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Markthalle Neun Ganz nah am Puls der Zeit

Reiner Mihr | 24. Februar 2015

Die Markthalle Neun in Kreuzberg steht für „Anders einkaufen“. In Berlin gehört sie wieder zum Alltag, nachdem sie eigentlich schon völlig out war. Drei junge Unternehmer haben das richtige Konzept, um Kunden zu begeistern.

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Die Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg gehört zu den letzten drei weit gehend original erhaltenen Markthallen in Berlin. 1891 wurde sie eröffnet, konzipiert wurde sie mit einer Verkaufsfläche von 3.296 qm für 300 Marktstände. In den letzten 20 Jahren des alten Jahrhunderts war die Markthalle Neun zum Untergang verurteilt. Der kleinteilige Handel war verschwunden, und die Discounter hatten das Terrain erobert. Beinahe hätte der Meistbietende die Markthalle erhalten und abgerissen. Doch das verhinderte die Initiative „Projektgruppe Markthalle IX“. Diese wollte nicht nur den Verkauf der Markthalle Neun verhindern, sondern auch die alte Markthallenstruktur erhalten. Das wohl beste Konzept dafür hatten die heutigen Betreiber und Inhaber Nikolaus Driessen, Bernd Maier und Florian Niedermeier. Die Drei erweckten die Markthalle Neun nicht nur zu neuem Leben, sie machten die Markthalle Neun zu einem ganz besonderen Ort in Berlin.

Die Markthalle Neun entspricht dem klassischen Markthallenkonzept früherer Tage: kaufen, essen, verweilen, erleben, lernen, mit allen Sinnen genießen. Die Fangemeinde dafür wächst ständig – auch weit über die Bezirksgrenze, ja Stadtgrenze hinaus. Das Konzept der Markthalle Neun zeigt, dass es auch in Großstädten möglich ist, regional und saisonbetont, verbunden mit lokaler Wertschöpfung und kurzen Wegen, verantwortungsbewusst, fair, ökologisch, im direkten Kontakt mit den Erzeugern und – bei Fisch und Fleisch – aus artgerechter Haltung bzw. nachhaltigem Fang – zu agieren. Zu den Highlights des Wochenmarkts in der Markthalle zählen die gläserne Bäckerei, eine Fisch- und Fleischräucherei und eine hauseigene Brauerei.

Dieses Modell ist nicht eins zu eins übertragbar. Es steht jedoch für das gleichberechtigte Sein von Tante-Emma-Laden, kleinen alten und neuen Manufakturen sowie Handwerksbetrieben für Lebensmittel neben den Großen der Branche aus Handel und Industrie. Alle Formate haben ihre Berechtigung.


Gestartet ist die Markthalle mit zwei Markttagen. Jetzt sind es drei. Angeboten werden all die guten Produkte, die der Mensch zum Leben braucht. An die 50 Markthändler gehören zum festen Stamm der Markthalle. Die Kantine (Front-Cooking) in der Markthalle Neun ist dagegen von Montag bis Samstag geöffnet. Kunden können die Markthalle also an jedem beliebigen Wochentag entdecken.

Eine Besonderheit: Der Breakfast Market ist die Sonntagsausgabe des Marktvergnügens. Ein Fest der handgemachten Frühstücksfreuden, von Eggs Benedict bis vietnamesischem Porridge, von Bloody Mary bis zu Weizengras-Smoothies. Und weil man auch zuhause immer gut frühstücken sollte, findet man auf dem Breakfast Market alles, was den Morgen schöner macht nebst Kochbüchern und Magazinen, Konfitüren vom unbehandelten Obst und Kaffees aus unabhängigen Röstereien, handgeschmiedete Messer und handgeformte Teetassen.

Und das Highlight: Der Street Food Thursday ist eine weltweite Bewegung. Seit April 2013 wird in der Markthalle Neun der Street Food Thursday und damit die Straßenküche zelebriert. Bei Street Food geht es nicht nur ums Essen, sondern um das Miteinander der Menschen aus den verschiedenen Kulturen und die Wertschätzung von Lebensmitteln. Etwa 40 Köche kochen, backen und verkaufen hier so gut wie alles, was ein wenig Exotik verspricht und schmeckt. Es gibt traditionelle englische Pies, koreanischer Kimchi, handgemachte Allgäuer Kässpatzen, Brandenburger Tapas, Empanadas, Fish’n’Chips, gebratene Nudeln und neuseeländische Pies bis zu sizilianischen Reisbällchen. Der Besucher erlebt an nur einem Abend eine kulinarische Genuss-Weltreise. Und das zieht bis zu 4.000 Besucher an. Tendenz: steigend.

Woran das liegt? Berlin sei eben eine Einwandererstadt, sagt Nikolaus Driessen. „Die meisten, die bei uns kochen, kommen aus den Ländern, aus denen sie das Street Food zubereiten. Sie wissen, wie es zu schmecken hat und sind stolz, ihre Kultur zu präsentieren.“

Und eine weitere Neuerung: Das Festival „Stadt Land Food“ fand 2014 zum ersten Mal statt. Von Freitag bis Sonntag standen Landwirte und die Lebensmittelproduktion im Mittelpunkt des Festivals. Erzeuger aus dem Umland informierten über ihre Arbeit, und die Besucher konnten das Lebensmittelhandwerk aus nächster Nähe erleben – von der Wurstproduktion bis zur Gin-Herstellung. Das Land in die Stadt holen – das ist das Motto. Zusätzlich wurden in Workshops und Seminaren Visionen für eine ökologischere und solidarischere Landwirtschaft erarbeitet. Das Stadt-Land-Food-Festival zog mehr als 100.000 Besucher an

Fakten
  • Name: Markthalle Neun
  • Internet: www.markthalleneun.de
  • Unternehmen: Markthalle Neun GmbH
  • Adresse: 10997 Berlin, Einbahnstraße 42/43
  • Sortiment: Lebensmittel aus der Region mit gläserner Bäckerei, Fisch- und Fleischräucherei, hauseigener Brauerei und Kantine mit Front-Cooking
  • USP: Anders Essen und anders Einkaufen, dabei regional und saisonbetont, verbunden mit lokaler Wertschöpfung und kurzen Wegen, verantwortungsbewusst, fair, ökologisch, wertschätzend, im direkten Kontakt mit den Erzeugern,bei Fleisch und Fisch aus artgerechter Haltung bzw. nachhaltigem Fang
  • VFL: 3.296 qm
  • Anzahl: 50 Händler und Gastronomen
  • Service: Veranstaltungen sowie Lieferservice