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Rewe Buschkühle Lippstadt Blau-gelb zu rot

Reiner Mihr | 20. Februar 2018

Eine Bilderbuch-Karriere, wie sie so wohl nur im Lebensmittel-Einzelhandel vorkommen dürfte – das ist die Berufslaufbahn von Björn Wegg. Und dabei ist der Mann noch keine 30 Jahre alt.

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2006 fing der damals 16-jährige Björn Wegg bei Edeka Buschkühle in Stukenbrock bei Paderborn als Aushilfe an. Für 450 Euro machte er das, was man dann so macht. Auffüllen, aufräumen, aufbauen, auch mal Ware annehmen, saubermachen. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dann eine Lehre angefangen habe.“ Das ging prima und Wegg stieg bei Buschkühle als Vollzeitkraft ein. Schon nach zwei Jahren managte er die Weinabteilung, 2010 war er stellvertretender Marktleiter, dann schnell Marktleiter in Bad Waldliesborn. Bis 2015. Danach übernahm Wegg die Vertriebsleitung für alle sieben Märkte von Carsten Buschkühle. Rasant.

Fakten im Fokus
  • Verkaufsfläche: 2.200 qm (plus Getränkemarkt 500 qm)
  • Angestellte: 100 davon 25 Vollzeit
  • Artikel:35.000
  • Durchschnittsbon:20,75
  • Frischeanteil: 40%
  • Umsatzziel 13,5 Mio

Der Schock kam 2016: Familie Buschkühle verkaufte fünf ihrer sieben Märkte an die Rewe Dortmund. „Ich hab geheult wie ein Schlosshund“, sagt Wegg. Denn Buschkühle war sein Förderer; ohne den selbstständigen Kaufmann hätte er seinen Weg so nicht machen können. „Ich hatte viele Freiheiten und eine gute Mischung von Theorie und Praxis“, sagt Wegg, „dazu konnte ich aus Fehlern lernen, hatte und habe tolle Kollegen und wirklich Freude am Beruf.“ Die neue Chance kam schnell. Denn die Rewe Dortmund privatisierte, und die Marktleiter der fünf ehemaligen Buschkühle-Märkte hatten das Erstzugriffs-Recht. Alle wollten aber nicht, und so übernahm Wegg im vergangenen Jahr neben Bad Waldliesborn auch den Markt in Wadersloh. Der Start gelang auch deshalb, weil das Mitarbeiter-Team (100 in Bad Waldliesborn, rund 60 in Wadersloh) hinter Wegg steht. Das sicher auch, weil nach dem Wechsel von blau-gelb zu rot keine Entlassungen folgten, das hatte Carsten Buschkühle noch mit den Dortmundern ausgehandelt.

Trotzdem: Die Zeit der Umstellung war hart. Ein wenig Reibung gab es mit der Rewe Dortmund natürlich auch. Sortimente und Systeme unterscheiden sich nun mal zur Edeka. Aber grundsätzlich ist die Zusammenarbeit prima, sagt Wegg. Er schätzt besonders die Montags-Börsen und den Austausch mit den Rewe Kollegen. „Von deren Erfahrungen profitiere ich viel.“

Schnell gelesen

Rewe Buschkühle, Quellenstr. 17, 59556 Lippstadt (Bad Waldliesborn)

  • Bilderbuchkarriere von der Aushilfskraft zum selbstständigen Händler: Björn Wegg.
  • Wechsel von der Edeka zur Rewe Dortmund.
  • Umstellung war auch für Kunden nicht leicht. Mittlerweile Stabilisierung und Ausbau des Geschäfts.
  • Punkten durch Spezialitäten.
  • Mitarbeiter unterstützen den jungen Marktchef.
  • Björn Wegg betreibt bereits zwei Rewe-Märkte.
  • Ehrgeizige Ziele, auch weitere Märkte nicht ausgeschlossen.

Kunden müssen sich gewöhnen
Trotzdem gab es erst mal Umsatzeinbußen. Die Kunden waren zunächst zurückhaltend, nicht jeder gewohnte Artikel blieb im Sortiment, Streckenlieferungen mussten sich erst einspielen. Mittlerweile haben die Kunden aber den neuen, alten Laden angenommen, und die Umsatzentwicklung zeigt nach oben. Zum Schlemmerabend Ende November kamen immerhin 380 Kunden.

Was macht Wegg anders? So viel ist das gar nicht. Immerhin kommt er von der Edeka. Aber er will seinen eigenen Weg gehen. Auch als Rewe-Kaufmann. Er geht sehr offensiv mit Aufbauten, Zweitplatzierungen und Dekoration um. Er setzt noch stärker als früher auf regionale Produkte und besetzt hier auch Nischen: Gin aus dem Sauerland, Whisky aus Rüthen, Nudeln, Käse, Honig und natürlich Obst und Gemüse aus der Region. Auch mit Spezialitäten will er punkten und nennt als Beispiel sein Thunfischfilet in Gastronomie-Qualität oder den Löffel-Gorgonzola. Und natürlich pflegt Wegg die Weinabteilung. Denn in der hat seine Karriere schließlich im Wesentlichen ihren Anfang genommen.