Neues Positionspapier Proteine-Forum fordert bessere Rahmenbedingungen

Das „Forum Proteine der Zukunft auf den Teller“ fordert verlässliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Markteinführung alternativer Proteine. Rund 40 Organisationen haben dazu ein Positionspapier vorgelegt und es Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) übergeben.

Dienstag, 06. Oktober 2026, 11:10 Uhr
Thomas Klaus
Positionspapier ausgehändigt: Bundesminister Alois Rainer (9. von links) empfing eine Delegation des „Forums Proteine der Zukunft“ auf dem Teller. Bildquelle: BMLEH

Um Innovationen erfolgreich auf den Markt zu bringen, spricht sich das „Forum Proteine der Zukunft auf dem Teller“ für verlässliche, wissenschaftsbasierte und praxistaugliche Rahmenbedingungen aus. Das Forum hat ein Positionspapier „Wirtschaftswachstum durch deutsche Innovationskraft“ erarbeitet. Eine Delegation übergab es Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU).

Zu den Forderungen gehören eine stärkere Forschungsförderung, gebündelte Kompetenzen in Innovationsclustern sowie effiziente Zulassungsverfahren. Bei diesen müssten die hohen Standards für Lebensmittelsicherheit gewahrt sein. Weitere Einschränkungen geläufiger Bezeichnungen für pflanzliche Fleischalternativen sollten nach Auffassung des Forums unbedingt vermieden werden.

Im „Forum Proteine der Zukunft auf den Teller“ arbeiten rund 40 Organisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette daran, das Thema alternative Proteine in der Humanernährung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stärker zu verankern. Sie wollen nachhaltige Ernährungssysteme voranbringen. Das Forum ist für neue Mitglieder offen. Der Bundestag hat das Forum eingerichtet. Die Koordination liegt beim „Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Aktionsplan angeregt

Im Gespräch mit Bundesminister Alois Rainer erörterte eine Delegation des Forums bei der Übergabe des Positionspapiers, wie die dort beschriebenen Potenziale und Handlungsempfehlungen in konkrete politische Schritte überführt werden können. Dies könnte zum Beispiel ein schlanker und praxisnaher Aktionsplan „Proteine der Zukunft“ sein: Ein solcher, vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) angestoßener Prozess würde politische Zielsetzungen aufgreifen, vorhandene Aktivitäten bündeln, Zuständigkeiten definieren und Orientierung für die weitere Umsetzung geben. Dieser Ansatz knüpft nach Ansicht des Forums an den Koalitionsvertrag an. Darin hätten die Regierungsparteien vereinbart, sich für eine umfassende und ambitionierte europäische Eiweißstrategie einzusetzen und die Entwicklung sowie Markteinführung nachhaltiger alternativer Proteine zu fördern. Das Forum sieht darin eine wichtige Grundlage.

Forum: Deutschland verfügt über gute Voraussetzungen

Das Positionspapier betrachtet Proteinvielfalt ausdrücklich nicht als Gegenmodell zu tierischen Erzeugnissen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr zusätzliche Wahlmöglichkeiten, ein breites Lebensmittelangebot und neue wirtschaftliche Perspektiven. Der technologieoffene Ansatz umfasst unverarbeitete Proteinpflanzen wie Hülsenfrüchte, Lebensmittel auf Basis pflanzlicher Alternativen, Produkte aus Fermentation und Zellkultivierung, sowie weitere bislang weniger genutzte Proteinquellen wie Algen und Pilzmyzel.

Deutschland verfügt nach Auffassung des Forums über gute Voraussetzungen, damit die mit diesen Entwicklungen verbundenen wirtschaftlichen Chancen genutzt werden. Mit einem Marktvolumen von 1,71 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist Deutschland der größte europäische Markt für pflanzenbasierte Produkte. Mindestens 150 Unternehmen sind bereits Teil dieser Wertschöpfungskette.
Abhängig von den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, könnte der Bereich alternativer Proteine bis 2045 jährlich zwischen 20 und 65 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung beitragen, bis zu 250.000 Bruttoarbeitsplätze schaffen und Exportmöglichkeiten von nahezu 35 Milliarden Euro im Jahr eröffnen.

Rainer: Pflanzliches und Tierisches nicht gegeneinander ausspielen

Bundesminister Rainer sagte bei der Entgegennahme des Positionspapiers: „Deutschlands Land- und Ernährungswirtschaft sind starke, innovative Branchen. Neue Produkte und Verfahren können zusätzliche Wertschöpfung, Arbeitsplätze und neue Absatzmärkte schaffen. Der Koalitionsvertrag gibt uns dabei ein klares Ziel vor: Wir wollen den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen stärken, unsere Abhängigkeit von Importen verringern und die Entwicklung und Markteinführung nachhaltiger alternativer Proteine voranbringen. Dafür wollen wir Forschung und Innovation unterstützen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.“ Für ihn sei es wichtig, dabei nicht pflanzliche und tierische Produkte gegeneinander auszuspielen, so Rainer. 

Der Minister weiter: „Was am Ende auf den Teller kommt, entscheiden die Verbraucher selbst. Dafür müssen unsere Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und Raum für Innovation erhalten.“

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