Interview „Wir müssen unsere Stärken mobilisieren“ – wie Ökonom Fratzscher die Lage bewertet

Hintergrund

Ökonom Marcel Fratzscher spricht im Interview über die wirtschaftliche Lage Deutschlands, die Rolle der Lebensmittelbranche als Frühindikator und warum jetzt vor allem eines gefragt ist: Besinnung auf die eigenen Stärken.

Dienstag, 19. Mai 2026, 07:40 Uhr
Matthias Mahr
Marcel Fratzscher ist ein führender Ökonom in Deutschland. Bildquelle: Florian Schuh

Ist die Lebensmittelwirtschaft ein Frühindikator der wirtschaftlichen Lage?

Ja. Dass viele Menschen anfangen, bei Nahrungsmitteln zu sparen, ist ein besorgniserregendes Zeichen. Wir werden uns noch einige Jahre auf eine Konsolidierung einstellen müssen. Politik und Unternehmen müssen die Weichen stellen, um Produktivität, Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken.

Wo stehen wir momentan?

Die Politik greift zu häufig mit Subventionen sowie Regulierung in die Märkte ein. Die Regulierung muss dringend abgebaut werden. Die hohen Energiepreise werden für zehn Jahre bleiben.

Wie sehen Sie die Gründung von CEO-Allianzen in Deutschland?

Bessere Rahmenbedingungen bei Infrastruktur, Regulierung und Fachkräften sind essenziell, auch für die Lebensmittelbranche. Die Politik muss fairen Wettbewerb sicherstellen und sollte der Transformation nicht im Wege stehen.

Warum ist jetzt „Zeit für Mut“?

Wir Deutschen neigen häufig zu Übertreibungen und befinden uns derzeit in einer mentalen Depression, was die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit betrifft. Wir stehen vor gigantischen Herausforderungen und einer großen Transformation. Gleichzeitig haben wir in den letzten 80 Jahren immer wieder große Krisen und Herausforderungen erfolgreich bewältigt. Wir haben Probleme, aber wir haben auch große Stärken, die wir wieder mobilisieren müssen. Jede Branche, auch die Ernährungsbranche, muss sich hinterfragen und beantworten, wo ihre Stärken liegen und wie sie diese aktivieren kann.