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Schweiz Der grüne Nachbar hinter den Alpen

Christina Steinheuer und Tobias Dünnebacke | 17. September 2013

Swissness ist in der Welt ein Exportschlager. Dabei verkörpern unsere Nachbarn Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und Ökologie glaubwürdiger als manch andere Industrienation. Auch Traditionen spielen eine wichtige Rolle und gelten als besonders schützenswert.

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Es war eine bemerkenswerte Meldung, die kürzlich über die weltweiten Nachrichtenticker ging: Das berühmte Schweizer Bankgeheimnis ist in seiner strikten Form Geschichte. Hintergrund ist ein Steuerdeal zwischen den USA und der Schweiz. Um in Zukunft bei Betrugsfällen einer Strafverfolgung in den USA zu entgehen, müssen Schweizer Banken nun Informationen über US-Steuerbetrüger herausgeben.

Handelspartner aus der Schweiz
  • Delica
  • Chocolats Camille Bloch
  • Düring
  • Kägi
  • Emmi
  • Schweizer Milchproduzenten
  • Micarna

Mit dieser Nachricht wird einmal mehr deutlich, dass die von unseren Nachbarn viel zitierte Neutralität und Unabhängigkeit in einer globalisierten Welt immer mehr an ihre Grenzen stößt. Das gilt auch für andere Branchen. Zuletzt war dies spürbar, als 2011 die Exportindustrie der Alpenrepublik wegen der massiven Aufwertung des Schweizer Frankens unter starken Preisdruck geriet und den Eidgenossen ironischerweise das zum Verhängnis wurde, was sie als neutraler Staat immer abgelehnt haben: die Eurozone mit einer einheitlichen Währung.

Für die Schweizer gibt es aber trotz dieser Turbulenzen weiterhin gute Gründe, ihren eigenen Weg zu gehen und nicht zu sehr nach links und rechts zu schauen. So ist das Image von Produkten aus der Schweiz in positiver Hinsicht vielfältig: Zum einen wäre da die Exklusivität zu nennen. Die Universität St. Gallen hat in einer international angelegten Studie (Swissness Report Worldwide) herausgefunden, dass dieses Attribut eine wichtige Rolle bei der weltweiten Wahrnehmung von Schweizer Erzeugnissen spielt. Egal ob die berühmte Schweizer Uhr, das Taschenmesser oder Schokolade von Marken wie Camille Bloch oder Milcherzeugnisse von Emmi: Produkte mit dem Schweizer Kreuz werden gemeinhin mit hoher Qualität assoziiert, für die auch der deutsche Verbraucher gerne mal mehr ausgibt.

Auf der anderen Seite steht das grüne Image der Schweiz und die Wertigkeit, die Schweizer Konsumenten, Hersteller und der Handel biologisch und nachhaltig erzeugten Lebensmitteln entgegenbringen. So wächst der Umsatz mit Bio kontinuierlich. Die Migros, größtes Detailhandelsunternehmen der Schweiz, konnte für diesen Bereich 2012 gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von 9,1 Prozent vermelden. Auch in Deutschland ist Bio ein Wachstumsmarkt, aber Nachhaltigkeit, Regionalität und das Streben nach einer möglichst ökologischen Produktion wirken bei unseren Nachbarn authentischer als im hoch industrialisierten Deutschland, wo in der jüngeren Vergangenheit diverse Lebensmittelskandale das Vertrauen der Verbraucher auf eine harte Probe gestellt haben.

Konkrete Beispiele für die Nachhaltigkeit der Schweizer Lebensmittel-Industrie und dem Handel gibt es zahlreiche. Da wäre das im vergangenen Jahr groß angelegte Programm Generation M der Migros. Die Themen berühren dabei praktisch sämtliche Aspekte des Alltags, also Gesundheit, Konsum, Mitarbeiter, Umwelt und Gesellschaft. Im Zentrum der Initiative stehen diverse Versprechen, die die Migros der jungen Generation von heute gibt. Dazu zählt die Aussage, dass ab 2014 alle Werbemittel aus Papier und Karton in umweltschonender Recycling- oder FSC-Qualität hergestellt werden. Oder dass sich 2020 der CO2-Ausstoß gegenüber 2010 um 20 Prozent reduzieren wird. Konkrete Zielvorgaben also, an denen sich das Handelsunternehmen messen lassen muss. „Mit Generation M zeigen wir, wofür die Migros steht. Wir sind uns bewusst, dass wir nur dann auf einen grünen Zweig kommen werden, wenn unsere Kundinnen und Kunden unser Engagement mittragen“, sagt Migros-Chef Herbert Bolliger.