Führungswechsel Nestlé-Verwaltungsratschef Bulcke tritt vorzeitig ab

Weiterer personeller Paukenschlag bei Nestlé: Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke (Foto) verlässt den Schweizer Lebensmittelkonzern früher als geplant. Er gibt sein Amt bereits zum 1. Oktober 2025 ab. Pablo Isla tritt zu diesem Zeitpunkt die Nachfolge an. 

Mittwoch, 17. September 2025, 11:35 Uhr
Thomas Klaus
Beendete seine Karriere vorzeitig: Paul Bulcke hört zum Monatswechsel als Verwaltungsratspräsident bei Nestlé auf. Bildquelle: Nestlé

Nestlé steht vor einem vorzeitigen Führungswechsel. Der Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke (Jahrgang 1954) legt sein Amt bereits zum 1. Oktober 2025 nieder. Das bestätigte der Schweizer Lebensmittelkonzern. Ursprünglich hatte Bulcke seinen Abschied erst für April 2026 geplant.

Isla ist auch Aufsichtsrat bei Bertelsmann

Pablo Isla wird zum Monatswechsel Präsident des Verwaltungsrats, der 61-Jährige gehört dem Gremium seit 2018 an und leitete von 2005 bis 2022 den spanischen Textilkonzern Inditex (Zara). Unter seiner Führung stieg die Zahl der Filialen von knapp 2.700 auf 7.000 an. Seit April 2024 ist Isla auch Aufsichtsratsmitglied beim Medienkonzern Bertelsmann.

Dick Boer wird per 1. Oktober zum Lead Independent Director und Vizepräsidenten des Verwaltungsrats ernannt. Zudem fungiert Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch ab dem 1. Oktober als Vizepräsidentin des Verwaltungsrats. 

Investoren zuletzt mit Bulcke unzufrieden

Der überraschende Rückzug Bulckes folgt auf wachsende Kritik von Investoren. Die Zeitung „Financial Times“ berichtete, Aktionäre hätten zuletzt Bulckes sofortigen Rücktritt gefordert. Sie stellten sein Urteilsvermögen infrage und machten ihn für die Wachstumsflaute und schwache Kursentwicklung des Konzerns verantwortlich.

„Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, mich zurückzuziehen und den geplanten Übergang zu beschleunigen“, erklärte Bulcke in einer offiziellen Mitteilung. Pablo Isla und der neue Konzernchef Philipp Navratil könnten die Strategie von Nestlé vorantreiben und das Unternehmen mit einer neuen Perspektive leiten. Er habe volles Vertrauen in die neue Führung und sei überzeugt, dass Nestlé für die Zukunft gut aufgestellt werde.

Verschärfte Führungskrise seit Anfang September

Pablo Isla lobte in einer offiziellen Mitteilung „Pauls Weisheit und sein unerschütterliches Engagement“, die das Unternehmen geprägt und den Grundstein für das nächste Kapitel gelegt hätten.

Die Führungskrise bei Nestlé hatte sich Anfang September verschärft. Der Konzernchef Laurent Freixe musste seinen Posten räumen, weil er eine Affäre mit einer ihm direkt unterstellten Mitarbeiterin verheimlicht hatte. Bereits Freixes Vorgänger Mark Schneider verließ das Unternehmen, nachdem Nestlé Ziele verfehlt und an Rückhalt bei Investoren und Mitarbeitern verloren hatte. 

Der seit 2017 amtierende Bulcke hatte Mitte Juni seinen Rücktritt zur Generalversammlung vom April 2026 angekündigt. Paul Bulcke war von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender von Nestlé. Der Manager startete seine Karriere bei dem Konsumgüterkonzern 1979 und leitete in seiner Zeit im Konzern unter anderem auch von 2000 bis 2004 Nestlé Deutschland.