Gefahr für die Landwirtschaft Neuer Schädling breitet sich auch in Deutschland aus

Der tropische Schädling Baumwollkapseleule, ein Wanderfalter, breitet sich inzwischen auch in Deutschland aus. Das hat das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe bestätigt. In der Schweiz macht der Schädling der Landwirtschaft bereits schwer zu schaffen. 

Freitag, 25. Juli 2025, 12:04 Uhr
Thomas Klaus (mit dpa)
Bedrohungspotenzial: Bestimmte Falterarten können die Landwirtschaft erheblich schädigen. Bildquelle: Getty Images

Der tropische Schädling Baumwollkapseleule breitet sich in der Schweiz aus und bedroht die Landwirtschaft. Cornelia Sauer von Agroscope, das Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung beim schweizerischen Bundesamt für Landwirtschaft, bestätigt: Ende Juni 2025 wurden in Überwachungsfallen mehr Falter entdeckt als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Monitoring wie in der Schweiz gibt es in Deutschland nicht

Die Raupen des Wanderfalters Helicoverpa armigera befallen über 100 Wirtspflanzen. Darunter sind Bohnen, Erbsen, Tomaten, Paprika, Zuckermais und Salate. Cornelia Sauer von Agroscope berichtete von ersten Schäden an Tomaten südlich der Alpen. 2023 richteten die Raupen erstmals große Schäden in Gemüsekulturen in der Schweiz an.

Die Schweiz installierte 2024 zur Überwachung 25 Fallen. „Das Insekt hat jetzt auch den Kanton Zürich erreicht“, sagte Sauer. Fallen und Feldkontrollen sollen eine Präsenz in einem Gebiet frühzeitig entdecken, um mit gezieltem Einsatz von Insektiziden die Ernten zu retten.

Olaf Zimmermann, Experte am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe, betont die Notwendigkeit eines Monitorings auch in Deutschland: „Das gibt es aber bei uns leider nicht, weil es kostspielig und aufwendig ist. Gehandelt wird oft erst, wenn bereits große Schäden da sind.“

Erste Fälle bereits in Deutschland aufgetreten

Auch in Deutschland verbreitet sich der Schädling. Olaf Zimmermann warnt: „Baumwollkapseleulen sind im Ackerbau deutlich problematischer als etwa der Japankäfer.“ Die Raupen befallen in Deutschland bereits Kichererbsen und kamen vereinzelt bis Hannover und Berlin vor.

Experten sehen die Ausbreitung als Folge des Klimawandels. „Man kann davon ausgehen, dass sich irgendwann eine Population an unsere klimatischen Bedingungen anpasst und wir dann vielleicht eine erste Enklave in Südbaden haben“, sagt Zimmermann. In Ungarn überwintern die Falter bereits und etablierten sich als Mais-Schädling.

Neuer Schädling deutlich problematischer als Japankäfer

Die Raupen schädigen nicht nur durch Fraß, sondern auch durch Kotverschmutzung. „Auch an Blattgemüse kommt es zu Schabe- und Lochfraß und zu Verschmutzung durch den Raupenkot, was das Erntegut unverkäuflich oder nicht mehr verwertbar macht“, erläutert Cornelia Sauer von Agroscope.

Nach Auffassung von Zimmermann ist der neue Schädling deutlich probblematischer als etwa der Japankäfer. Der Käfer fresse Blätter und Früchte und gehe hauptsächlich in Wein und Obst, während der Falter auch Flächenkulturen wie Mais und Feldgemüse heimsuche.

Die Baumwollkapseleule, die ihren Namen ihrer nachtaktiven Lebensweise verdankt, fliegt bis zu 1.000 Kilometer weit und überquert die Alpen. Experten erwarten, dass sich der Schädling dauerhaft in Mitteleuropa ansiedeln wird.