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CAP-Markt Zwei Berliner in Rudolstadt

Silvia Schulz | 05. Februar 2020

Viele Wege führen nach...Rudolstadt. Sogar aus dem szenigen, lauten Berlin. Das Marktleitungsteam des CAP-Marktes Rudolstadt kommt aus der Spree-Metropole. Bereut haben Torsten Becker und Franziska Bloch den Schritt nie.

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Von Berlin weg nach Rudolstadt: Beruflich ist das nicht unbedingt der übliche Weg. Aber für Torsten Becker und Franziska Bloch genau die richtige Entscheidung. Und auch für die AWO Saalfeld gGmbH, die den CAP-Markt im thüringischen Rudolstadt betreibt.

Der Markt sichert die fußläufige Nahversorgung und belebt die Innenstadt. Er ist der dritte, den die AWO innerhalb von drei Jahren im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt im Freistaat Thüringen eröffnete. Becker ist dort Marktleiter, Bloch seine Stellvertreterin. Mitten in der Fußgängerzone zwischen Marktplatz und Gerichtsgebäude gelegen, öffnete der Markt am 2. Oktober 2019. Das war möglich, weil der Vormieter, ein Drogeriemarkt, ins Einkaufszentrum am Rande der Innenstadt zog. Von außen etwas unscheinbar – die Außendarstellung gibt allerdings die Stadt vor –, wurde das Einzelhandelsobjekt komplett umgebaut. Elektroanlage und Zwischendecke wurden in fünf Monaten saniert. Bei der Ladeneinrichtung inklusive Kälteverbundanlage wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Alles ist neu. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 635.000 Euro. Förderanträge für das Inklusionsprojekt sind bei der Aktion Mensch und dem Thüringer Integrationsamt gestellt.

Ladenplanung mit Edeka
Das Ladenlayout des Nahversorgers ist modern, zeitgemäß und ansprechend. Ein gelungener Spagat zwischen Ästhetik und Effizienz. Für die Ladenplanung verantwortlich zeichnet nicht nur die GDW-Süd als CAP-Franchisegeber, sondern auch die Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen. Die Warenanordnung ist sinnvoll und intuitiv. Die kurzen Wege im Markt tragen zum angenehmen Einkaufserlebnis bei.

Bei der Regalhöhe haben sich die Betreiber für 1,80 Meter entschieden. Der Grund ist nachvollziehbar: Der Markt hat nur 400 Quadratmeter, da kommt es auf jeden einzelnen Regalmeter an. Die Regale kommen von Inovag. Bei Aufbau und Anpassung mit einem täuschend echt wirkenden Holzdekor wurde mit einer regionalen Firma zusammengearbeitet. Was sinnvoll ist, denn im Falle einer Reparatur wird Zeit gespart. Bei den Kühlmöbeln entschied sich der Betreiber für Verbundkühlung. Mit der Steuerung (Wurm) wird den Anforderungen von HACCP über Frigodata online entsprochen. Die Tiefkühlschränke der Firma Carrier erleichtern Mitarbeitern das Bestücken und bieten Kunden besten Überblick. Für die Veloando Quick-Loader sprechen am PoS die gestufte Präsentation der Regalware und die ausziehbaren Körbe im unteren Bereich. Die Salatbar ist von Ladenbauer Aichinger. „Mittags ist manchmal kein Rankommen an die Salatbar. Dann stehen die Kunden aus den umliegenden Geschäften und Büros dicht gedrängt und greifen zu“, meint Torsten Becker, der Marktleiter.

Bei 24.000 Einwohnern braucht es keine große Kassenzone. Auch keine Self-Check-out-Kassen. Zwei Kassen reichen aus. In Zeiten mit erhöhter Kundenfrequenz wie dem „Rudolstadt Festival“ mit tausenden Innenstadtbesuchern kommt eine mobile Kasse dazu. Der Markt überzeugt mit breiten, barrierefreien, lichten Gängen. Sogar der Bereich nach dem Check-out ist großzügig. Auf einer Bank sitzend, können Kunden die aus dem Automaten frisch gezapften Cafésito-Kaffeespezialitäten genießen. Die Einkaufswagen sind pfandfrei, für den kleinen Einkauf stehen Einkaufskörbe parat. Flatscreens im Obst- und Gemüsebereich und der Kassenzone machen auf Angebote und die Besonderheiten des CAP-Marktes aufmerksam. Die Visualisierung an der Wand im Vorkassen- und Kassenbereich fasst das Wichtigste zusammen – unaufdringlich aber unübersehbar.

Miteinander
Doch nicht nur, dass die Innenstadt von Rudolstadt nun einen Nahversorger hat, es konnten fünf Mitarbeiter mit Behinderung in Arbeit gebracht werden. Einer von ihnen ist Ralph Borkowski. Er arbeitete vorher in der Arztpraxis seines Vaters, die sich in der ersten Etage des Hauses befand, in der der CAP-Markt ist. Nach einem Nachfolger hat der Arzt vergeblich gesucht, und so schloss die Arztpraxis im Frühjahr 2019. Die neue Arbeit macht Ralph Borkowski viel Freude. Er schwärmt regelrecht: „Ware verräumen und vorziehen, das alles mache ich, aber am liebsten bin ich an der Kasse. Scannen oder PLU-Liste, Bezahlen mit Karte, Wechselgeld und Bonuspunkte – das alles ist kein Problem für mich.“ Und das beschreibt den Kern von CAP-Social-Franchise der GDW-Süd, die rund 100 Märkte in Deutschland betreibt. Die Märkte werden von Trägern der Sozialwirtschaft als Inklusionsbetriebe geführt. Inklusionsbetriebe sind Betriebe des ersten Arbeitsmarktes, in denen zwischen 40 und 50 Prozent der Arbeitsplätze von Menschen mit Behinderung besetzt sind. Durch das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung wird Normalität gelebt und ein „Lebens-Mittelpunkt“ geschaffen. CAP steht für Chancen, Arbeit, Perspektiven – auch und gerade für Menschen mit Handicap –, ist aber auch und vor allem ein ganz normaler Lebensmittelmarkt, in dem Umsatz gemacht werden muss.

Regional verbunden
Hauptlieferant ist die Edeka. Eine Besonderheit gibt es: Getränke sind nur in Einweg-PET und –Dosen erhältlich. Aber bei 400 Quadratmeter muss man sich entscheiden und Prioritäten setzen. Der Schwerpunkt im Sortiment des Marktes liegt auf der Frische – auch ohne Bedienung. Das Aushängeschild ist die Obst- und Gemüseabteilung am Kundenanfang, aus ladenbaulicher Sicht, aber auch mit Blick aufs Sortiment. Die Beschilderung ist dank elektronischer Regalschienenschilder bestens.

Was aus der Region, Bio oder in Aktion ist, ist auf den ersten Blick erkennbar. Überhaupt wird die Verbundenheit mit der Region durch viele Artikel in (fast) allen Warengruppen gelebt. Da wären die Produkte der Herzgut Landmolkerei eG Rudolstadt. Auf Drängen der AWO Saalfeld gibt es nun auch wieder die 250-Gramm-Butter und nicht nur die kleinen Packungsgrößen. Ein echter Renner sind die Artikel der Naturfleisch GmbH Rennsteig. Die Nachfrage ist so groß, dass sie eine eigene Truhe brauchen. Warum die Ware verkehrt herum liegt, weiß Franziska Bloch, die stellvertretende Marktleiterin: „So wie wir die Ware präsentieren, spricht sie für sich. Das Etikett ist nebensächlich.“ Auch der Eier-Lieferant, der Geflügelhof Teichweiden, ist aus der Region. Produkte aus Eiern wie etwa der Eierlikör gehen weg wie warme Semmeln. Daher hat sich die Marktleitung für die Doppelplatzierung entschieden, im Spirituosenregal und im Eierregal. Insgesamt bereichern rund 20 regionale Lieferanten das Sortiment. Das unterscheidet den Markt von anderen Märkten, die es natürlich auch in Rudolstadt gibt. Doch der CAP-Markt in Rudolstadt punktet mit dem richtigen Angebot und den perfekten Mitarbeitern.

Fakten im Fokus

400 qm Verkaufsfläche
11 Mitarbeiter (8VZ), davon 5 Mitarbeiter mit Behinderung
7.000 gelistete Artikel
7 Euro Durchschnittsbon
31.000 Euro Umsatz pro Woche
von montags bis freitags: 7 - 19 Uhr, samstags 8 bis 14 Uhr

 

Schnell gelesen
CAP - der Lebensmittelpunkt, Marktstr. 41, 07407 Rudolstadt

  • Der Innenstadtmarkt schließt eine Lücke in der örtlichen Nahversorgung und belebt die Innenstadt.
  • Die Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen als Hauptlieferant und eine Vielzahl regionaler Lieferanten bürgen für Qualität und Frische des Sortimentes.
  • Im Inklusionsbetrieb wurden fünf Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen.
  • Der CAP Markt zeichnet sich durch ein aufeinander abgestimmtes Farb-, Licht- und Einrichtungskonzept aus und sorgt für die angenehme Einkaufsatmosphäre.