Butterrausch
Was in Amerika als kurioser Schocktrend begann, dreht inzwischen international Runden und könnte bald auch hierzulande die Butterregale leeren. US-Creator zeigen auf Tiktok und Instagram, wie sie pure Butterstücke mit Zuckertoppings oder Frosting essen. Die Reaktion darauf: Deutsche Creator reagieren fassungslos – besonders, weil die US-Regierung Butter derzeit als empfehlenswertes Lebensmittel deklariert. Für den Lebensmittelhandel liegt hier eine charmante Chance: Wer den Trend humorvoll aufgreift, mit augenzwinkernden Inszenierungen spielt und gleichzeitig klar kommuniziert, dass exzessiver Butterkonsum keine Ernährungsempfehlung ist, kann Aufmerksamkeit generieren, bevor der Hype den nächsten Engpass auslöst. Reaktiver Content, der die eigene Kategorie bespielt, ohne sie zu verteufeln – das ist das Spielfeld.
Mein Markt
Was Penny mit Leyla Heiter gerade in Frankfurt am Main testet, könnte die Creator-Logik im stationären Handel grundlegend verändern. Am 30. Juli eröffnet der Reality-Star eine eigene Penny-Filiale – das Leylaland. Der Markt ist optisch auf ihre Ästhetik abgestimmt, sie kommuniziert über ihre Kanäle, ihre Community ist die Zielgruppe. Creator sind damit nicht mehr nur Botschafter für einzelne Produkte oder Kampagnen, sondern jetzt auch die Gesichter ganzer Märkte. Leyla Heiter ist eine leidenschaftliche Foodie und passt hervorragend in das Konzept, da sie bereits in der Vergangenheit als Penny Ambassador auf Tiktok aufgetreten ist. Die Frage, die sich daraus für den gesamten Lebensmittelhandel stellt: Welche regionalen Creator bringen eine Community mit, die zum eigenen Markt passt? Wer diese Menschen aktiv am Sortiment und der Marktgestaltung beteiligt, gewinnt nicht nur Reichweite – er gewinnt direkte Einblicke in die Wünsche und Lebenswelten seiner Zielgruppe.
Im Sommer wird ausgehöhlt
Ein spanischer Supermarkt hat diesen Sommer ungewollt einen viralen Desserttrend ausgelöst. Bei Mercadona kaufen Creator eine vorbereitete halbe Kokosnussschale, gefüllt mit Kokoseis. Die Mitte wird mit einem kleinen Löffel ausgehöhlt, ein Espresso läuft hinein – fertig ist eine tropische Affogato-Variante, die nach Urlaub schmeckt. Doch das eigentliche Muster dahinter ist größer und hat nicht nur mit Espresso zu tun: Dinge aushöhlen und mit etwas füllen ist anscheinend das Sommerformat schlechthin. Zum Beispiel die gefrorene Wassermelone, in die ein Schuss Milch kommt. Die Milch wird dann mit dem Fruchtfleisch der Melone zu einem selbst gemachten Eis vermengt. Für den Lebensmittelhandel bedeutet das: einfache Produktkombinationen, die sich wirkungsvoll inszenieren lassen. Eine fertige Kokosnuss mit Eis als Impulskauf, kombiniert mit der passenden Espressomarke, kann viralen Momenten eine Heimat im Regal geben. Hierbei sind auch der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Nahezu jedes Obst kann ausgehöhlt und gefüllt werden, der Trend ließe sich also auch beliebig erweitern. So könnten Märkte beispielsweise ihre eigenen Special Creations erschaffen.
Die LP-Kolumnistin Lina Arnold ist CEO von Joli und Expertin für Food-Trends und Konsumverhalten. Mit viel Gespür und Einblick in große Datenbanken zeigt sie, welche Trends den Lebensmittelhandel beeinflussen und wie Marken davon profitieren. Social Media Agentur | TikTok Agentur – Joli