Anzeige

Deli Nahversorger mit der persönlichen Note

Reiner Mihr | 12. Dezember 2014

Bewohner in Dortmund-Barop kämpften für ihre stadtteilnahe Lebensmittelversorgung. Nach einigem Hin und Her haben sie jetzt wieder einen Nahversorger im Viertel.

Anzeige

Dass Nahversorgung mit Lebensmitteln auch in Städten keineswegs immer einfach ist, mag angesichts der Flächendichte an manchen Standorten erstaunen, ist aber Tatsache. So gab es im Dortmunder Stadtteil Barop nach dem Weggang eines Discounters ein „Lebensmittel-Vakuum“, das zur Gründung einer Bürgerinitiative führte. 5.000 Menschen leben in dem Stadtteil, viele von ihnen – besonders ältere Menschen und viele Studentinnen und Studenten ohne Auto – beteiligten sich an einer Unterschriften-Sammlung. Das rief dann auch die lokale Politik auf den Plan. Größere Handelsketten hatten ein Engagement am Standort abgelehnt, weil ihnen die Fläche schlicht zu klein war.

Letztlich hat aber Haci Delifer, ein erfahrener Händler, der bisher vor allem im türkischen Einzelhandel aktiv war, den Ruf gehört. Durch seine guten Kontakte zum Lebensmittelgroßhandel Lüning in Rietberg fand er schnell auch einen Partner, der ihn beim Sprung in den klassischen Lebensmittel-Einzelhandel unterstützte.

Lünings Frischmarkt-Konzept, das es bisher an rund 75 Standorten in einem Radius von rund 250 km um Rietberg bei Gütersloh gibt, überzeugte Delifer. So entstand in dem anderthalb Jahre leer stehenden Gebäude ein Nahversorger-Supermarkt namens „Deli“, der an das Lüning-Konzept „Ihr Frischmarkt“ angelehnt ist. Delifer investierte fast 0,5 Mio. Euro in Regalierung und Waren-Erstausstattung, Lüning steuert neben der Beratung und Ware auch Warenwirtschaftssystem und Werbung bei. Und so hat Barop seit Ende August 2014 wieder einen klassischen Nahversorger. „Jetzt kommt es darauf an, ob die Menschen, die sich so vehement für ein Lebensmittelgeschäft in ihrem Stadtteil engagiert haben, auch kommen und kaufen“, weiß Delifer. Dafür will er sich mit seinen zehn Mitarbeitern (sechs in Vollzeit, vier in Teilzeit) kräftig ins Zeug legen.


Delifer bringt seine persönliche Note ein, die sich vor allem in einem umfangreichen türkischen und internationalen Sortiment spiegelt. 90 Prozent seiner Ware bezieht er aber über den Lüning-Großhandel. Das sind rund 7.000 Artikel auf 600 qm angemieteter Verkaufsfläche. „Ein Kaufmann braucht eine gewisse Freiheit“, sagt dazu Lüning-Verkaufsberater Cengiz Inci. Gepaart mit guten Standort-Know-how sorge das dann für den Erfolg. Jetzt müssen die Kunden nur noch kommen – „die ersten Wochen laufen gut“, sagt Delifer, „pro Tag kaufen zurzeit 500 bis 600 Leute.“ Der Durchschnittsbon sei zurzeit noch einstellig, sein Ziel liegt aber klar bei rund 15 Euro. Dabei setzt er auch auf die nahe Universität und die zahlreichen Studentenwohnungen, die sich seit Semesterbeginn füllen und für mehr Kundschaft sorgen werden. Das wird sich durch intensive Bewerbung und eine stärker frequentierte Vorweihnachtszeit entwickeln, sagt Lüning-Chef Phillip Rieländer. Attraktive Werbeangebote, verpackt in dem wöchentlichen Prospekt, bringen den Anwohnern das neue Sortiment nahe. Es sei nie ganz einfach, einen Standort, der viele Monate leer stand, wieder zu beleben, ergänzt Lüning-Bezirksleiter und Verkaufsberater Frank Krogbeumker. Daher muss die Werbetrommel intensiver gerührt werden. Derzeit mit einem wöchentlichen Handzettel in eine 3.000er Auflage. Das Umsatzziel des frischgebackenen Nahversorgers für erste Jahr: 1,5 Mio. Euro.