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Drogerieartikel Wirkungsvoll „ohne“

Bettina Röttig | 21. Juni 2019
Drogerieartikel: Wirkungsvoll „ohne“
Bildquelle: Getty Images

Die Auslobung von Frei-von-Attributen werden auch bei Drogerie-Artikeln bedeutender. Neue gesetzliche Regelungen, die Mitte des Jahres in Kraft treten, nehmen Einfluss auf die Vermarktung und Produktentwicklung.

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Deo ohne Aluminium, Shampoo frei von Silikonen, Zahnpasta und Reinigungsmittel ohne Mikroplastik: Clean-Labelling hat schon längst in den Drogerie-Abteilungen Fuß gefasst. Vor allem bei Kosmetika rücken einige Auslobungen aktuell stärker in den Fokus – auch aufgrund neuer rechtlicher Rahmenbedingungen.

Vor allem der Aspekt „frei von tierischen Inhaltsstoffen“ und damit die Vegan-Zertifizierung ist auf einer zunehmenden Anzahl an Kosmetikprodukten zu finden. „Ein ethischer, natürlicher und veganer Lebensstil ist für viele Kosmetikkonsumenten von immer größerer Bedeutung“, weiß man bei Henkel. Die Düsseldorfer forcieren die Entwicklung von veganen und Clean-Labelling-Produkten. Nach erfolgreicher Einführung der neuen Frei-von-Marke Nature Box (vegan zertifizierte Haar- und Körperpflege, je nach Produkt variierend frei von Silikonen, Parabenen oder Sulfat-Tensiden) haben die Düsseldorfer nun ihre Traditionsmarke Schauma einem Relaunch unterzogen. Die Shampoos und Spülungen werden heute als vegan, frei von Parabenen und Silikonen beworben.

„,Vegan‘ beziehungsweise die Aussage ,frei von tierischen Inhaltsstoffen‘ ist aktuell wohl die am meisten boomende Frei-von-Auslobung im Körperpflegemarkt“, bestätigt Stefan Mulder, Vice President Marketing & Produktentwicklung Europe bei Lornamead. Das liegt nach Einschätzung des Managers zum einen an der allgemein stetig steigenden Relevanz für vegane Produkte beim Konsumenten, habe jedoch sicherlich auch mit der anstehenden Regulierung und Einschränkung von Frei-von-Auslobungen zu tun, die ab Juli 2019 in Kraft treten wird (siehe Kasten). „Die Auslobung ,frei von tierischen Inhaltsstoffen‘ wird allerdings nicht von dieser Regulierung betroffen sein und tritt sicherlich auch deshalb aktuell öfter in Erscheinung“, so Mulder. Im Zuge der naturnahen Positionierung der Marke „CD Körperpflege“ verzichtet Lornamead freiwillig auf Stoffe wie Parabene, Silikone, Mineralöle und PEGs. Auf der Auslobung „frei von tierischen Inhaltsstoffen“ liegt jedoch seit jeher ein besonderer Fokus für die Marke CD. Ganz neu launcht Lornamead aktuell eine jung positionierte Deomarke namens „EcoMe - my lovely deo“. Diese ist sowohl vegan, als auch frei von Aluminiumsalzen, und rückt Nachhaltigkeitsaspekte im Bereich der Verpackung in den Mittelpunkt.

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Herausforderung Mikroplastik
Als zweites großes Thema nehme die Frei-von-Aussage „ohne Mikroplastik“ im Drogeriesegment aktuell stark an Bedeutung zu, so Mulder. Mangels gesetzlicher Definition, um was es sich bei Mikroplastik eigentlich genau handelt, werde es spannend bleiben, wie sich hier der Markt weiter entwickele. Der Verbraucher habe das Thema jenseits jeglicher Definitionen längst hoch auf seiner Agenda stehen. Die Marke CD erfüllt die neuen Ansprüchen der Konsumenten bereits. „Beim komplizierteren Thema des flüssigen Mikroplastiks haben wir uns mangels gesetzlicher Definitionen – ähnlich wie es die Drogerie Rossmann gemacht hat – intern eine eigene Aufstellung der aus unserer Sicht als flüssiges Mikroplastik zu bezeichnenden Stoffe zusammengestellt, und formulieren seit circa anderthalb Jahren jegliche Neuproduktentwicklung gemäß dieser eigenen Definition ganz ohne Mikroplastik“, so Mulder. Ob Lornamead für die Marke CD den Claim „frei von Mikroplastik“ auslobt, hat der Hersteller noch nicht final entschieden. „Aktuell tun wir das nicht, obwohl alle CD Neuprodukte frei von Mikroplastik sind“, sagt Mulder. Die stetig zunehmenden Konsumentenanfragen im Kundenservice zeigten jedoch sehr deutlich die steigende Relevanz dieses Themas.

Kosmetik- und Waschmittelspezialist Henkel hat seit 2014 damit begonnen, Microbeads (kleine, feste Kunststoffteilchen, die nicht biologisch abbaubar sind) aus seinen Produkten zu verbannen. Inzwischen sind alle Kosmetik- und Reinigungsprodukte der Düsseldorfer frei von Microbeads. In einem nächsten Schritt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben damit begonnen, auf feste, synthetische Kunststoffe zu verzichten, die als Trübungsmittel eingesetzt werden, um Produkten einen cremig-weißes Aussehen zu verleihen. Ab 2020 wird Henkel ausschließlich Trübungsmittel verwenden, die einen natürlichen Ursprung haben oder biologisch abbaubar sind.

Aprikosenkerne statt Plastik
Delta Pronatura lobt den dem Verzicht auf Mikroplastik erstmals aufmerksamkeitsstark aus. Die Produktentwicklung ist dabei herausfordernd. „Die Suche nach wirkungsvollen und zugleich umweltverträglichen Inhaltsstoffen ist vielschichtig. Bei bestehenden Produkten kann sich der Austausch einer einzelnen Substanz auf die gesamte Rezeptur auswirken“, erklärt Marco Buschmeier, Director Global Marketing bei Delta Pronatura. Das habe sich auch beim „Dr. Beckmann Kochfeld Kraft-Reiniger“ gezeigt, bei dem bewusst auf Mikroplastik verzichtet wird. Stattdessen setzt das Unternehmen auf gemahlene Aprikosenkerne. „Sämtliche anderen getesteten Alternativen hatten ungünstige Auswirkungen zum Beispiel auf Konsistenz, Reinigungsleistung oder Materialschonung. Alternative Polierkörper saugten sich entweder voll und sanken auf den Boden der Flasche oder waren zu leicht und schwammen oben“, erklärt Buschmeier. Gemahlene Aprikosenkerne aus Frankreich hatten im Test ganz klar die Nase vorn und wurden schnell in die neue Rezeptur integriert.

Wichtig dabei: die Produktleistung. In puncto Materialschonung gab es keine Abstriche, der Reiniger ist mit dem Siegel „Geprüft und geeignet für Schott Ceran“ ausgezeichnet. Der Verbraucher honoriert die Formulierung ohne Mikroplastik. Der Hersteller verzeichnete mit der neuen Formulierung positive Absatzauswirkungen. „Aber davor geschaltet ist auch der entscheidende Aspekt, dass der Handel so etwas honoriert und wir zu zusätzlichen Distributionskanälen kamen“, betont Buschmeier. Das Unternehmen arbeitet nach der Devise „so wenig Chemie wie möglich, so viel wie nötig“, um nachhaltige Reinigungsergebnisse zu erzielen. „Genau betrachtet, kann wirklich nachhaltig nur sein, was auch funktioniert“, heißt es aus dem Unternehmen. Werterhalt sei die beste Pflege und im Hinblick auf die Gesamt-Ökobilanz durchaus auch eine effiziente. Die Fleckenbekämpfung bewahrt die Kleidungsstücke vor dem frühzeitigen Aussortieren in den Altkleidersack.