Globus Rüsselsheim-Bauschheim Der produzierende Händler

Das neue Flaggschiff der Globus-Gruppe steht im Rüsselsheimer Stadtteil Bauschheim. Das SB-Warenhaus der neuen Art zeichnet sich durch eine bisher nicht gekannte Transparenz aus. Die spannende Frage ist, ob sich das auch an der Kasse auszahlt.

Donnerstag, 08. Dezember 2016 - Ladenreportagen
Reiner Mihr
Artikelbild Der produzierende Händler
Bildquelle: Andrea Enderlein

Inhaltsübersicht

Einen Globus gibt es nicht von der Stange, sagt Thomas Bruch, Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter der Globus-Gruppe. Schließlich sei jeder Standort des Unternehmens anders. Kein Wunder, denn die Gruppe eröffnet nun mal nicht jede Woche ein neues SB-Warenhaus. Und so ist es nur logisch, dass jedes neue oder runderneuerte Haus vom Vorgänger und anderen Globus-Häusern lernt. So kommen Weiterentwicklung und Einzigartigkeit quasi automatisch zustande, sind dann aber auch jeweils zeitlich begrenzt. Das trifft jetzt den Standort Koblenz-Bubenheim, der den Titel des „Flaggschiffes“ zwei Jahre lang innehatte und im September vom neuen Globus in Rüsselsheim-Bauschheim abgelöst wird.

Dieser zeichnet sich vor allem durch eine bisher nicht gekannte Transparenz aus. Die globus-typische Offenheit und Einsicht in Produktionsbereiche wird noch einmal getoppt. Ob Bäckerei, Metzgerei, Gastronomie – überall ist die handwerkliche Herstellung der Ware und Speisen zu sehen. Und zu riechen. Wer also will, kann den Metzgern, Bäckern und Konditoren durch große Fenster bei der Arbeit zuschauen: An der Salat- und Antipasti-Bar, in der Obst- und Gemüseabteilung wird genauso „Hand angelegt“ wie an der Käse- und Fischtheke. Spezialitäten aus der eigenen Produktion gibt es hier direkt zum Probieren, wer sie vorher bestellt, bekommt sie auch auf Platten für zuhause.

Schnell gelesen
  • Innovatives Gastronomiekonzept.
  • Handel und Gastronomie noch enger verzahnt.
  • Mehrere gastronomische Anlaufpunkte: Restaurant, Sushi-Bar, schnelle Küche, Genuss-Manufaktur, Fisch-Bistro, Kaffee-Bistro.
  • Nochmals gesteigerte Transparenz in der Eigenproduktion.
  • Neue Sortimentsanordnung: SBWurst- und Fleisch direkt gegenüber der Metzgerei-Theke, SB-Käse an der Käsetheke und Fischkonserven bei der Fischtheke.
  • Sehr viel lose Ware: vom Tee über Müsli bis hin zu Hülsenfrüchten.
  • Globus, Am Steinmarkt 1, Rüsselsheih-Bauschheim

Der gläserne Globus
„Wir sind der produzierende Händler“, sagt Josef Donsbach, Geschäftsleiter in Bauscheim. „Und hier zeigen wir das zum ersten Mal so richtig.“ Er ist stolz auf den neuen Markt. Donsbach ist ein alter Globus-„Kämpfer“, seit 42 Jahren in der Gruppe, war schon Geschäftsleiter in einigen Häusern: Gensingen, Idar-Oberstein, im Koblenzer Löhr-Center, in Zell. Seine Laufbahn hat er in Simmern begonnen. Der „gläserne“ Globus wende sich gezielt auch an Kinder: „Wir erziehen die Kunden von morgen und führen sie an Produktion und Handwerk heran.“

Sicher ist er, dass in Bauschheim das großflächige SB-Warenhaus der Zukunft zu sehen ist. „Natürlich geht die Entwicklung weiter, und beim nächsten Globus wird es wieder Weiterentwicklungen geben“, sagt Kai Häder aus der Globus-Koordination, der das Objekt in Rüsselheim mit betreut hat. Natürlich habe man auch in ersten Monaten an diesem Standort gelernt. Beispiel Gastronomie: So eng verzahnt waren Verkauf und gastronomisches Angebot noch nie. Es gibt keine Barrieren zwischen Restaurant und Verkaufsraum. Während die Köche links Pizza, Wok-Gerichte, Bratwurst, Hausmannskost („Grüne Soße geht hier immer“) oder Sushi vor den Augen der Kunden frisch zubereiten, geht’s geradeaus und rechts in den Verkaufsraum.

Und die Verzahnung geht noch weiter: Im Verkauf sind weitere gastronomische Angebote integriert. Ein Bistro an der Fischtheke, eine Kaffeebar bei Frühstücksprodukten gegenüber der Bäckerei, die Sushi-Bar, der Treffpunkt in der Weinabteilung, der Metzger-Grill in der Mall und die Grill-Bar am Eingang.

Fakten im Fokus
  • Globus, Am Steinmarkt 1, 65428 Rüsselsheim- Bauschheim
  • Marktleiter: Josef Donsbach
  • Eröffnet am 9.9.2016
  • Verkaufsfläche: 9.600 qm, davon Getränkemarkt 600 qm, sowie Nonfood, Drogerie mit 3.500 qm
  • Öffnungszeiten: Mo – Sa, 8 bis 21.30 Uhr
  • Sortiment: 60.000 bis 80. 000 Artikel
  • Parkplätze: derzeit 798, nach Abschluss Bauarbeiten mehr als 1.300
  • Mitarbeiter: aktuell 315, 60 Prozent Vollzeit. Davon in der Eigenproduktion 130, im Verkauf: 129 sowie Auszubildende: 10 bis 15 (geplant)
  • Anzahl Kassen: 18 plus 2 im Getränkemarkt, 4 Scan-to-go
  • Konzessionäre: 60 bis 70, plus Dienstleister
  • Investition: 40 Mio. Euro
  • Umsatzziel im ersten Jahr: 45 Mio. Euro

Das Sortiment entwickelt sich
Aber: Das Fischbistro ist ein wenig unauffällig. Daher werde es hier Änderungen geben. Generell ist es keine leichte Aufgabe, das gastronomische Angebot über die gesamte Öffnungszeit so attraktiv zu gestalten. „Aber die Erfahrung zeigt“, sagt Donsbach, „es bildet sich mit der Zeit eine Stammkundschaft heraus. Da kommen welche zum Frühstück, Mittagessen oder zum Nachmittagskaffee. Abends ist dann nicht das ganz große Geschäft.“ Hier arbeite man am Angebot, das sei eben auch ein Prozess.

Was schon gut funktioniere, sei der Aufenthalt der Kunden im Markt. Der sei durch das gastronomische Angebot recht lang. Noch strahle das nicht unmittelbar auf den Verkauf im Markt ab. „Das wird aber kommen“, sagt der erfahrene Markt-Manager.

Froh ist Donsbach, dass die Kunden die 15 laufenden m Convenience annehmen, „obwohl wir da durchaus skeptisch waren“. Auch die Sorge, dass der separate Eingang zum Getränkemarkt vom Weg zum Haupteingang ablenkt, habe sich zerstreut. „Natürlich kämpfen wir hier und da noch mit der Warenpräsenz“, gibt er zu, schließlich erarbeite man sich erst einmal die Datengrundlage. Aber insgesamt ist er zufrieden. „Die Kunden sind offen für Neues.“ Und natürlich werde am Sortiment gefeilt. Das regionale Angebot, besonders bei Obst und Gemüse soll wachsen, aber auch Käse, Fisch oder sogar Suppen könnten aus der Region kommen.

Themenwelten zur Orientierung
„Natürlich müssen sich die Kunden an ein neues Geschäft und ein neues Angebot auch erst gewöhnen“, ergänzt Kai Häder. Schließlich würde in Bauschheim nicht nur so offen produziert wie sonst nirgends – auch die Warengruppen wurden neu angeordnet. Themenwelten seien das, sagt Donsbach. Anders als in vielen anderen Märkten sind also beispielsweise Fischkonserven bei der Fischtheke, abgepackte Wurst- und Fleischwaren direkt gegenüber der Metzgerei-Theke und abgepackter Käse an der Käsetheke platziert. Daran müssen sich die Kunden gewöhnen. Aber dann erleichtere das die Orientierung enorm. Das gilt auch für das deutlich größere Sortiment an loser Ware: Von Tee über Müsli bis hin zu Hülsenfrüchten und Süßwaren können die Kunden in beliebigen Mengen einkaufen und gleichzeitig Verpackungsmaterial sparen. Auch die optisch abgetrennte getrennte Nonfood-Abteilung lässt den Markt aufgeräumt wirken.

Technisch ist der neue Globus auf aktuellstem Stand, u. a. mit Solaranlage und Blockheizkraftwerk. „Scan-to-go“, das Globus-Modell für das Self-Scanning, bewähre sich nicht schlecht, noch sei aber viel Information über die Vorteile nötig, um die Kunden zu überzeugen. Das Gutschein-System „Goodster“ werde dagegen gut angenommen.

Die Globus-Gruppe hatte Mitte 2015 das 83.000 qm große Gelände in Rüsselsheim-Bauschheim übernommen. Vorher stand hier ein Praktiker Baumarkt. Globus ließ davon nur Stützen, Bodenplatten und Teile des Dachs stehen, ansonsten wurde komplett neu gebaut. Schließlich mussten Produktionsstätten für Metzgerei und Bäckerei entstehen und ein Obergeschoss für die Verwaltung. Zudem wurde der Getränkemarkt angebaut. Rund 40 Mio. Euro hat das ganze Umbau-Projekt gekostet.

Selbst gemacht

Im Mittelpunkt stehen im neuen Globus-Markt Frische und eigene Herstellung. Bäckerei, Metzgerei, vor allem aber das neue Gastronomie- Konzept stehen dafür. Hier vereint Globus Restaurant- Elemente mit Front Cooking und Mitnahmeservice. Vor den Augen der Kunden bereiten die Köche regionale und internationale Spezialitäten zu, grillen Fleisch und Würstchen, backen von Hand belegte Pizzen im Steinbackofen. Beim Globus kommt das Schnitzel dann natürlich aus der eigenen Metzgerei und wird mit Semmelbröseln aus der eigenen Bäckerei paniert. Eine Auswahl der Speisen aus der Gastronomie, wie frisch hergestellter Pizzateig, Pasta, Salate und Soßen, können die Kunden an der „Genuss-Manufaktur“ auch fertig oder halb-fertig als Convenience- Produkte mit nach Hause nehmen.