Materialien aus Braunalgen Essity beteiligt sich an Forschung zu nachhaltigen Windeln

Der Hygienekonzern Essity beteiligt sich am europäischen Forschungsprojekt Proteus. Ziel: Windeln und Hygieneprodukte aus Braunalgen werden entwickelt und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu verringert. Die neue Technologie soll nahezu die gesamte Algenbiomasse verwerten können.

Dienstag, 24. Februar 2026, 09:55 Uhr
Manuel Glasfort
Lassen sich aus solchen Braunalgen Materialien für Windeln und andere Hygieneprodukte gewinnen? Essity und andere Partner des Proteus-Projektes wollen es herausfinden. Bildquelle: Essity

Der schwedische Hygiene- und Gesundheitskonzern Essity beteiligt sich am europäischen Forschungsprojekt Proteus. Das Projekt zielt darauf ab, biobasierte Superabsorber aus Braunalgen zu entwickeln. Essity prüft, ob sich die neuartigen Rohstoffe für Babywindeln, Damenhygiene- und Inkontinenzprodukte eignen. Das Unternehmen vertreibt unter anderem die Marken Tempo, Zewa und Tena.

Renz: Kontinuierliche Innovation entscheidend

Superabsorber nehmen in Hygiene- und Gesundheitsprodukten Urin oder Menstruationsblut auf. Bislang bestehen diese Materialien überwiegend aus fossilen Rohstoffen. Im Rahmen des Proteus-Projekts untersucht Essity nun Algen-basierte Rohstoffe als Alternative. Dabei konzentriert sich das Projekt auf Laminaria hyperborea. Das ist eine europäische Braunalge, die bisher wenig genutzt wird.

Die öffentlich-private Partnerschaft Circular Bio-based Europe Joint Undertaking und ihre Mitglieder unterstützen das Projekt. Ziel ist es, die Abhängigkeit von fossilen Kunststoffen zu verringern und die Umweltbelastung zu minimieren. „Kontinuierliche Innovation ist entscheidend, um die Hygiene, Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern und zu einer nachhaltigeren und zirkulären Gesellschaft beizutragen“, sagte Anke Renz, Vice President Research & Development bei Essity. „Wir arbeiten aktiv mit etablierten Lieferanten und Start-ups zusammen, um innovative und nachhaltige Materialien für unsere aktuellen und zukünftigen Produkte zu entwickeln und einzusetzen“, fuhr sie fort.

Essity nutzt bereits Stroh für Toilettenpapier

Essity setzt nach eigenen Angaben bereits seit 2021 alternative, nicht-fossile Fasern in der industriellen Produktion ein. Im Werk Mannheim produziert das Unternehmen Zellstoff aus Stroh und verarbeitet diesen in Toilettenpapieren. Dadurch verringert sich den Angaben zufolge der Zukauf von Zellstoff aus Übersee. Das in der Strohzellstoffproduktion anfallende Lignin lässt sich unter anderem in der Kunststoffindustrie als biobasiertes Polyamid weiterverarbeiten.

Das Proteus-Projekt nutzt nach Angaben von Essity eine formaldehydfreie Technologie, mit der nahezu die gesamte Algenbiomasse verarbeitet werden kann. Dies sei deutlich mehr als die derzeit in der Industrie üblichen rund 15 Prozent. Ein hybrides Elektroschiff soll den Betrieb optimieren und Emissionen senken.