Kartellamt stimmt zu Rewe darf 38 Tegut-Märkte übernehmen – zwei Standorte gesperrt

Die Filetierung von Tegut geht weiter: Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 38 Tegut-Filialen durch Rewe unter Auflagen freigegeben. Für zwei Standorte gilt ein vierjähriges Erwerbsverbot. Kartellamtspräsident Mundt warnt zugleich vor der hohen Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel.

Mittwoch, 14. Oktober 2026, 13:19 Uhr
Manuel Glasfort
Verschwindet vom Markt: Tegut wird es als Marke nicht mehr geben. Die Filialen und anderen Vermögenswerte gehen an Rivalen wie Rewe und Edeka. Bildquelle: Tegut/Ben Pakalski

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 38 Tegut-Lebensmittelmärkten von Migros durch die Rewe Group unter Auflagen freigegeben, wie die Bonner Behörde mitgeteilt hat. Für zwei weitere Standorte in Marburg und Schlüchtern gilt ein vierjähriges Erwerbsverbot. Damit ist nach der Freigabe für Edeka Ende September nun auch der Weg für Rewe frei, einen Teil der Tegut-Filialen zu übernehmen.

Ursprünglich hatte Rewe den Erwerb von 40 Tegut-Märkten sowie zwei Immobilien bei der Behörde angemeldet. Die Prüfung ergab jedoch, dass die Übernahme in drei lokalen Markträumen in Hessen – Schlüchtern, Marburg-Ketzerbach und Marburg-City – den Wettbewerb erheblich behindert hätte. Rewe verpflichtete sich deshalb, auf die Standorte in Marburg-Ketzerbach und Schlüchtern für vier Jahre zu verzichten. Dieses Erwerbsverbot gilt laut Bundeskartellamt für die gesamte Rewe-Gruppe und schließt auch den Abschluss von Anschlussmietverträgen ein. Durch den Verzicht auf den Standort Marburg-Ketzerbach entfielen zugleich die Bedenken im Marktraum Marburg-City. Die Übernahme der beiden Immobilien gab das Amt ebenfalls frei.

Rewe-Konzernvorstand Peter Maly kommentierte die Nachricht in einer Unternehmensmitteilung so: „Heute wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die Entscheidung schafft Klarheit und Planungssicherheit für alle Beteiligten.“ Das Unternehmen kündigte an, allen Mitarbeitenden der betroffenen Tegut-Märkte ein Beschäftigungsangebot machen zu wollen. Auch bestehende regionale Lieferbeziehungen sowie das Angebot an regionalen und Bio-Produkten sollen nach eigenen Angaben erhalten bleiben.

Kartellamtspräsident Mundt mahnt hohe Marktkonzentration an

Kartellamtspräsident Andreas Mundt verwies auf die hohe Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Auf die vier führenden Handelsunternehmen Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi entfielen inzwischen mehr als 90 Prozent des bundesweiten Umsatzes. „Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel ist mit 90 Prozent des Umsatzes für vier Unternehmen sehr hoch“, teilte Mundt mit. Die hohe Konzentration allein reiche kartellrechtlich jedoch nicht aus, um einen Zusammenschluss zu untersagen. Entscheidend sei, ob sich durch die konkrete Übernahme die Wettbewerbsverhältnisse erheblich verschlechterten. Auf den Beschaffungsmärkten falle der Zuwachs des Rewe-Anteils am bundesweiten Beschaffungsvolumen mit deutlich unter 0,2 Prozentpunkten gering aus, so das Bundeskartellamt.

Die Tegut-Gruppe betrieb zuletzt rund 300 Lebensmittelmärkte. Im März 2026 hatte die bisherige Eigentümerin, die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich, angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und Tegut zu verkaufen. Im Zuge dieses Verkaufsprozesses gab das Bundeskartellamt zunächst die Übernahme von 36 Tegut-Standorten durch Tante Enso frei, anschließend die Übernahme von 178 Märkten durch Edeka und nun 38 Standorte für Rewe. Über die Zukunft der verbleibenden Tegut-Standorte sowie der vom Erwerb durch Edeka und Rewe ausgenommenen Märkte müssen die beteiligten Unternehmen laut Bundeskartellamt noch entscheiden. 

Gegen die Freigabe für Edeka gibt es Widerstand. Der Münchner Biohändler Vollcorner hat Beschwerde gegen den Beschluss der Wettbewerbshüter eingelegt.

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