Marktkauf Espelkamp Service-Offensive in der Provinz

Der Marktkauf in Espelkamp hat zwar ein großes Einzugsgebiet, aber auch gehörig Konkurrenz. Marktleiter Karl Kordes steuert mit lokalem Engagement, einer regionalen Verankerung und Services dagegen; im 50. Jubiläumsjahr des Unternehmens wird trotz Pandemie jede Gelegenheit für Aktionen genutzt.

Montag, 15. März 2021 in Ladenreportagen
Andrea Kurtz
Artikelbild Service-Offensive in der Provinz
Bildquelle: Fotos Andrea Kurtz, Markus Wörmann, Mirko Moskopp, Marktkauf Espelkamp

Die Nummer eins im Mühlenkreis: So wirbt der Marktkauf in Espelkamp für sich. Der Kreis Minden-Lübbecke liegt zwischen Wiehengebirge, Weser und Stemweder Berg; dort leben rund 300.000 Menschen. Zwar gibt es Arbeitsplätze in den über 20.000 Betrieben, aber im Großen und Ganzen ist die Gegend ländlich geprägt. Die Kaufkraft ist dementsprechend durchwachsen. Die Kleinstadt Espelkamp mit ihren knapp 25.000 Einwohnern ist da keine Ausnahme; die Bevölkerung ist noch dazu sehr gemischt und seit dem Zweiten Weltkrieg von einem hohen Anteil an Aussiedlern und Migranten geprägt. Viele davon sind in den 70er- Jahren aus Russland oder anderen osteuropäischen Staaten ausgesiedelt. Auch der Anteil an kurdisch- und türkischstämmigen Einwohnern ist hoch.

Für Marktleiter Karl Kordes und sein 140-köpfiges Team hat das immense Auswirkungen – auf die Preis- und Angebotspolitik sowie auf das Sortiment. Auch die Konkurrenz ist groß: Aldi, Lidl, Real sowie diverse türkische Supermärkte gibt es im Umkreis des Marktkauf.

Einen Sortimentsfokus daher auf eine Fülle von ausländischen Spezialitäten aus der Türkei, aus Russland oder aus Polen zu legen, war daher selbstverständlich. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den regionalen Produkten, die oft aus dem direkten Umland kommen.

Sortiment im Mittelpunkt
Seit der ersten Corona-Welle hätten im Prinzip alle Sortimente zugelegt, hat Karl Kordes beobachtet. „Besonders hohe Absätze hatten wir zeitweise bei den Nährmitteln zu verzeichnen, ebenso bei Fertiggerichten aus allen Bereichen, insbesondere bei Tiefkühlkost. Auch die Frische-Abteilungen mit den Bedientheken sowie Obst und Gemüse boomen – ergänzt um eine erhöhte Nachfrage bei Non-Food im aktuellen Lockdown.“ Die größte Herausforderung dabei sei die Waren-Verräumung, die ganz anders organisiert werden musste. Der Marktkauf hat dazu ein Packteam zusätzlich eingestellt, das in den frühen Morgenstunden beim Einräumen hilft.

Service und Information zählen
Darüber hinaus punkten die Espelkamper mit einem ganzen Programm von Services und Informationsangeboten. So wurde beispielsweise der schon vor Corona existierende Liefer- und Abholservice, der vor allem Großgeräte zum Kunden brachte, zum Full-Service-Lieferdienst ausgebaut. „Wir sind 2020 eine Kooperation mit einer Fahrschule eingegangen, die uns beim Ausliefern der Waren unterstützt hat“, berichtet Marktleiter Kordes. Auch viele Vereine machten ehrenamtlich mit, nahmen Bestellungen entgegen oder konfektionierten diese. „Gedacht war dieser Lieferservice für ältere Mitbürger sowie für Corona-Risikogruppen und Menschen in Quarantäne“, so Kordes. Dieser kostenfreie Lieferservice soll bestehen, bis die Pandemie beendet ist. Bestellt werden kann per E-Mail oder Telefon. Auch kontaktloses Bezahlen an der Haustür ist möglich, da der Marktkauf eigens hierfür mobile EC-Cash-Geräte angeschafft hat.

Doch auch das Geschäft vor Ort stimmt derzeit. Schon von Montag bis Mittwoch habe er enorme Zuwächse zu verzeichnen; die stärksten Umsatztage seien aber weiterhin Donnerstag bis Samstag. „Es wird allgemein gern in den frühen Morgenstunden sowie den Abendstunden eingekauft“, sagt Kordes. Der Durchschnittsbon lege dabei „schon um einiges höher“, sagt er.

Mit einem ausgeklügelten System ist derzeit auch der Zugang zu Mall und Verkaufsfläche geregelt. An den umsatzstarken Tagen kontrolliert ein Security-Personal die Einlassregeln im Eingangsbereich; auch die im Markt befindliche Kundenanzahl wird erfasst. „Die täglichen Kontrollen des Ordnungsamtes sind bislang alle positiv für uns verlaufen; so soll es auch bleiben“, heißt es in Espelkamp.

Ausgeklügelter Kundenlauf
Zusätzlich wurde die Mall entlang der Kassen zweigeteilt; somit kommen die hereinkommenden Kunden nicht mit denen in Berührung, die den Markt verlassen. Außerdem wurden zu Beginn der Grippezeit an allen zwölf Kassen sowie überall im Markt eigens angefertigte Desinfektionsständer platziert.

Eine Besonderheit sei hier noch erwähnt: 2020 wurde eine Kasse speziell für ältere Mitbürger sowie Risikogruppen eingeführt.

Die herzliche Atmosphäre, die den Espelkamper Markt prägt (und die man sofort spürt, wenn man nach einem Produkt oder einer Information sucht), kommt nicht von ungefähr. „Die Mitarbeiter müssen sich fühlen wie in einer großen Familie, in der jeder gleichberechtigt ist“, so das Credo Karl Kordes’. Geld allein sei keine Motivation, ist er überzeugt. Für ihn komme es immer auf den Umgang mit den Menschen an – und vor allem darauf, ein offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter zu haben.

Fakten im Fokus

6.475 qm Verkaufsfläche
140 Mitarbeiter
60.000 gelistete Artikel
32,2 Prozent Frischenanteil auf gesamter Markt-Ebene
von montags bis samstags 8 - 22 Uhr


Schnell gelesen
Marktkauf, Hindenburgring 3, 32339 Espelkamp

  • Großfläche mit ländlichem Charme durch Einsatz von Holz und vielen holzartigen Elementen
  • absolute Service-Orientierung: Lieferservice, Abholservice für Kunden, Informationsecken, Ernährungsberatung
  • Kooperation mit örtlicher Fahrschule zur Auslieferung in der Pandemie
  • Energiestandards umgesetzt (zum Beispiel umweltfreundliches Kältemittel CO2)
  • Pilotmarkt für Easy Shopper
  • Schwerpunkt: regionale Produkte, internationale Spezialitäten (Russland, Polen etc.)