MLF-Tagung Ostwestfälische Vorzeigemärkte

Während der MLF-Tagung im September bei der Unternehmerfamilie Preuß haben die Kaufleute mehrere Edeka-WEZ-Märkte besucht und genau unter die Lupe genommen. Drei davon stellen wir hier etwas ausführlicher vor und zeigen die Highlights.

Montag, 15. November 2021 - Management
Heidrun Mittler
Artikelbild Ostwestfälische Vorzeigemärkte
Bildquelle: Reinhard Rosendahl, Christian Schwier

Edeka WEZ, Ringstr. 74 in Minden

Zu den liebsten Beschäftigungen der meisten Händler zählen Marktbesuche bei Kollegen. Da machen die MLF-Kaufleute (Mittelständische Le‧bensmittel-Filialisten) keine Ausnahme. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass die Busse, die das Unternehmen Karl Preuß organisiert hatte, morgens früh pünktlich und gut gefüllt an den Start gingen. Vier Märkte standen auf dem Programm, leider machte ein Mega-Stau auf der Autobahn 2 die schöne Planung zunichte: Deshalb schildern wir hier die Eindrücke aus drei Märkten, der Markt Stiftsallee in Minden fehlt.

Der Edeka WEZ an der Ringstraße in Minden wurde im Dezember 2015 auf dem neu erschlossenen Areal des verlagerten Minderer Klinikums eröffnet und entwickelt sich seitdem erfolgreich. „Bei überplanmäßiger Umsatzentwicklung gelang in einem Einzugsgebiet mit hoher Wettbe‧werbsdichte und festen Marktanteilen bereits im zweiten Jahr nach der Eröffnung die Verdrängung des Wettbewerbers Kaufland vom Standort Minden“, sagt Inhaber Karl Stefan Preuß nicht ohne Stolz. Der Markt erschließt seiner Ansicht nach in idealer Lage ein bevorzugtes Wohngebiet von Minden und liegt zudem an zentraler Stelle der Hauptverkehrsader der Kreisstadt. „Erstklassige Verkehrsanbindung, großzügige Parkmöglichkeiten und hohe Kaufkraft in einem Teil des Absatzgebiets sichern nachhaltig Erfolgspotenzial und Entwicklungspers‧pek‧tive“, so der Kaufmann aus Ostwestfalen.

Italienisches Café
Schon im Eingangsbereich fällt eine Profilspitze des Konzepts auf: das Café Novecento. Der italienische Name der selbst betriebenen Backshops soll gastronomischen Anspruch zeigen – und im WEZ an der Ringstraße wird dieser besonders überzeugend eingelöst. Konditormeister Luca Pottini aus Umbrien produziert täglich frische Panini, Tramezzini, Pasta und Pizza – selbstverständlich mit italienischem Mehl und im Steinofen. In der traditionellen italienischen Konditorei bietet er Produkte wie Torta della Nonna zu Kaffeespezialitäten aus der Siebträgermaschine an, für den schnellen Genuss im Café 1900 oder inklusive Vorfreude für zu Hause.

Abteilung für Bioprodukte
Der junge Marktleiter Halil Kamaj ist ein Eigengewächs, er hat bei Edeka WEZ bereits seine Ausbildung absolviert. Kamaj erläutert, dass viele Berufspendler ihren Einkauf in der Ringstraße tätigen. Die Frischeabteilungen erzielen einen Umsatzanteil von mehr als 50 Prozent.
Zwischen Obst und Gemüse und dem Bedienungsbereich ist eine Abteilung für Bioprodukte positioniert, mit einem Fachmarktsortiment von mehr als 5.000 Produkten. Daran schließt sich die Weinabteilung mit einem ausgebildeten Sommelier an.

Fakten im Focus

Marktleiter: Halil Kamaj
Eröffnung: 2015
Verkaufsfläche: 2.584 qm
Anzahl der Mitarbeiter : 61 (umgerechnet auf Vollzeit)
Personalkosten: 15 Prozent
Brutto-Umsatz 2020: 18,1 Mio. Euro
Quadratmeterleistung: 6.985 Euro
Durchschnittsbon: 17 Euro
Frischeanteil am Gesamtumsatz: 51,5 Prozent
Kaufkraftindex: 92,5 (Bundesdurchschnitt = 100) Wettbewerbskennziffer: 512 (Bundesdurchschnitt 380)

Edeka WEZ, Bahnhofstr. 26 in Stadthagen

Der Kosmopolit: Mit dem neuen Markt im Zentrum des Schaumburger Landes hat die Unternehmerfamilie Preuß das „anspruchsvollste Projekt“ ihrer Unternehmensge‧schichte realisiert. Nach fünfjähriger Planungszeit wurde erstmalig ein Markt vollständig abgerissen und nach nur neun Monaten Bauzeit an derselben Stelle mit erweiterter Fläche neu eröffnet. Aber nicht nur die Rekordbauzeit eines Einkaufszentrums mit insgesamt mehr als 6.000 Quadratmetern unter Pandemie-Bedingungen, sondern auch das Wettbewerbsumfeld stellen eine Herausforderung dar. Dieser Edeka-WEZ-Markt kämpft mit Kaufland, Rewe, Edeka und allen deutschen Discountern bei einer Wettbewerbsintensität von mehr als 200 Prozent des Bundesdurchschnitts um Marktanteile.

Offenheit und Nachbarschaft
In Stadthagen hat man einen zeitgemäßen und zeitlosen Baukörper geschaffen. Die Öffnung des Gebäudes auf zwei Ebenen nach außen soll Offenheit und Nachbarschaft signalisieren. Eine großzügige Parkplatzanlage und Geländegestaltung vervollständigen das Wohlbefinden während des Einkaufs, so die Idee der Architektin Nadia Galletti. Die Marktleitung liegt in den Händen von Nils Säger, der schon andere WEZ-Märkte geführt hat.

Der kosmopolitische Anspruch des Marktes wird in allen Marktbereichen eingelöst: Im Café 1900 mit Innen- und Außengastronomie auf zwei Ebenen bietet Chefkoch Jacek Michalczyk regionale und italieni‧sche Angebote von Snacks über Hausmannskost bis zu kleinen Delikatessen an. Vom Café und von der Weinabteilung erreichbar findet man im Obergeschoss ein Novum bei Edeka WEZ – den Eventbereich. Hierfür hat man ein Konzept inklusive Buchungssystem für zahlreiche Veranstaltungen für Kunden und Mitarbeiter entwickelt. Partner für Blumenshop und asiatische Convenience sowie ein eigenes Dienstleistungszentrum mit Post, Lotto und Zeitschriften ergänzen das Sortiment.

Das Angebot für Obst und Gemüse sprengt laut Karl Stefan Preuß „die Bezeichnung Abteilung und kann nur als Frischeparadies bezeichnet werden“. Auch der Anteil regionaler Lieferanten und Produkte, ein Biofachmarkt mit mehr als 5.000 Produkten und eine Weinfachabteilung mit eigener Degustationszone setzen Benchmarks im Wettbewerb.

Eigene Kaffeerösterei
Eine Kaffeerösterei für die Eigenmarke WEZ Hauskaffee nimmt eine Handwerkskompetenz des Familienunternehmens wieder auf. Der Vater von Karl Stefan Preuß, Karl Heinz Preuß, hatte das Rösten aufgegeben, jetzt bringt die Manufaktur wieder den Duft von frisch gerösteten Bohnen in den Markt. Dabei ermöglicht die Anlage Einblicke in das technische Geschehen. Die Kaffees können im Café verkostet werden und werden auch in den übrigen WEZ-Märkten angeboten.

Fakten im Focus

Marktleiter: Nils Säger
Eröffnung: 2020
Verkaufsfläche: 3.126 m2
Anzahl der Mitarbeiter: 67 (umgerechnet auf Vollzeit)
Personalkosten: 16,5 Prozent
Brutto-Umsatz 2020: 18,2 Mio. Euro (Hochrechnung 2021)
Quadratmeterleistung: 5.822 Euro (Hochrechnung 2021)
Durchschnittsbon: 21 Euro
Frischeanteil am Gesamtumsatz: 55 Prozent
Kaufkraftindex: 92,1 (Bundesdurchschnitt = 100) Wettbewerbskennziffer: 908 (Bundesdurchschnitt 380)

Edeka WEZ, Weserstr. 74 in Bad Oeynhausen

Der Prämierte: Das Marktteam in der Weserstraße in Bad Oeynhausen hat zahlreiche Branchenpreise gewonnen, darunter den begehrten Titel „Supermarkt des Jahres 2020“. Inhaber Karl Stefan Preuß bewertet den Markt in der Südstadt von Bad Oeynhausen als „eine Erfolgsge‧schichte im fünften Jahrzehnt. Sie bestätigt den Wert einer guten Standortentscheidung und das Potenzial einer konsequenten Entwicklung der Handelsleistung“. Das Geschäft in der Weserstraße wurde 1979 eröffnet und ist seitdem der beliebteste und erfolgreichste Supermarkt der Kurstadt und der gesamten Edeka-WEZ-Gruppe.

Nach einigen Umbauten und Erweiterungen in den 1980er- und 1990er-Jahren wurde der Markt 2015 vollständig neu aufgestellt und erreichte mit der Umsatzentwicklung nach der Neueröffnung eine neue Dimension. Dazu Preuß: „Die anspruchsvolle und kaufkräftige Kundschaft in Bad Oeynhausen erwartet Exzellenz bei Auswahl, Frische und Bedienung und honoriert dies mit nachhaltiger Kundenbindung.“ Der Kaufkraftindex liegt mit 99, 5 höher als an alle anderen WEZ-Standorten.

Die inoffizielle Bezeichnung des Marktumfelds lautet „Beverly Hills“, verraten die Mitarbeiter. Sie bilden ein gutes Team um Marktleiterin Tanja Hebrock, die Werte wie Vertrauen, Verantwortung und Verlässlichkeit im Umgang miteinander hochhält. Das Team muss perfekt funktionieren, denn die überdurchschnittliche Flächenproduktivität und Wirtschaftlichkeit des Marktes erfordern in allen Abteilungen und Warengruppen eine perfekte Einsatzplanung und optimale Warenverräumung.

Marktplatz-Atmosphäre
Im Wettbewerb mit dem besten Fleischerfachgeschäft der Stadt ist das Thekenteam an der 19 Meter langen Bedienungstheke Fleisch und Wurst jeden Tag aufs Neue gefordert. Fleischabteilungsleiter Kirill Roth hat das Sortiment fest im Blick. Seiner Meinung nach ist die Auswahl an regionalen, nationalen und internationalen Fleisch- und Wurstspezialitäten in der Region einzigartig. Auch die Fischtheke unter Leitung der „Mitarbeiterin des Jahres 2020“, Mareike Obermann, scheut keinen Vergleich mit Vorzeige-Abteilungen in Metropolen. Direkt gegenüber liegt der Käsetresen mit über 500 Produkten. Gemeinsam erzeugen die Bedienungstheken das Lebensgefühl einer Markthalle.

Digitalisierung
Zu den technischen Neuerungen zählt das gerade eingeführte System Easy Shopper der Edeka Minden. „Dieser nächste Schritt zur Digitalisierung des stationären Einzelhandels erzeugt zusätzliche Kundenbindung durch Zusatznutzen für Smart Shopper“, urteilt Karl Stefan Preuß. In der Tat: Diese neueste Form des „mobile Scanning“ begeistert nicht nur technikaffine Kunden. Bislang sind im Markt 36 dieser Einkaufswagen eingesetzt. Geschultes Marktpersonal unterstützt die Kunden, die diesen Scanning-Weg wählen.

Fakten im Focus

Marktleiterin: Tanja Hebrock
Eröffnung: 1979, renoviert 2015
Verkaufsfläche: 2.437 m2
Anzahl der Mitarbeiter: 70 (umgerechnet auf Vollzeit)
Personalkosten: 13,25 Prozent
Brutto-Umsatz 2020: 21,9 Mio. Euro
Quadratmeterleistung: 8.965 Euro
Durchschnittsbon: 27 Euro
Frischeanteil am Gesamtumsatz: 51 Prozent
Kaufkraftindex: 99,5
(Bundesdurchschnitt = 100) Wettbewerbskennziffer: 576 (Bundesdurchschnitt 380)