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Unternehmertag Lebensmittel Gemeinsamkeit?

Reiner Mihr | 25. März 2011
Unternehmertag Lebensmittel: Gemeinsamkeit?

Bildquelle: BVE/HDE

Das Bemühen war intensiv. „Gemeinsam Märkte bewegen" wollen Handel und Industrie. Wirklich?

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Der 9. Unternehmertag Lebensmittel von Handelsverband HDE und Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie BVE begann mit einem Lob aus berufenem Mund: „Deutschland liegt bei Qualität und Sicherheit seiner Lebensmittel an der Weltspitze. Noch nie war das Angebot für die Verbraucher so hochwertig und vielfältig wie heute", attestierte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner der Lebensmittelwirtschaft. „Sie stehen für Vielfalt und Qualität und für Kundennähe", lobte die Gastrednerin des Unternehmertages den Gastgeber.

Hersteller und Handel stünden hier zusammen, wurde von allen Rednern immer wieder beschworen. Wobei die Beiträge von Herstellerseite fast schon etwas Flehendes hatten, wenn zum Beispiel der mächtige Unilever-Boss für Deutschland, Schweiz und Österreich, Harry M. Brouwer, die Potenziale beschwor, die bei richtiger Kooperation und Ausrichtung noch zu heben seien. Zuvor noch hatte der selbstbewusste Markus Mosa, Edeka-Chef, das „gebetsmühlenhafte Betonen der Gemeinsamkeiten" als wenig hilfreich bezeichnet. Da musste Gerhard Berssenbrügge, Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland, der kurz zuvor gerade das getan hatte, sicher schlucken. Mosa ging sogar noch ein wenig weiter und kritisierte ausdrücklich die Ernährungsindustrie: „Plattitüden über Konzentration im Handel" und „das Kartellamt um Hilfe zu rufen" seien nicht zielführend.

Gemeinsamkeiten? Die gibt es natürlich. Und der, wie meistens, versöhnliche Friedhelm Dornseifer, Vorsitzender der Mittelständischen Lebensmittelfilialbetriebe MLF und Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels BVL, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Sache, betonte das wahrscheinliche Ende des Preisarguments, die Grenzen des Discounts und gab den Vorstufen noch auf den Weg, „dass zu wenig im Outlet ankommt", was bei Industrie, Wissenschaft, Forschung oder Innovation geschehe.

Bundesministerin Aigner setzte sich für noch mehr Sicherheit und Transparenz bei Lebensmitteln ein und verteidigte das geplante Internetportal „Klarheit und Wahrheit". Mit dem Portal solle ein Informations- und Meinungsforum entstehen, „das einen fairen und sachlichen Austausch zwischen Verbrauchern und Wirtschaft ermögliche". Transparenz sei für den Handel wichtige Voraussetzung für das Kundenvertrauen, pflichtete ihr HDE-Präsident Josef Sanktjohanser bei, das Internetportal trage allerdings nicht zu mehr Transparenz bei. Hier gehe es allein um gefühlte Verbrauchertäuschung selbst bei Produkten, die entsprechend den Vorgaben des Lebensmittelbuches hergestellt worden seien.

Bild

Gerhard Berssenbrügge, Nestlé, Markus Mosa, Edeka, im Gespräch mit Moderatorin Dunja Hayali.