden ist, einen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der familiengeführten Bauernhöfe und kleinbäuerlichen Strukturen im Alpenraum zu leisten“, ergänzt Sylvia Schindecker, Leitung Landwirtschaft der Molkerei Berchtesgadener Land und federführend bei dem Projekt. Schließlich erhalten die vielen familiengeführten Betriebe zudem eine einzigartigen Kulturlandschaft und engagieren sich auch für Gesellschaft. „Die Milchbauern sind die Energieerzeuger unserer Zukunft“, erklärt Schindecker.

Wer Zukunftsbauer werden möchte, muss ein paar Anforderungen erfüllen, auch wenn das Förderprogramm – und das ist Geschäftsführer Pointner wichtig – „sehr unbürokratisch und dafür pragmatisch“ angelegt ist. Die teilnehmenden Betriebe werden dabei zunächst intensiv in Workshops beraten, es werden Energiechecks durchgeführt und darauf aufbauend ein individuell auf den Betrieb zugeschnittener Maßnahmenplan zur Steigerung der Energieeffizienz erarbeitet. Ein Gremium bewertet anschließend nach einem festgelegten Kriterienkatalog die von den Höfen eingereichten Konzepte. Insgesamt sollten mindestens zwei der fünf Energiebereiche (Einsparen, Effizienz, Aufzeichnung, Eigenproduktion, Eigenstromnutzung) umgesetzt werden, um eine Förderung zu erhalten.

Aufseiten der Landwirte ist das Interesse enorm: Bereits drei Tage nach der internen Bekanntmachung des Förderprogramms Zukunftsbauer vergangenen Herbst waren fast alle Workshops ausgebucht. Inzwischen haben laut Molkerei-Geschäftsführer Pointner mehr als 100 Betriebe an den Intensiv-Workshops teilgenommen, mehr als 200 stehen auf der Warteliste. Insgesamt haben seit Projektbeginn vor gut einem halben Jahr bereits knapp 40 Betriebe die Prämie von maximal 10.000 Euro bekommen, das Investitionsvolumen auf den Höfen liegt laut Pointner bei knapp 2 Millionen Euro.

Das Fazit von Pointner: „Als Genossenschaft freut es uns besonders, mit unserem Partner Rewe/Penny ein Förderprogramm umzusetzen, bei dem alle zusammen – Handel, Unternehmen, Landwirtschaft und Verbraucher – an einem Strang ziehen. Klimaschutz geht nur gemeinsam.“ Der Zukunftsbauer sei das richtige Projekt zur richtigen Zeit.