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Burn-out Was Unternehmen dagegen tun können

Heidrun Mittler | 18. Mai 2015
Burn-out: Was Unternehmen dagegen tun können

Bildquelle: Shutterstock

Hektik, Stress, Probleme, Überlastung: Immer mehr Menschen halten dem Druck nicht mehr stand und werden krank. Psychische Leiden – ein ernstes Thema, das aus der Tabu-Ecke rücken muss. Eine Bestandsaufnahme, welche Lösungsansätze der Handel bislang gefunden hat.

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Jeder weiß, was zu tun ist, wenn der Kollege aus der Metzgerei sich böse in den Finger geschnitten hat und blutet: Verbandskasten holen, den Ersthelfer suchen, im schlimmsten Fall den Krankenwagen rufen. Was aber geschieht, wenn die Seele verletzt ist, sprich: ein Kollege an einer psychischen Erkrankung leidet?

Wirft man einen Blick auf die Krankschreibungen in Deutschland, wird deutlich, dass psychische Erkrankungen zunehmen. Deshalb – und wegen des Leids, das die Betroffenen erfahren – ist es angebracht, über diese Frage nachzudenken und sie aus der Tabu-Ecke herauszuholen. Mit der Beantwortung aber tut sich die Arbeitswelt schwer, da macht der Lebensmittelhandel keine Ausnahme.

Wie sollen, wie müssen Kollegen reagieren? Wie verhält sich der oder die Vorgesetzte richtig? Es gibt keine Patentantwort, doch fest steht: Wegschauen macht das Problem nur schlimmer. Denn ein Mensch, der seelisch aus dem Gleichgewicht geraten ist, steht vereinfacht ausgedrückt vor einem Abgrund: Nichts geht mehr. Gleichzeitig aber denken viele, dass sie ihre Krise aus eigener Kraft bewältigen können. Sie schämen sich – wer sagt schon freiwillig über sich selbst, dass er depressiv ist oder eine Angststörung hat und nicht mehr weiter weiß?

Jeder Mensch hat eine Grenze, bis zu der er Belastungen erträgt, bei dem einen ist sie höher, bei dem anderen niedriger gesteckt. Diese Belastungen können aus dem privaten oder beruflichen Umfeld stammen. Es kommt auf die Summe an: Ab einem bestimmten Punkt kommt das Gleichgewicht ins Wanken. Was genau den Ausschlag gegeben hat, ist auf den ersten Blick oftmals nicht gleich zu erkennen. Fest steht: Schon eine kleine Erschütterung kann die Schaukel zum Kippen bringen, ein vermeintlich unbedeutender Auslöser kann zum seelischen Zusammenbruch führen. Das ursprüngliche Problem (oder die Probleme) kann ganz woanders und weiter zurück in der Vergangenheit liegen. Wenn dann vielleicht noch eine andauernde Arbeitsüberlastung hinzu kommt, Konflikte am Arbeitsplatz oder Mobbing, leidet die Psyche.

In diesem Zusammenhang muss man bedenken, dass in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Probleme auftauchen (können). Der Azubis mag Angst vor der Abschlussprüfung oder Liebeskummer haben; die Mutter mit zwei kleinen Kindern fürchtet die Trennung von ihrem Mann (und damit verbundene Geldsorgen); der Familienvater mit 55 Jahren trauert um seine viel zu früh verstorbene Frau; die Mitarbeiterin Anfang 50 pflegt ihre kranken Eltern zuhause und opfert sich dabei auf. Diese und andere Krisen treffen die Menschen teilweise unvorbereitet und können Auslöser für seelische Erkrankungen sein.

Im Arbeitsalltag reagieren nur all zu viele Markt- oder Filialleiter vollkommen genervt, wenn einer ihrer Angestellten eine Krankschreibung einreicht und als Grund dafür „Burn-out“ angibt. Zum einen fällt der Mitarbeiter in der Regel lange aus, zum anderen handelt es sich vielfach gerade um einen Kollegen, der unverzichtbar fürs Team ist. Der Begriff Burn-out (englisch: ausgebrannt) beschreibt es treffend: Gefährdet sind besonders diejenigen, die besonders engagiert sind, das Geschäft am Laufen halten und bei Bedarf Überstunden machen, während andere längst zuhause bei der Familie sind. Brennen, bis man ausgebrannt ist.

In den Zentralen des Handels weiß man, wie wichtig das Thema „psychische Krankheiten“ in der Praxis ist. Und natürlich, welche Kosten damit verbunden sind. Bei den Lösungsansätzen hingegen, wie man solche Krankheiten vermeidet oder lindert, ist man noch in der Erprobungsphase. Dabei setzen die Unternehmen zuerst an den Faktoren an, die im Betrieb negativen Stress verursachen.

Metro C&C Deutschland beispielsweise hat sich die Prävention psychischer Belastungen auf die Fahne geschrieben. Die Arbeitsplätze in zwei Großmärkten wurden im vergangenen Jahr von Fachkräften für Arbeitssicherheit auf ihre Gefährdung hin untersucht. Die Ergebnisse werden im Herbst erwartet, dann sollen auch konkrete Maßnahmen erarbeitet werden. In der Schweiz ist die Migros- Genossenschaft Luzern ebenfalls dabei, ein Präventionsprogramm einzuführen, so das Unternehmen.

Die Edeka bietet im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements verschiedene Seminare zur Vorbeugung an. Bei der Edeka Minden-Hannover sind beispielsweise „Stressbewältigung“ und „Brennen? Ja! Ausbrennen? Nein!“ im Angebot. Zusätzlich offeriert das Gesundheitsmanagement „Beratungen in belastenden Situationen“, so eine Sprecherin.