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Fischtheke des Jahres 2014 Showdown in Bremerhaven

Dieter Druck | 12. Dezember 2014

Spannendes Finale und Auszeichnung der besten Fischtheken Deutschlands. Die Ansprüche steigen.

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Elfte Auflage des Branchenpreises – und Deutschlands Fischtheken zeigten sich in der Fishtown wieder einmal mehr von ihrer besten Seite. Auf Einladung von Deutsche See und LEBENSMITTEL PRAXIS trafen sich neun Teams, verteilt auf drei Kategorien, zum Finale des Wettbewerbs.

Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, in dem sich viel an deutschen Fischtheken bewegt hat. Kaum ein neuer Markt, der heute ohne dieses Frische-Profilierungs-Sortiment daherkommt. Das zwingt wiederum zu Differenzierung. Räucherofen und Eigenproduktion von Produkten mit erhöhtem Conveniencegrad scheinen aktuell die beliebtesten Ansätze zu sein. Ebenso werden verstärkt gastronomische Angebote mit der Theke verknüpft. Differenzierend ist im Bereich der Fischfeinkost auch der Aspekt Ultrafrische. Kurze Restlaufzeiten kombiniert mit Rezepturen der „anderen Art“ wirken kaufstimulierend. Allerdings sollte diesem Angebot zur Etablierung einige Zeit eingeräumt werden.

Ultrafrische kann den berühmten kleinen Unterschied ausmachen, dafür muss aber aktiv verkauft werden. Die meisten Kunden an der Fischtheke sind kommunikationsbereit. Die Mitarbeiter müssen sie nur, wie es so schön heißt, abholen. Einige Verkaufstalente habe ich auf meiner Neun-Theken-Tour durch Deutschland live erlebt.

Die Einsatzbereitschaft am PoS ist vorhanden. Besondere Herausforderungen ergeben sich weiterhin aus den aktuellen Thematiken wie Nachhaltigkeit bzw. Ressourcenschonung. In Gesprächen mit den Frontleuten an der Fischtheke zeigt sich, dass zuletzt die inhaltlich desaströse, weil auf kritisch gebürstete Darstellung von Tim Mälzer zum Thema Fisch die Kundengemüter bewegt und verunsichert hat. Die permanente mediale Befeuerung durch Nichtregierungsorganisationen und aufklärende TV-Köche führen dazu, dass Fisch bei manchen Kunden als „Problemsortiment“ gespeichert wird.

Eine andere Herausforderung könnte sich aus der SB-Fischpräsenz bei Aldi, Lidl und anderen Discountern ergeben. Für die meisten der „Thekianer“ werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Aber es sind immerhin mehr als 15.000 Verkaufsstellen, und der Atem scheint diesmal länger zu sein.

Die „Überraschungsbesuche“ bei den nominierten Märkten zeigten einmal mehr, wie nachhaltig die Nachhaltigkeit in all ihren reichhaltigen Facetten Handelszentralen, Verkäufer und Kunden beschäftigt. Aber es wäre falsch, Fisch allein auf die Gewissensfrage zu reduzieren. Fisch ist ein natürliches Produkt mit hohem Genussfaktor. Davon konnten sich die Teilnehmer am zweiten Tag in Bremerhaven bei der Besichtigung der zwei Produktionsstätten von Deutsche See Fischmanufaktur selbst überzeugen. In den Betrieben wurde den Teilnehmern anschaulich, dass der Begriff Manufaktur bei Deutsche See keine Worthülse ist, welche hohen Qualitäts- und Hygienestandards vor Ort gelten und wie kreativ die Entwickler arbeiten und neue Ideen umsetzen.


Die Gewinner 2014

Kompetenzadresse für Frischfisch
Rewe-Center Freiburg im Karstadt-Haus

Dort wo früher Migros seine Umsätze tätigte, ist heute ein Rewe-Center mit 2.460 qm Verlaufsfläche. Im Zuge des Komplettumbaus wurde auch die Theke samt Technik total ersetzt. Dabei hat sie zumindest nicht an Anziehungskraft verloren, wahrscheinlich sogar gewonnen, wie Kundenbriefe belegen. Im ersten Jahr kletterten die Umsätze um 3,5 Prozent auf einen Monatsdurchschnitt von 97.000 Euro. Die neue Theke, viele alte Hasen aus dem ursprünglichen Migros-Team, die ihre Kunden kennen, Selbstgeräuchertes aus dem neuen Räucherofen, ein hoher Stammkundenanteil sowie der Ruf als Kompetenzadresse für Fisch führt Volker Dünsing, Bereichsleiter Fisch im Rewe-Center Freiburg, als Gründe dafür an. Hinzu kommt eine hohe Flexibilität bei der Sortimentszusammenstellung, basierend auf einem großen Lieferantenpool. An dem stark frequentierten, wettbewerbsintensiven Innenstadt-Standort hat auch das Bio-Angebot bei Frischfisch Relevanz. Darüber hinaus gelingt es hier, einen nachvollziehbaren Bezug zur Region herzustellen, beispielsweise mit Bodenseefischen von der Insel Reichenau. Ein Neuzugang sind die Ultrafrischen-Fischfeinkostsalate von Beeck, die als Block präsentiert werden. Es gilt das Motto: Wertigkeit visualisieren.

Viele besondere Qualitäten
Hieber’s Frische-Center, Lörrach

Im Lörracher Hieber’s FrischeCenter hat man mit der Fischtheke nach dem Umbau noch eins draufgesetzt. Der mittlerweile fast in vielen Märkten obligatorische Räucherofen wurde kategorisch abgelehnt, ebenso Monitore und andere „neuzeitliche“ Gestaltungselemente. Dagegen präsentiert sich eine 14-m-Theke (2 m mehr als das Vorgängermodell) im dezenten Retro-Style etwa mit handgeschriebenen Angebotstafeln an der Rückwand. Sie ist ein echter Hingucker, auch in Bezug auf die Warenpräsentation. Eine breite, schon lange bestehende Lieferantenbasis garantiert Abwechslung und Vielfalt. Die Knüllerangebote werden bewusst klein gehalten. Besondere Qualitäten, Auswahl, Besonderheiten und Eigenkreationen (Lachsfilet mit hausgemachtem Weingelee; Langusten-Schwänze aus Kuba mit exotischen Früchten etc.) prägen das Bild und machen den Unterschied zum dichten Feld der Wettbewerber in dieser Region. Eine eigenständige Sushi-Station verbindet Fisch- und Fleischtheke. Ein riesiger Tisch vor der Fischtheke lädt zum Verweilen und Verzehren ein. Thekenmentor ist Hermann Maurer, der mit Raissa Anosov schon wieder ein vielversprechendes Eigengewächs heranzieht. Eine andere Mitarbeiterin hat mit der Fortbildung zur „Seafood-Expertin“ begonnen. Also alles stimmig.

Gute Gründe für den Fischeinkauf
Real Mannheim Vogelstang

Die offene Theke (Front: 11 m; Abteilungsfläche: 78 qm) beim Real im Mannheimer Stadtteil Vogelstang besticht u. a. durch ein klares, strukturiertes Gesamtbild, Warenvielfalt und Abwechslung. Etwa 50 Frischfischartikel werden in der Abteilung angeboten. Die Theke ist MSC-, ASC- und Bio-zertifiziert. Regionales wird unter der Eigenmarke „Gutes aus der Heimat“ geführt (z. B. vom Forellenhof Pfälzerwald). Der 1972 eröffnete Standort, zuerst Wertkauf dann unter der Flagge von Walmart, wurde 2012 umfassend erneuert und erweitert. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch von SB-Fisch auf Frischfisch in Bedienung umgestellt. Ein Schritt, der sich spürbar in den deutlich gestiegenen Umsätzen widerspiegelt (Monatsdurchschnitt: 40.000 Euro). Hier besteht aufgrund des großen Einzugsgebietes , das bis an den Odenwald heranreicht und in dem eine ansehnliche Kaufkraft besteht, noch Luft nach oben. Allerdings herrscht eine große Wettbewerbsdichte u. a. durch zwei Edeka-Scheck-Märkte und Kaufland.

Das „Frischeprofil“ dieses Standortes verkörpert im wahrsten Sinne des Wortes die aus drei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften bestehende Verkaufsmannschaft. Zwei der Kräfte sind IHK-zertifiziert.