MSC/FOS Kritik an Siegeln

Lebensmittel Praxis | 18. April 2012

Das Geomar-Institut für Ozeanforschung in Kiel hat MSC und FOS zertifizierte Fiscbbestände unter die Lupe genommen und übt jetzt Kritik. „Leider kann man sich auf die Label nicht verlassen", sagt der Fischereibiologe Rainer Froese vom Geomar-Institut.

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Rund 100 MSC- und etwa 30 FOS-zertifizierte Bestände wurden analysiert. Nur etwa die Hälfte der untersuchten Produkte stamme aus nachweislich gesunden Beständen, die nicht zu oft und zu stark befischt wurden. Dennoch rät Froese zum Kauf von Produkten mit MSC- und FOS-Siegel.

Laut Froese hätten MSC und FOS reagiert und einigen Beständen die Zertifizierung entzogen. Dem widersprach allerdings der MSC: Die Entscheidung habe nichts mit der Studie zu tun, sagte die Sprecherin, Gerlinde Geltinger. Der MSC überprüfe seine Standards regelmäßig und kontrolliere, ob das Siegel zu Recht vergeben wurde. „Wir sind offen für Kritik", sagte Geltinger zu den Ergebnissen der Geomar-Studie. Das mäßige Abschneiden des MSC habe aber viel damit zu tun, „dass mit unterschiedlichen Definitionen von Grenzwerten gearbeitet wurde".

Dass der MSC bei der Studie so schlecht abschneidet, hat Froese zufolge mehrere Gründe: „Wie es dem Fischbestand eigentlich geht, wird bei der Vergabe zu schwach bewertet. Das fließt nur zu rund 8 Prozent ein, sonst geht es vor allem um Verwaltung etc." Außerdem vergebe nicht der MSC selbst das Siegel, sondern überlasse das unabhängigen Firmen, die oft von den Fischereien bezahlt werden und ein Interesse daran haben, dass ihre Klienten das Siegel bekommen, auch wenn der Bestand tatsächlich überfischt ist", kritisierte Froese.

Für die FOS-zertifizierten Produkte hätten oft zu wenig belastbare Informationen vorgelegen, um überhaupt eine Aussage treffen zu können, sagte der Experte. Er forderte: „Die Zertifizierer müssen ihre Kriterien verschärfen und dann auch einhalten. Überfischten Beständen muss das Siegel entzogen werden." Als Beispiel nannte Froese Seelachs aus der Nordsee: „Nach der Zertifizierung schrumpfte der Bestand unter immer stärkerer Befischung. Jetzt ist die Grenze zum Zusammenbruch erreicht, das MSC-Siegel soll aber nicht entzogen werden."