Coface-Studie Unternehmen warten länger auf ihr Geld

Die aktuelle Zahlungserfahrungsstudie des Kreditversicherers Coface zeigt: 82 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind 2026 von Zahlungsverzögerungen betroffen. Das ist der höchste Wert seit 2019. Im Bereich Agrar und Lebensmittel sind es ebenfalls 82 Prozent.

Donnerstag, 01. Oktober 2026, 11:17 Uhr
Thomas Klaus
Es geht nicht um Peanuts: 82 Prozent der Unternehmen sind 2026 von Zahlungsverzögerungen betroffen. Bildquelle: Getty Images

82 Prozent der Unternehmen sind 2026 von Zahlungsverzögerungen betroffen. Das ergibt die aktuelle Zahlungserfahrungsstudie des Kreditversicherers Coface. Die zehnte Auflage der Coface-Zahlungserfahrungsstudie für Deutschland wurde zwischen Juli und August 2026 durchgeführt. Insgesamt nahmen 503 Unternehmen aus mehr als 12 breit gefächerten Branchen an der Befragung teil.

Vor allem lange überfällige Rechnungen bleiben ein erhebliches Liquiditätsrisiko. Dennoch gewähren 81 Prozent der Befragten ihren Kunden weiterhin Zahlungsziele, bitten jedoch früher zur Kasse.

Der Anteil der von Zahlungsverzug betroffenen Unternehmen ist zum fünften Mal in Folge gestiegen, von 59 Prozent im Jahr 2021 auf 82 Prozent im Jahr 2026. Besonders häufig berichten Unternehmen aus dem Maschinenbau (92 Prozent), der Pharma- und Chemiebranche (90 Prozent) sowie der Automobilindustrie (89 Prozent) von verspäteten Zahlungen. Im Bereich Agrar und Lebensmittel sind es 82 Prozent. Am seltensten betroffen sind Unternehmen aus der Holz- und Möbelindustrie, hier mussten nur 54 Prozent der Befragten länger auf ihr Geld warten. Positiv entwickelt hat sich die durchschnittliche Dauer der Zahlungsverzögerungen. Sie sank von 31,8 Tagen im Vorjahr auf 30,2 Tage.

Viele langfristig überfällige Forderungen

Besonders kritisch sind nach wie vor Forderungen, die bereits zwischen sechs Monaten und zwei Jahren überfällig sind. Der Anteil der Unternehmen, bei denen solche Außenstände 2 Prozent oder mehr ihres Jahresumsatzes ausmachen, stieg von 12 auf 15 Prozent. Nach den Erfahrungen von Coface wird ein Großteil solcher langfristig überfälligen Forderungen nie vollständig beglichen. Vor allem kleinere Unternehmen sind von diesem Risiko betroffen, da sie häufig über geringere finanzielle Reserven verfügen.

Als häufigste Ursache für Zahlungsverzögerungen nennen Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten ihrer Kunden. Auffällig ist dabei die zunehmende Bedeutung von Dominoeffekten: Ein Drittel der Befragten erklärt Zahlungsprobleme damit, dass ihre Kunden selbst auf ausstehende Zahlungen warten. Dieser Wert ist innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen.

Lieferantenkredite weitverbreitet

81 Prozent der befragten Unternehmen gewähren ihren Kunden weiterhin Zahlungsziele. Dieser Wert liegt zwar leicht unter dem Vorjahresniveau von 84 Prozent, bleibt im langfristigen Vergleich jedoch hoch. Im Jahr 2020 vergaben nur 62 Prozent einen Lieferantenkredit. Gleichzeitig bitten deutsche Firmen früher zur Kasse: Die durchschnittliche Zahlungsfrist ging von 32,5 Tagen (2025) auf 30,6 Tage zurück und liegt damit auf dem niedrigsten Niveau seit 2017.

Zugleich gewinnt die Absicherung von Forderungen an Bedeutung: Bereits 21 Prozent der Befragten geben an, Zahlungsziele anzubieten, weil das Risiko durch eine Warenkreditversicherung abgesichert ist. Das ist der höchste Wert seit 2019.

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