Der jüngste Nachfolgemonitor des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken, Creditreform und des KCE Kompetenzcentrum für Entrepreneurship & Mittelstand an der FOM Hochschule beschreibt insbesondere für Kleinstbetriebe erhebliche Nachfolgehürden.
Hängt das Geschäft stark vom Inhaber ab und sind die Ertragsmargen knapp, wird es schwierig, einen Käufer zu finden und einen aus Verkäufersicht angemessenen Preis zu erzielen. Im Einzelhandel gingen die erfassten Übergabezahlen im Zeitraum 2016 bis 2025 zurück, während sich das Handwerk vergleichsweise robust entwickelte.
„Wenn Erträge schwinden und Investitionen ausbleiben, verschlechtert sich auch die Verhandlungsposition der Inhaber. Das trifft viele zu einem Zeitpunkt, wo ihnen ohnehin die Zeit davonläuft“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss. „Gerade kleinere Firmen haben mittlerweile große Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. Scheitert die Suche, muss oft geschlossen werden. Arbeitsplätze, unternehmerisches Know-how und Innovationskraft gehen dann verloren.“
Hantzsch weiter: „Eine riesige Herausforderung ist schon die schiere Zahl der Unternehmer, die ihren Betrieb übergeben wollen. Wer seinen Ruhestand auch mit dem Verkaufserlös finanzieren will, gerät bei einer schwierigen Nachfolgersuche zusätzlich unter Druck.“
Nachgeholte Modernisierungsinvestitionen belasten
Ein wesentlicher Engpass liege auf der Nachfolgeseite: Aus den jüngeren Generationen rücken zahlenmäßig weniger potenzielle Übernehmer nach. Die wirtschaftliche Entwicklung der tatsächlich übergebenen Unternehmen zeigt allerdings ein differenziertes Bild. Bei den untersuchten Betrieben des Übergabejahrgangs 2024 lag der Umsatz im Median nominal 17 Prozent über dem Niveau drei Jahre zuvor. Das Medianalter der Übergeber lag 2025 bei 64 Jahren und bewegt sich seit 2016 zwischen 63 und 64 Jahren.
„Wer die Nachfolge aufschiebt und notwendige Investitionen unterlässt, erschwert die Fortführung seines Unternehmens. Der Nachfolger muss dann zusätzlich zum Kaufpreis auch die Modernisierung finanzieren. Das kann den wirtschaftlichen Spielraum nach der Übernahme erheblich einengen“, erklärt Hantzsch.
Wie sich die Ergebnisse rund um die Übernahme entwickeln, zeigt eine Auswertung von 1.553 Unternehmen, die zwischen 2014 und 2022 übergeben wurden. Bei 54,1 Prozent lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwei Jahre nach der Übernahme unter dem Wert zwei Jahre vor der Übergabe. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg dagegen bei 52,9 Prozent der untersuchten Betriebe.
Die Studie gibt für diese unterschiedliche Entwicklung vor allem nachgeholte Modernisierungsinvestitionen als Grund an, deren Abschreibungen das Ebit belasten. Der Nachfolgemonitor untersucht durch Bürgschaftsbanken begleitete Unternehmensübernahmen und ergänzt diese Informationen um Daten von Creditreform.
