Höll Stellt sich neu auf

Lebensmittel Praxis | 13. Dezember 2012

Der Fleischwaren-Hersteller Höll aus Saarbrücken hat nicht nur eine neue Führung, sondern auch eine neue Produkt- und Marketingstrategie.

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Für die Restrukturierung der Produktion konnte Reiner Wenz (52) verpflichtet werden. Der neue Geschäftsführer, der nach eigener Auskunft seit mehr als zwölf Jahren als Sanierungs-Experte im In- und Ausland u. a. für Unternehmen der Lebensmittelbranche tätig ist, sieht seine Aufgabe darin, das Traditionsunternehmen neu aufzustellen. Zu diesem Zweck wurde ein neues Unternehmen gegründet. Denn die „alte" Höll war nach einem Rückruf und der Auslistung bei Lidl in die Insolvenz geraten. Gesellschafterin der „neuen" Höll ist nach wie vor die einstige Inhaber-Familie Höll/Thielen.

Wenz will sich mindestens bis 2015/2016 um Höll kümmern. Als Vertriebsleiter konnte er Norbert Blass aus dem Vorruhestand zurück ins Unternehmen holen. Im Oktober wurde Höll IFS zertifiziert (Version 6). Neben Wenz ist auch die Autput Consulting Saarbrücken neu mit an Bord. „Die Auslistung bei Lidl war hart, aber sie hat uns auch geholfen. Denn sie hat den Druck aus der Produktion genommen", sagt Michael Geisinger, Projektentwickler bei Autput. Neue Abläufe und der flexiblere Einsatz von Mitarbeitern ermöglichten jetzt wieder eine Produktionssteigerung bei gleicher Mannschaft.

Bereits begonnen hat man mit dem stetigen Abbau von Fremddienstleistern. Kurz vor der Insolvenz wurden ca. 200 Stammmitarbeiter und 300 Fremdarbeiter beschäftigt, so hat sich das Verhältnis auf derzeit 30 bis 40 Fremdarbeiter und 220 Mitglieder der Stammbelegschaft verschoben. Produzierte die „alte" Höll in Summe rund 200 Artikel, reduzierte Höll nun das Angebot auf 130 bis 140 Artikel. Künftig wolle man sich außerdem weniger abhängig von einem Großabnehmer machen. Deshalb entwickelte man für den Discount eine Ein-Produkt-Strategie, während den Vollsortimentern eine breite Produktpalette angeboten werden soll. Außerdem will Wenz sich den Themen Industrie-Belieferung und Export verstärkt annehmen. Aktuell liegt das Verhältnis Marke (Höll, Brück) zu Eigenmarke (Handelsmarken) bei 60:40.

Für 2012 rechnet Wenz mit einem Umsatz von 42 Mio. Euro (vor der Krise lag der Umsatz bei ca. 70 Mio. Euro), 2013 will er die 50-Mio.-Euro-Marke knacken. Derzeit produziert Höll wöchentlich zwischen 120 und 150 t. Stärkste Artikel sind Lyoner und Würstchen Wiener Art. Im zweiten Quartal 2013 will man wieder schwarze Zahlen schreiben.