Die Proteste italienischer Lkw-Fahrer gegen hohe Treibstoffpreise gefährden die Produktion von Büffelmozzarella in der süditalienischen Region Kampanien. Viele Büffelmilchbauern können ihre Milch seit vier Tagen nicht mehr zu den Käsereien transportieren, wie das Konsortium zum Schutz der „Mozzarella di Bufala Campana DOP“ mitteilte. Auch die Lieferungen der fertigen Mozzarellas an den Handel seien unterbrochen.
In Kampanien fallen den Angaben zufolge täglich 650.000 Liter Büffelmilch an. Für die Herstellung des Mozzarella mit geschützter Herkunftsbezeichnung muss die Milch innerhalb von 60 Stunden nach dem Melken verarbeitet werden. Da die Lagertanks auf den Höfen nur begrenzte Kapazitäten haben, droht ein Teil der Milch zu verderben. Die täglichen Einnahmeausfälle der Branche beziffern Medienberichte auf rund drei Millionen Euro.
Marco Nobis, ein Molkerei-Chef aus Kampanien, schilderte dem Nachrichtenportal „Il Post“ die Lage: „Wir dachten, wir könnten weitermachen, weil die Bauernhöfe, die uns mit Milch beliefern, nur wenige Kilometer von der Molkerei entfernt liegen.“ Man habe aber aufhören müssen. „Uns hätten ohnehin die Materialien zum Verpacken des Mozzarellas gefehlt: Wir bekommen nicht einmal die Styroporboxen, die wir für den Versand benötigen“, sagte Nobis laut der Mitteilung des Konsortiums.
Meloni-Regierung stellt 130 Millionen Euro bereit
Seit vergangener Woche blockieren Lkw-Fahrer im Süden Italiens Straßen und Autobahnen. In zahlreichen Supermärkten konnten die Regale zuletzt nicht mehr aufgefüllt werden, an Tankstellen kam es zu Engpässen. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verabschiedete daraufhin ein Maßnahmenpaket mit Steuererleichterungen und finanzieller Hilfe. Vorgesehen sind demnach rund 60 Millionen Euro für die Landwirtschaft, zehn Millionen Euro für die Fischerei und weitere 60 Millionen Euro für das Transportgewerbe.
Einigen Protestierenden gehen die Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete, fuhr in Neapel ein Lkw-Konvoi aus Protest gegen das Paket. Zuvor hatten Vertreter von Lkw-Fahrern aus den Regionen Kalabrien, Kampanien und Sizilien zwar angekündigt, die Proteste demnächst auslaufen zu lassen – ob dies tatsächlich geschieht, bleibt abzuwarten.