Nestlé Deutschland streicht bis Ende 2027 insgesamt 259 Stellen. Das Unternehmen begründet den Abbau mit der Notwendigkeit, die Organisation an ein schnelleres und wettbewerbsintensiveres Marktumfeld anzupassen. Zudem will Nestlé mehr Geld in seine Marken investieren, wie das Unternehmen mitteilte. Der Stellenabbau erstreckt sich über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren. Betroffen sind vor allem die Bürostandorte in Frankfurt, Euskirchen und Düsseldorf, wie Nestlé weiter mitteilte.
Das Unternehmen will betriebsbedingte Kündigungen nach eigenen Angaben möglichst vermeiden. Dazu setzt Nestlé auf rentennahe Lösungen wie Altersteilzeit, natürliche Fluktuation und individuelle interne Lösungen.
Nestlé-CEO Philipp Navratil hatte bereits im Herbst 2025 angekündigt, die Belegschaft weltweit um 16.000 Stellen verkleinern zu wollen.
Mutterkonzern kämpft gegen Währungseffekte
Der Schweizer Mutterkonzern Nestlé hat im ersten Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 5,7 Prozent auf 21,3 Milliarden Franken verzeichnet. Das organische Wachstum lag bei 3,5 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte. Der Rückgang beim publizierten Umsatz geht auf Währungseffekte zurück, die mit 9,3 Prozent zu Buche schlugen. Das reale Mengenwachstum erreichte lediglich 1,2 Prozent.
Einen erheblichen Dämpfer erhielt das Quartal durch einen weltweiten Rückruf von Säuglingsnahrung im Januar 2026. Auslöser war der Nachweis von Cereulid, verursacht durch eine Zutat eines externen Lieferanten, wie Nestlé mitteilte. Der Rückruf belastete das organische Wachstum und das reale Mengenwachstum um jeweils rund 90 Basispunkte. Besonders stark betroffen waren die Regionen Greater China sowie der Nahe Osten und Nordafrika. Im Segment Nutrition fiel das organische Wachstum auf minus 3,9 Prozent. Nach Angaben des Unternehmens ist die Produktverfügbarkeit inzwischen wiederhergestellt. Nestlé erwartet eine vollständige Markterholung bis Ende 2026. Rund die Hälfte des Rückruf-Effekts entfällt den Angaben zufolge auf einen dauerhafteren Rückgang der Konsumnachfrage.
Das Kaffeesegment entwickelte sich hingegen stark. Mit einem organischen Wachstum von 9,3 Prozent, einem realen Mengenwachstum von 3,5 Prozent und Preiserhöhungen von 5,7 Prozent übertraf die Kategorie alle anderen Segmente deutlich, wie das Unternehmen mitteilte. Nescafé lieferte ein zweistelliges organisches Wachstum über alle Märkte hinweg. Nespresso erzielte ein organisches Wachstum von 5,1 Prozent und konnte die Konsumentenbasis vor allem in Nordamerika ausbauen. Rückenwind gab es nach Unternehmensangaben auch durch die Verpflichtung von Dua Lipa als neue globale Markenbotschafterin, deren Ankündigung in der ersten Woche mehr als 1,9 Milliarden Aufrufe generierte.
Nestlé verkauft Blue Bottle Coffee und baut E-Commerce aus
Ein strukturelles Problem bleibt der chinesische Markt. Dort brach das organische Wachstum auf minus 10,6 Prozent ein, das Mengenvolumen sank um 10,4 Prozent. Nestlé nennt als Ursachen die laufende Korrektur von Handelsbeständen und den Rückrufeffekt.
Losgelöst von China und dem Nahen Osten zeigen die aufstrebenden Märkte hingegen Stärke: organisches Wachstum von 6,8 Prozent, reales Mengenwachstum von 2,9 Prozent. Indien, Indonesien und Zentral- und Westafrika lieferten besonders starke Ergebnisse, wie das Unternehmen mitteilte. In Europa lag das organische Wachstum bei 3,9 Prozent, der publizierte Umsatz sank aber durch Währungseffekte von 5,3 Prozent auf 4,6 Milliarden Franken.
Parallel zum operativen Geschäft treibt Nestlé die Neuausrichtung des Portfolios voran. Der Verkauf von Blue Bottle Coffee an Centurium Capital wurde vereinbart und soll noch im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden, wie das Unternehmen mitteilte. Gespräche über eine Teilveräusserung von Nestlé Waters & Premium Beverages sowie den Verkauf von Vitaminmarken laufen.
Im digitalen Vertrieb wächst Nestlé dynamisch: Der E-Commerce-Umsatz stieg organisch um 15,4 Prozent und macht nun 21,5 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Für das Gesamtjahr 2026 bekräftigt Nestlé seine Prognose: organisches Wachstum zwischen 3 und 4 Prozent, eine gegenüber 2025 verbesserte operative Ergebnismarge sowie ein freier Cashflow von über 9 Milliarden Franken.