Edeka Minden-Hannover Genuss im Großformat

Sonja Plachetta | 08. November 2017

Die Edeka Minden-Hannover hat den ältesten Marktkauf Deutschlands für 12,5 Mio. Euro modernisiert. Die Investition hat sich gelohnt. In dem 7.000-qm-Haus in Osnabrück-Nahne, das bisher ohne Bedientheken auskam, hat die Frische jetzt einen ganz großen Auftritt.

Anzeige

Was in Stein gemeißelt ist, gilt als unumstößlich. In unserer schnelllebigen Zeit ist es also ein starkes Zeichen von Verlässlichkeit, wenn Kunden die in Stein gehauenen „Gesetze“ eines Geschäfts direkt neben dem Eingang lesen können. So wie vor dem Marktkauf Osnabrück-Nahne. Ein Paragraf enthält dort zum Beispiel die Zusage, dass jeder in den Bedienungsabteilungen alles probieren darf. „Diese Probiergarantie gilt dauerhaft“, betont Marktleiter Torsten Westebbe. „Damit profilieren wir uns auch gegenüber dem Wettbewerb.“ Außerdem hilft dieses Versprechen dabei, die Kunden an die Theken zu locken. Schließlich müssen die sich erst daran gewöhnen, dass es in ihrem Marktkauf überhaupt welche gibt. Denn fast 46 Jahre lang haben die Menschen in dem reinen SB-Warenhaus eigenständig Fleisch oder Käse in den Wagen gepackt. Lediglich in der Vorkassenzone befand sich früher ein

Fakten im Fokus
  • Verkaufsfläche: 7000 qm
  • Mitarbeiter: 170
  • Artikelzahl: 70.000
  • Kassen:12
  • Kunden pro Woche 20.00

Das 1971 eröffnete Haus in Osnabrück-Nahne ist der älteste Marktkauf in Deutschland. Die Edeka Minden-Hannover hat 12,5 Mio. Euro investiert, um aus der in die Jahre gekommenen, zuletzt zweistöckigen Verkaufsfläche einen modernen Laden zu formen, der auf 7.000 qm einen ebenerdigen Einkauf ermöglicht. Der Umbau dauerte knapp zwölf Monate.

Obwohl Nonfood in dem Markt mit 60 Prozent der Fläche und 30 Prozent Umsatzanteil weiterhin eine große Rolle spielt, sind für Westebbe Genuss und Frische die neuen Leitmotive. „Durch die Gastro-Zonen steht das Thema Genuss schon direkt nach dem Reinkommen im Vordergrund“, sagt er. In der „Genusswelt“ kochen vier Köche wechselnde Tagesgerichte, zudem gibt es u. a. Hotdogs und Burger. Das Café Amani – benannt nach einem Löwen im Osnabrücker Zoo, für den der Marktkauf die Patenschaft übernommen hat – offeriert außer einem Frühstücksbuffet auch Snacks wie frische Pizza sowie nachmittags Kuchen und den markteigenen Kaffee von einem regionalen Röster.


Im Laden stehen jetzt Themenwelten und der Erlebniseinkauf im Fokus. Der Hauptgang ist leicht geschwungen. „Er ist keine Rennpiste mehr, sondern lädt zu einer Entdeckungstour durch den Markt ein“, erklärt Westebbe. Dieser Weg führt den Kunden zunächst vorbei an einem Beauty-Center für dekorative Kosmetik, das wie ein eigener Laden wirkt, sowie dem Shop-in-Shop-Konzept von Depot. Es folgen Haushaltswaren und Kochutensilien. Ladenbauer Interstore hat die Abteilungen klar abgegrenzt durch Deckensegel aus Holz oder rote Turmelemente. Zur unterschwelligen Sortimentsführung gibt es überall Textblasen. „Guten Morgen, Schatz“ weist z. B. auf die Frühstückswelt hin.

Dann endlich steht der Marktleiter da, wo „mein Herz höher schlägt“. Westebbes Blick fällt auf das „Frischeparadies“: Salatbar, Käseinsel, Obst- und Gemüseabteilung – alles dicht beieinander, was den Wochenmarktcharakter erhöhen soll.

Schnell gelesen

Marktkauf, Iburger Str. 229, 49082 Osnabrück-Nahne

  • Trotz hohem Nonfood-Anteil stehen Genuss und Frische im neuen Konzept im Marktkauf Osnabrück-Nahne im Fokus.
  • Die selbst betriebenen Gastro-Angebote Café Amani und „Genusswelt“ nehmen die Kunden in Empfang. Es gibt 100 Sitzplätze.
  • Um die Kunden an die insgesamt 27m langen Bedientheken zu locken, gibt es eine Probiergarantie.
  • Durch ein modernes Ladendesign ist die 7.000 qm große Fläche gut strukturiert. Die Sortimente sind in Themenwelten eingeteilt.

„Der Kunde muss 120 m durch den Laden laufen, bevor er zur Frische kommt, da müssen wir ihm auch etwas bieten“, davon ist Westebbe überzeugt. Die Probiergarantie allein reicht da nicht. Es braucht hochwertige Ware, die die Kunden verführt. Die Obst- und Gemüseabteilung empfängt die Kaufwilligen deshalb mit Beeren und Exoten, und vor der Käsetheke gibt es eine Präsentationsfläche, wo im Wechsel Länderthemen wie Italien gespielt werden. An der Fleischtheke stehen Dry-aged-Beef und die „Steak-Oase“ im Vordergrund, bei Fisch ist es die Ware aus dem hauseigenen Räucherofen, an der Käsetheke selbst sind die Frischkäsesorten aus Eigenproduktion in Szene gesetzt. Standardartikel gibt es fast nur noch in SB. „Bei Käse funktioniert diese Aufteilung bereits exzellent, bei Fleisch ist es noch eine Herausforderung, die hochwertigen Stücke an die SB-Kunden zu bringen“, räumt der Marktleiter ein. Klar ist: Dieses Konzept funktioniert nur mit bester Beratung. Deshalb hat Westebbe für die insgesamt 27 m langen Theken zahlreiche Fachkräfte rekrutiert. Und er stellt weiter ein.

Außer mit Frische und Vielfalt punktet der neue Marktkauf noch mit zahlreichen anderen Services. Darunter sind u. a. ein Ananasschäler, eine Kleingeld-Sammel-Station, Einkaufswagenstopper an jedem der 482 Parkplätze und, ab Dezember, ein Milchautomat eines regionalen Lieferanten am Eingang. Genussversprechen und Einkaufserlebnis scheinen die Osnabrücker zu überzeugen. Derzeit kommen rund 20.000 Kunden pro Woche – „Tendenz steigend“, sagt Westebbe. Auch der Umsatz geht nach oben. Er habe im Vergleich zu 2016 real um 25 bis 30 Prozent zugelegt.