Österreich Quick Commerce trifft Supermarkt – Foodora wächst mit Penny und Billa

Hintergrund

Seit Mitte 2024 kooperiert der Quick-Commerce-Anbieter Foodora in Österreich mit Billa und Penny. Wie das funktioniert.

Montag, 27. Oktober 2025, 07:40 Uhr
Tobias Dünnebacke
Herbert Haas, Foodora
In den österreichischen Penny-Märkten sammeln und scannen die Mitarbeiter die Waren, bevor sie diese an den Kurier übergeben.
Herbert Haas, verantwortlich für die globale Strategie bei Foodora, will so viele Händler und Restaurants wie möglich in die App integrieren. Bildquelle: Foodora

Wien an einem Nachmittag im September. In der Innenstadt rund um den Stephansplatz und die Kärntner Straße strömen Büroangestellte, Geschäftsleute und Afterwork-Gruppen aus den Bürotürmen und Kanzleien zu den umliegenden Restaurants, Weinbars und Straßencafés. Das Licht der Septembersonne taucht die Fassaden der Altbauten in einen warmen Goldton, während die Straßenbahnen durch die Ringstraße gleiten. Wie in vielen europäischen Metropolen gehören auch die zahlreichen Zusteller auf Fahrrädern und Motorrollern zum Stadtbild. Sie liefern Essen aus den Fast-Food-Ketten oder lokalen Restaurants zur Kundschaft. Die „Rider“ transportieren Frischhalteboxen mit der Aufschrift „Wolt“, „Glovo“ und „Foodora“. Foodora? Den wenigsten Deutschen dürfte der Name noch ein Begriff sein, obwohl der Quick-Commerce-Anbieter ursprünglich 2014 in München das Licht der Welt erblickte. Schnell wurde das Start-up Teil des Delivery-Hero-Kosmos. Die deutschen Aktivitäten aber gingen Ende 2018 an Takeaway.com (Lieferando), weshalb die Marke in Deutschland nicht mehr aktiv ist.

Heute können noch Kunden in Skandinavien, Österreich, Ungarn und der Tschechischen Republik Essen über die App bestellen. „In diesen sechs Ländern haben wir die nötige Dichte an Bestellungen und Restaurantpartnern, um nachhaltig zu arbeiten. In anderen Märkten waren wir nur die Nummer zwei, drei oder vier, was wenig Sinn macht“, sagt Herbert Haas, verantwortlich für die internationale Entwicklung von Foodora, gegenüber der Lebensmittel Praxis bei einem Vor-Ort-Termin in Wien. Zu den Partnern gehören Fast-Food-Ketten wie McDonald’s und Burger King ebenso wie höherwertige lokale Restaurants wie Nikkai und Little Koya (asiatische Küche). Haas sieht Foodora unter anderem beim Thema Kampagnen besser aufgestellt als den Wettbewerb. „Ein Beispiel ist unser ‚Joker‘, der Restaurants die Möglichkeit gibt, sich neuen Kunden vorzustellen, und Konsumenten erlaubt, neue Angebote mit einem Rabatt auszuprobieren“, so der Geschäftsführer. Das sei bei der Einführung in der Branche neu gewesen. „Wir versuchen immer, einen Schritt voraus zu sein, um sowohl unseren Restaurant- und Einzelhandelspartnern als auch den Konsumenten zu helfen.“

Apropos Handel: Seit einigen Monaten kooperiert Foodora auch mit Rewe in Österreich, also den Vollsortimentern Billa und Penny. Laut Johannes Greller und Niko Karras, Geschäftsführer Penny Österreich, können Kunden in der Alpenrepublik seit Beginn der Kooperation Mitte 2024 Lebensmittel aus insgesamt 51 Penny-Märkten bestellen. Der Schwerpunkt liegt mit 22 Standorten auf Wien. Insgesamt seien schon rund 225.000 Bestellungen abgewickelt worden. Verkaufshit ist dabei die Kaisersemmel der Eigenmarke „I am Austria“. Haas glaubt an das Geschäftsmodell. „Es läuft wirklich auf die Dichte hinaus – sei es bei Bestellungen, Partnern oder Kunden. Mit der richtigen Dichte lässt sich die letzte Meile wirtschaftlich gestalten.“

Zusteller aus dem Ausland

In den Penny-Märkten suchen Mitarbeiter des Discounters die Waren selbst zusammen und scannen sie an der Kasse, bevor sie den Einkauf an einen Zusteller übergeben. Laut Penny Österreich liegt die durchschnittliche Zustellzeit bei 35 Minuten. Wie viele Fahrer für Foodora in Österreich arbeiten, will man nicht preisgeben. In einer offiziellen Stellungnahme im Sommer 2024 war von 3.000 Zustellern die Rede. Ein Großteil davon hat einen Migrationshintergrund. 95 Prozent (Stand Sommer 2024) waren als sogenannte freie Dienstnehmer beschäftigt. „Diese freien Mitarbeiter sind unfall-, kranken-, pensions- und arbeitslosenversichert. Sie erhalten ab dem dritten Tag Krankengeld und haben die Flexibilität, selbst zu entscheiden, wann und wo sie arbeiten möchten“, erklärt Alexander Gaied, Geschäftsführer von Foodora Österreich, im Gespräch. Freie Dienstnehmer sind steuerrechtlich Selbstständige, keine Arbeitnehmer. Das bedeutet, sie zahlen keine Lohnsteuer, sondern müssen ihre Gewinne aus der Tätigkeit als Einkünfte versteuern und jährlich eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt abgeben.

Die vermeintlich prekären Arbeitsverhältnisse im Quick Commerce sind bis heute Gegenstand von Kritik. Bei Foodora verdienen die Zusteller im Schnitt 13,96 Euro, ohne Trinkgeld. Ein vergleichbares Einstiegsgehalt würde in Österreich bei rund 11 Euro liegen. Für freie Mitarbeiter gibt es keinen festgelegten Mindestlohn. „Wir müssen im Wettbewerb um Arbeitskräfte bestehen und zahlen daher wettbewerbsfähige Löhne, um unser Angebot aufrechtzuerhalten“, so Gaied. Man müsse bedenken, dass es sich um einen Einstiegsjob handelt. „Viele unserer Fahrer nutzen diese Tätigkeit als Sprungbrett, um sich im Land zu etablieren. Ich bin der Meinung, dass wir für die erbrachte Leistung sehr fair bezahlen“, so der Foodora-­Chef weiter. Haas ergänzt, dass es wichtig sei, dass die Zusteller zumindest Grundkenntnisse in Englisch oder Deutsch haben. Deshalb biete man auch kostenlose Deutschkurse an. „Das ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass 70 Prozent unserer Fahrer Migranten sind. Diese Kurse helfen ihnen, sich besser zu integrieren und ihre Chancen zu verbessern.“

Die Zukunft der Zustellung

Foodora sieht sich als Vorreiter bei der Zustellung mit Drohnen und Robotern. In Schweden gibt es laut Haas bereits die kommerzielle Nutzung von Drohnen bei der Auslieferung von Essen in einigen Gebieten. Tests mit Drohnen und Robotern laufen auch in Finnland und Norwegen. „Das ist ein Teil der Zukunft vor allem in dichter besiedelten und doch weitläufigen Gebieten wie Inseln oder Wäldern.“ Man sehe auch erste Anzeichen, dass die Drohnenzustellung immer häufiger bei der Stadtplanung ein Thema ist.

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Bild öffnen In den österreichischen Penny-Märkten sammeln und scannen die Mitarbeiter die Waren, bevor sie diese an den Kurier übergeben.
Bild öffnen Roboter werden in Schweden vereinzelt für die Zustellung genutzt.