Agrarmarkt-Analyse Globale Reispreise fallen auf Langzeittief

Der internationale Kreditversicherer Coface meldet einen Preiseinbruch von 35 Prozent auf dem weltweiten Reismarkt. Hauptgrund ist die Aufhebung der Exportbeschränkungen durch Indien. Fast 90 Prozent der globalen Produktion und des Konsums entfallen auf Asien.

Dienstag, 21. Oktober 2025, 09:29 Uhr
Theresa Kalmer
Die globalen Reispreise sind innerhalb eines Jahres um 35 Prozent gefallen und damit auf dem niedrigsten Niveau seit 2017. Bildquelle: Getty Images

Der internationale Kreditversicherer Coface hat einen drastischen Preisverfall auf dem globalen Reismarkt festgestellt. Die Preise sind innerhalb eines Jahres um 35 Prozent auf rund 360 US-Dollar pro Tonne (etwa 310 Euro) gefallen – das niedrigste Niveau seit 2017, wie Coface mitteilte.

Auslöser für den Preisverfall ist die Aufhebung der Exportbeschränkungen durch Indien. Der weltweit größte Reisexporteur hatte seine Ausfuhren 2022 eingeschränkt, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen. Nach der Wiederaufnahme der Exporte im Jahr 2024 und rekordhohen Ernten in Asien brachen die Preise ein. „Die Preise dürften mindestens bis Ende 2025 weiter fallen und sich 2026 auf einem Niveau stabilisieren, das seit einem Jahrzehnt nicht mehr erreicht wurde“, zitierte Coface seinen Branchenanalysten Simon Lacoume in der Mitteilung.

Die Marktmacht Asiens ist dabei enorm: Fast 90 Prozent der globalen Produktion und des Konsums entfallen auf die Region. Allein auf Indien entfallen 40 Prozent der weltweiten Reisexporte. Dies macht besonders afrikanische Länder abhängig von politischen Entscheidungen asiatischer Staaten, wie der Kreditversicherer erläuterte.

Philippinen stoppen Reisimporte

Der Preisverfall gefährdet zunehmend die Rentabilität von Reisproduzenten. Die Philippinen, einer der weltweit größten Reisimporteure, haben deshalb die Einfuhr seit dem 1. September für zunächst 60 Tage ausgesetzt. Auch andere Länder setzen auf Protektionismus: Japan hält an strengen Importquoten fest, um die heimische Reisproduktion zu schützen. Dies führt zu erheblichen Preisunterschieden – ein Fünf-Kilogramm-Sack Reis kostet in Tokio derzeit rund 26 US-Dollar, in Bangkok dagegen nur etwa 8 US-Dollar.

Für 2026 erwartet Coface einen wachsenden Angebotsüberschuss. Grund dafür sind positive Produktionsprognosen und eine mögliche Rückkehr des Wetterphänomens La Niña im vierten Quartal 2025, das typischerweise zu verstärkten Niederschlägen in Teilen Asiens führt.