Bildquelle: Carsten Hoppen

Edeka Göbel Haiger „Das ist wirklich mein Markt!“

Die Edeka Hessenring kann Discounter besonders gut „in Schach halten“. Die Gründe dafür sind auch in den Märkten der Melsunger zu suchen. Besuch in Haiger.

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„Ich werde der Beste“! Kai Göbel ist kein Aufschneider und schon gar kein Prahlhans. Aber ehrgeizig. Der beste Lebensmittelhändler an seinem Standort will er werden. Klar: Auch die Edeka Hessenring baut Märkte, die „Einkaufen zum Erlebnis“ machen sollen, die sich von „anderen Verkaufsformen abheben“. Selbstverständlich wird dann – so weit die Melsunger das zulassen -– - individuell gestaltet, breite Gänge, übersichtlich, die Farben harmonieren, das Sortiment stimmt mit großzügigen Frischeabteilungen. Aber reicht das?

Schnell gelesen

Edeka Göbel, Hohleichenrain 2, 35708 Haiger

  • Gute Kaufkraft im Siegerland
  • begehrter Standort
  • Kai Göbel hat bei der Edeka Hessenring eine ganze Reihe von Karriereschritten gemacht. Wichtiges Ziel erreicht: Selbstständigkeit
  • Sein Markt soll etwas mehr als der Durchschnitt bieten.
  • Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg, vielfach aber auch der limitierende Faktor.
  • Gastronomie ist nicht Kerngeschäft, aber Wettbewerbsvorteil.
  • Bei normalem Geschäftsverlauf wird die „Renta“ im kommenden Jahr erreicht. 

Manchmal sicher. Aber Kai Göbel reicht es eher nicht. Obwohl der Kaufmann bislang eine (fast, er war auch kurz bei Kaufland) lupenreine Edeka-Karriere hingelegt hat: Ausbildung bei Rheika/Delta, stellvertretender Marktleiter, elf Jahre Vertrieb (!), Bezirksleiter in Großen-Buseck, Fachberater, Fortbildung Führungskraft – als Selbstständiger hat er schon ein paar eigene Ideen.

Differenzierung
„Wo fange ich an?“, fragt er. Zum Beispiel bei den Mitarbeitern. Die „richtigen“ zu bekommen ist für ihn genauso schwer wie für andere. Aber er sieht sie als Schlüssel für die Zufriedenheit seiner Kunden. „Wenn ich gute Leute finde, tue ich alles, um die zu halten.“ Das sei dann weniger eine Frage des Geldes. „Die größten Probleme sind Arbeitszeit und Belastung“. Entscheidend sei, die Leute ernst zu nehmen, sie gut zu behandeln. Und es dürfe keine Ungerechtigkeiten geben. „Gute Leute sind engagiert – die verdienen mehr als die weniger guten. Nicht nur Geld, sondern auch Anerkennung und Lob.“

Nur mit den „Guten“ kann er dann das bringen, was für Göbel einen Top-Markt ausmacht: Eigenproduktion von Salaten, Desserts, Frikadellen, Hähnchen, Fleischhase, Fisch räuchern und mehr. Den Einkauf so einfach wie möglich zu machen, ist ein weiteres Beispiel: breite Parkplätze, super-sauberer Parkplatz, Chiplose Einkaufswagen, Helligkeit im Markt, kurze Kassen-Wartezeiten, Service wie Paketannahme, Lotto. Auch die Stromtankstelle, die während des Einkaufs kostenlos genutzt werden kann, zählt dazu. Oder die technisch moderne Ausstattung mit Fußbodenheizung, Wärmerückgewinnung, Co2-Kühltechnik. Und nicht zu vergessen: Kundenorientierung! Ohne die richtigen Mitarbeiter, die auch ein Kundengespräch führen können, ist das nicht zu machen.

Dazu gibt es dann noch einige Aktivitäten, die nicht selbstverständlich sind (und ohne gewillte Mitarbeiter überhaupt nicht zu realisieren): Moonlight-Shopping, Bauernmarkt mit örtlichen Bauern, Whisky-Tasting.

Regionalität ist natürlich auch in Haiger ein großes Thema, aus der Region bezieht er daher vom Ei übers Bier bis zur Kartoffel alles, was geht. Demnächst macht Göbel auch eigenen Honig. Die Blumenwiese am Rand von Parkplatz und Markt ist angelegt, Bienenstöcke werden aufgestellt. Nächstes Jahr gibt‘s Göbel-Honig.

Ein nicht selbstverständliches Zugpferd im Markt ist „Depot“. Die Haushalts- und Dekowaren sollen Kunden ziehen und sind prominent in der Marktmitte platziert. Zuvor empfängt passend am Eingang die eigene Blumenabteilung den geneigten Kunden. Der Bäcker ist untervermietet. Im hinteren Bereich des Marktes, zwischen den Bedienungstheken, liegt die Markt-Gastronomie mit angeschlossener Küche. „Das ist nicht mein Kerngeschäft“, sagt Göbel. Aber ein Wettbewerbsvorteil. Es gibt ein täglich wechselndes Tagesgericht. Das Angebot wird ausgebaut.

Stolz ist Kai Göbel auf das eigene Fleischangebot und lobt ausdrücklich das Hessenring Fleischwerk in Melsungen.

Der Edeka-Markt Göbel öffnete am 14. Dezember 2017. Das Ziel fürs erste Jahr ist, die Kunden an den Markt heranzuführen. Einfach wird das nicht, am Standort finden sich weitere Edeka, ein Herkules, Rewe und natürlich Discounter. „Wir haben eine ordentliche Rentabilitätsrechnung“ sagt Göbel, „Wenn es normal läuft, haben wir die im kommenden Jahr geschafft.“

Fakten im Fokus
  • Verkaufsfläche: 3.500qm
  • Mitarbeiter: 67
  • Kassen: 6
  • Durchschnittsbon: 25 Euro
  • Artikel: 35.000

Gute Kaufkraft
Die Kaufkraft im Siegerland ist eigentlich recht gut und über dem Durchschnitt. Das heißt aber, dass sich Göbel nicht allein auf Stadt Haiger verlassen kann. Denn die hat eine eher durchschnittliche Kaufkraft. Im Umfeld gibt es einige größere Unternehmen mit zahlreichen Beschäftigten. Eine sehr gute Kundenklientel.

Göbel hat um den Standort „gekämpft“. „Das ist wirklich mein Markt!“, sagt er. Um diesen Markt musste er sich bewerben. Der Standort war heiß begehrt. Wie bei Hessenring üblich, gehört das Gebäude der Zentrale, Göbel mietet und hält Ware und Inventar. „Ich bin sehr stolz, dass ich diesen Markt machen darf“, strahlt er und ganz im Ernst: „Es gibt viele gute Kaufleute. Aber hier am Standort will ich den besten Lebensmittelmarkt machen!“.