Milchmarkt Molkereien fordern deutlich höhere Preise für Milch, Joghurt und Quark

Die deutschen Molkereien drängen auf erhebliche Preiserhöhungen bei Frischeprodukten wie Trinkmilch, Joghurt und Quark. Der Milchpreis liegt derzeit auf einem Fünfjahrestief – ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig steigt die Nachfrage, auch weil der Proteinboom den Markt für Molkenprodukte anheizt.

Montag, 28. September 2026, 09:38 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Knapp die Hälfte der in Deutschland hergestellten Milchprodukte geht in den Export. Damit wirken sich Entwicklungen auf dem Weltmarkt unmittelbar auf den heimischen Milchpreis aus. Bildquelle: Getty Images

Die Molkereien in Deutschland drängen auf höhere Preise für Trinkmilch, Joghurt und Quark. „Erhebliche Preissteigerungen für Milchprodukte“ seien „dringend notwendig“, teilte der Milchindustrie-Verband mit. Erste Gespräche zu den anstehenden Kontraktverhandlungen über die sogenannte Weiße Linie – also Trinkmilch, Joghurt, Quark und ähnliche Frischeprodukte – hätten bereits begonnen.

Der Milchpreis liegt den Angaben zufolge derzeit rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau und damit auf einem Fünfjahrestief. Gleichzeitig laufe der Absatz von Milch und Milchprodukten sowohl in Deutschland als auch international gut, so der Verband. Zudem habe die sommerliche Dürre in Deutschland und Europa die Milchanlieferung regional stark einbrechen lassen. Viele Experten rechneten zusätzlich mit einem starken El-Niño-Effekt im tropischen Pazifik, der die weltweite Milchanlieferung deutlich abschwächen könnte. In wichtigen Molkereiexportregionen kann das Klimaphänomen zu Dürren führen.

Der Weltmarkt spielt für die deutsche Milchwirtschaft eine erhebliche Rolle: Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels gehen 49 Prozent der hierzulande hergestellten Milchprodukte in den Export. Entwicklungen auf dem Weltmarkt wirken sich damit unmittelbar auf den deutschen Milchpreis aus. Erste Anzeichen für eine Trendwende zeigten sich zuletzt bereits bei Butter: Nach einem starken Preisverfall Ende 2025, der Butter zeitweise unter die Marke von einem Euro pro 250-Gramm-Päckchen gedrückt hatte, erhöhten Supermärkte und Discounter den Preis für Eigenmarken-Päckchen Mitte September um 14 Cent auf 1,19 Euro. Auch bei Käse, Milchpulver und Proteinprodukten steigen laut der Deutschen Presse-Agentur die Erlöse, während der Preis für frische Vollmilch das Jahr über bei rund 95 Cent pro Liter stabil geblieben ist.

Proteinboom verknappt Molke und treibt die Preise

Auch der Proteinboom treibt die Nachfrage. Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) erklärte, Molkenproteinkonzentrate seien derzeit stark gefragt. Für deren Herstellung werde Molkenkonzentrat benötigt, das entsprechend knapp und hochpreisig sei. Molke entsteht als flüssiges Nebenprodukt bei der Käseherstellung.

Die Landwirte fordern, von einer möglichen Preiswende zu profitieren. Karsten Schmal, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands und Milchpräsident, verlangte laut der Mitteilung, dass sich abzeichnende Markterholungen „zeitnah an die Erzeuger weitergegeben werden“, da Dünger-, Energie- und Treibstoffkosten die Betriebe weiter erheblich belasteten. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter nannte die Forderung nach höheren Preisen für Trinkmilch und Quark angesichts zurückgehender Milchanlieferungen und einer besseren Nachfrage nach Milcheiweiß „höchst angebracht“.

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