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Interview mit Frank Meiners „Deshalb lässt sich keiner gern krankschreiben“

Heidrun Mittler | 18. Mai 2015
Interview mit Frank Meiners: „Deshalb lässt sich keiner gern krankschreiben“

„Was ist der Unterschied zwischen Burn-out und Depression? Antworten von Diplom-Psychologe Frank Meiners von der gesetzlichen Krankenkasse DAK.

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Herr Meiners, Ihre Krankenkasse beschreibt eine Trendwende beim Thema Burn-out, danach ist die Zahl der Krankschreibungen wegen dieses Leidens zurückgegangen. Wie erklären Sie sich das?

Frank Meiners: Es gibt einen offeneren und differenzierteren Umgang von Ärzten und Patienten mit psychischen Erkrankungen. Eine zunehmend genauere Diagnosepraxis führt mittlerweile dazu, dass häufiger eine Depression erkannt wird, die eigentlich hinter dem Burn-out steckt.

Was ist denn der wichtigste Unterschied zwischen einer Depression und Burn-out?
Burn-out ist eine Art Risikozustand, der häufig in eine Depression übergehen kann.

Wer kann die Diagnose Burn-out stellen – ein Hausarzt oder nur ein Facharzt?
Grundsätzlich kann jeder Arzt bei der Krankschreibung einen Burn-out diagnostizieren. In der Praxis dürften insbesondere Hausärzte und Psychiater die Diagnose stellen, weil sie diese Patienten häufig in der Praxis sehen.

Welche Bedeutung hat Burn-out in der Gesamtbevölkerung, wenn man die Zahl der Krankschreibungen mit anderen Volkskrankheiten (etwa Rückenleiden oder grippaler Infekt) vergleicht?
Die Betroffenenquote bei Burn-out ist wesentlich geringer als bei den großen Volkskrankheiten. Sie lag 2012 nur bei etwa 0,2 Prozent. Allerdings dauern psychische Erkrankungen wie Burn-out wesentlich länger als beispielsweise grippale Infekte.

Wie lange dauert eine Krankschreibung mit der Diagnose Burn-out durchschnittlich?
Eine einzelne Krankschreibung mit der Diagnose Burn-out dauert im Schnitt 37 Tage.

Wie begegnen Sie als Fachmann der Behauptung: „Manch arbeitsunwilliger Arbeitnehmer lässt sich gern mit der Begründung Burn-out für längere Zeit krankschreiben“?
Psychische Erkrankungen werden vom Facharzt oder Hausarzt diagnostiziert. Keiner lässt sich gerne mit solch schwerwiegenden Erkrankungen einfach so krankschreiben.