Der italienische Kaffeekonzern Lavazza prüft einem Bericht der Tageszeitung „Corriere della Sera“ zufolge eine Fusion mit dem deutschen Kaffeeunternehmen Dallmayr. Durch den Zusammenschluss würde ein Konzern mit einem Jahresumsatz von fast fünf Milliarden Euro entstehen, wie die italienische Zeitung berichtet.
Die Verhandlungen befinden sich nach Informationen der Zeitung noch in einem frühen Stadium. Die US-Investmentbank Goldman Sachs begleitet die Gespräche auf Seiten von Lavazza. Der Zusammenschluss solle hauptsächlich über einen Aktientausch erfolgen. Die italienische Eigentümerfamilie Lavazza würde dabei die Mehrheit an dem neuen Konzern behalten. Lavazza wollte die Informationen auf Anfrage der Zeitung nicht kommentieren.
Lavazza hat das Jahr 2024 mit einem Umsatz von 3,35 Milliarden Euro abgeschlossen. Dies entspricht einem Plus von 9,1 Prozent. Der Gewinn stieg um 21 Prozent auf 82 Millionen Euro. Das Familienunternehmen Dallmayr erwirtschaftet nach Angaben der Zeitung einen Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt 4.800 Mitarbeiter und ist in mehr als 50 Ländern aktiv. Dallmayr verarbeitet jährlich 71.000 Tonnen Kaffee und betreibt mehr als 121.000 Getränkeautomaten.
Lavazza baut US-Geschäft aus
Für Lavazza wäre dies bereits die zweite große Transaktion innerhalb von zwei Jahren, wie es in dem Bericht von „Corriere della Sera“. Der Konzern hat 2024 eine Übernahmeofferte für den italienischen Getränkeautomatenbetreiber Ivs vorgelegt. Lavazza hält mittlerweile 49 Prozent an Ivs und hat die Option, zwischen 2027 und 2034 die Mehrheit zu übernehmen. Ivs ist nach eigenen Angaben Marktführer in Italien und die Nummer zwei in Europa bei der Getränkeautomatendistribution.
Die Kaffeebranche steht derzeit unter Druck. Die Preise für die Kaffeesorten Robusta und Arabica sind 2024 um mehr als 70 Prozent gestiegen. Ein Zusammenschluss würde die Verhandlungsposition bei der Beschaffung von Rohkaffee stärken, schreibt „Corriere della Sera“. Lavazza hat bereits auf die von Donald Trump ausgelösten Handelskonflikte reagiert und die Hälfte der Produktion für den nordamerikanischen Markt in die USA verlagert. Der Konzern will die US-Produktion nun auf 100 Prozent ausbauen.