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Länderreport Baden-Württemberg Bio in der DNA

Nicole Ritter | 13. Januar 2017

Baden-Württemberg startet eine langfristige Verbraucherkampagne, um regionale Erzeuger bei der Vermarktung zu unterstützen. Eine wichtige Rolle spielt in dem zugrundeliegenden Zehn-Punkte-Plan der ständige Dialog mit dem Lebensmitteleinzelhandel.

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Warum setzen Sie auf Regionalität in der Vermarktung? Wollen die Menschen nicht lieber mit internationalen Produkten ihren Tisch decken?
Peter Hauk: Regionale Produkte sind im Trend. Sie sind Kult, weil sie für Heimat, Qualität und Authentizität stehen. Als Landwirtschaftsminister bin ich stolz auf die vielfältigen Produkte, die unsere Bäuerinnen und Bauern erzeugen, und auf die leckeren Gerichte, die unsere Gastronomen damit kochen. Die Menschen sollen Heimat schmecken können. Unsere Bauern sorgen jeden Tag dafür, dass Spitzenprodukte im Land erzeugt werden. Das sollte der Verbraucher mehr zu schätzen wissen und am Regal zuerst zu Regionalem greifen. Das Qualitätszeichen Baden-Württemberg (QZBW) und das Bio-Zeichen Baden-Württemberg haben sich in der Vergangenheit zu verlässlichen Wegweisern für Verbraucher entwickelt. Zusammen mit den EU-weit geschützten Spezialitäten aus Baden-Württemberg bilden sie die Säulen des Gemeinschaftsmarketings im Genießerland Baden-Württemberg.

Wie erreichen Sie die Verbraucher?
In den vergangenen Jahren haben wir mit unseren Qualitätsprogrammen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel sowie mit verschiedenen Maßnahmen des Gemeinschaftsmarketings, wie etwa unseren Agrarbotschafterinnen, viel erreicht. Das wollen wir nun ausbauen und intensivieren. Wir starten beispielsweise eine Verbraucherinformationskampagne – mit dem Ziel, die regionalen Produkte und den Zusammenhang zwischen Landbewirtschaftung und dem Erhalt unserer Kultur- und Naturlandschaften noch mehr ins Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher zu rücken. Hierzu haben wir auch einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet. Als ersten Schritt haben wir gemeinsam mit der MBW Marketinggesellschaft des Landes einen Landeswettbewerb zur Vermarktung regionaler Milchprodukte ausgeschrieben. Wir müssen heimische Qualität sichtbar und erlebbar machen.

Qualitätszeichen Baden-Württemberg

Produkte mit dem Qualitätszeichen Baden-Württemberg (QZBW) stammen aus Baden-Württemberg und erfüllen erhöhte Qualitätsanforderungen, die über den gesetzlichen Standards liegen. 24 Lizenznehmer, rund 500 Zeichennutzer und 5.200 landwirtschaftliche Betriebe sind an dem Qualitätsprogramm beteiligt. Qualitätsprodukte mit dem QZBW gibt es in den verschiedensten Sortimentsbereichen. Stark vertreten ist das Qualitätszeichen bei Frischeprodukten wie Obst, Apfelsaft, Gemüse, Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Das QZBW beziehungsweise dessen Vorgänger besteht seit 1986.

Sie haben die Milch angesprochen. Die Qualität aus Baden-Württemberg ist gut, aber was nützt das dem Bauern, wenn die Verbraucher trotzdem zu den billigen Produkten greifen?
Hier müssen und werden wir ansetzen. Wir wollen unseren Produkten ein Gesicht geben. Die Menschen müssen beim Einkaufen wissen, wen sie unterstützen. Ihnen soll klar sein, dass unsere Produkte etwas Besonderes sind. Es ist uns wichtig zu vermitteln, dass sie mit ihrem Kauf ein Stück Heimat erwerben, unsere Landwirte unterstützen und durch ihre Kaufentscheidung dazu beitragen, dass unsere Landwirtschaft erhalten bleibt und das auch für die kommenden Generationen. Qualität hat ihren Preis, auch das ist eine Botschaft. Menschen geben zum Beispiel für ihre Küchen tausende von Euros aus, aber zubereitet wird darin das Billigste. Da passt was nicht zusammen.

Welchen Erfolg versprechen Sie sich von Ihrer Kampagne?
Laut Ernährungsreport 2016 der Bundesregierung legen 76 Prozent der Menschen Wert darauf, dass Lebensmittel aus der Region kommen. 86 Prozent halten es für erforderlich, dass Bauern besser bezahlt werden. Mit unserer Verbraucherkampagne wollen wir genau an dem Punkt ansetzen. Der Lebensmittel-Einzelhandel spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auch er setzt auf regionale Partnerschaften. Da setzen wir gemeinsam an. Gleichzeitig wollen wir weiterhin Kooperationen und eine engere Zusammenarbeit zwischen Erzeugern, Verarbeitern sowie Vermarktern stärken.