Gamification des Einkaufs
Beim Mini-Einkaufswagen-Trend ziehen Creator mit winzigen Einkaufswagen durch Supermärkte und Drogerien und versuchen, möglichst viele Produkte darin unterzubringen. Der Inhalt ist schnell erklärt, die Millionen Views zeigen aber, worum es wirklich geht: Einkaufen ist längst mehr als reine Versorgung. Der Supermarkt wird zur Bühne, Produkte werden zu Requisiten, und selbst alltägliche Situationen werden zu Unterhaltung. Für Marken ist das eine klare Erinnerung daran, dass Kommunikation heute nicht immer maximal rational sein muss. Wer Konsumenten zum Schmunzeln bringt oder Teil eines spielerischen Moments wird, erzielt oft mehr Aufmerksamkeit als die nächste klassische Produktbotschaft. Der Trend zeigt damit auch, wie stark Einkauf und Supermärkte inzwischen Teil der Popkultur geworden sind. Marken dürfen deshalb ruhig mutiger werden und Humor bewusst in ihre Kampagnen und am Point of Sale integrieren.
Bunter Perlenkuchen erobert Socials
Ähnlich funktioniert der aktuelle Hype um sogenannte Perlenkuchen. Dabei überziehen die Creator einen Becherkuchen mit einer dicken Schicht bunter Miniperlen, die beim ersten Löffel spektakulär aufbrechen. Die Idee ist nicht neu, die Begeisterung dafür aber umso größer. Der Grund liegt im Zeitgeist: Social-Media-Nutzer lieben Produkte, die visuell auffallen und ein Erlebnis schaffen. Farbe, Textur und überraschende Momente sind oft wichtiger als echte Produktneuheiten – entscheidend ist die User Experience. Für Hersteller bedeutet das, dass Innovation nicht immer kompliziert sein muss. Manchmal reichen eine starke Aufmachung, eine gute Inszenierung und das Gespür dafür, was Communitys gerade begeistert. Hersteller müssen heute nicht ständig das Rad neu erfinden – Produkte müssen teilbar und auffällig sein. Wer versteht, welche Bilder, Farben und Produktmomente viral gehen, kann auch mit einfachen Konzepten große Reichweiten erzielen.
Käse … Eis?
Den kuriosesten Trend liefert aktuell der französische Molkereikonzern Lactalis mit seiner Marke Leerdammer: Käseeis. Die erste Reaktion lautet bei vielen: Warum? Die spannendere Frage ist jedoch: Warum nicht? Die Agentur Leagas Delaney betreut die Käsemarke Leerdammer seit Anfang 2025 als Lead-Agentur. Das Käseeis entstand als virale Marketingaktion basierend auf Social Listening. Ähnlich wie beim Döner-Croissant von Lidl zeigt sich, dass die besten Gesprächsanlässe heute oft aus Ideen entstehen, die ihre Urheber ursprünglich eher als Social-Media-Gag geplant hatten. Genau deshalb wird Social Listening für Marken immer wichtiger. Leerdammer zeigte das Käseeis zunächst als humorvolle Idee auf den eigenen Kanälen, doch die Community feierte die Neuheit so stark, dass aus dem Witz ein echtes Produkt wurde. Wer die eigene Community ernst nimmt, erkennt früh, welche Themen Menschen beschäftigen und welche Ideen Aufmerksamkeit erzeugen könnten. Für die Branche ist das eine wichtige Lektion: Social Listening darf kein Buzzword bleiben. Marken müssen bereit sein, ungewöhnliche Ideen auszuprobieren.
Die LP-Kolumnistin Lina Arnold ist CEO von Joli und Expertin für Food-Trends und Konsumverhalten. Mit viel Gespür und Einblick in große Datenbanken zeigt sie, welche Trends den Lebensmittelhandel beeinflussen und wie Marken davon profitieren. Social Media Agentur | TikTok Agentur – Joli
