Schweizer Käse SB wird ausgebaut

LEBENSMITTEL PRAXIS | 21. April 2015

Obwohl die Zahl der Schweizer Milchviehbetriebe seit Jahren (2009: 27.000; 2014: 22.500) sinkt, steigt die produzierte Milchmenge stetig an, von 3,29 Mio. kg Milch 2009 auf 3,5 Mio. kg 2014. Davon entfallen knapp 1,5 Mio. kg Milch (ca. 40 Prozent) auf die Käseproduktion (2014: 185.331 t).

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37 Prozent von ihr (ca. 68.000 t) werden exportiert, 82 Prozent davon (56.000 t) in die EU, mehr als die Hälfte wird auf dem deutschen Markt abgesetzt (31.000 t).  Das wurde mit der Umstellung der Schweizer Geldpolitik (Entkopplung des Franken vom Euro am 15. Januar) zum Problem. Denn auf einen Schlag haben sich Schweizer Waren in Deutschland und der EU um 20 Prozent verteuert. Und das, obwohl Schweizer Käse in Deutschland seit Jahren im Preis gestiegen war, z. B. Tête de Moine von 2010 knapp 22 auf 28 Euro das kg 2014, Le Gruyère von 21 auf über 24 Euro, Appenzeller von 19 auf 21 Euro und Emmentaler von 16 auf 20 Euro das kg. Wegen der üblichen Vertragslängen schlägt der 20-Prozent-Aufschlag von Januar erst jetzt auf die Käsepreise in deutschen Supermärkten durch. 

Gegensteuern wollen die Schweizer, indem sie ihr Engagement auf dem EU-Markt zugunsten von Drittmärkten wie den USA und China reduzieren und zusätzlich auf dem deutschen Markt SB- und Prepack-Angebote forcieren. Diese Abkehr ihrer bisherigen Strategie mit dem Fokus auf die Bedientheke begründete Andreas Müller, Geschäftsführer der Switzerland Cheese Marketing,  auch mit dem Verbraucherverhalten in Deutschland: Der Umsatz an den Käsetheken sei abermals zugunsten von SB zurückgegangen (11 zu 89 Prozent).
Der Absatz an deutschen Käsetheken sei von 2013 zu 2014 um 8, der Umsatz um 4 Prozent gesunken (SB: Absatz +0,9 Prozent, Umsatz +6,3 Prozent). Sorgen haben den Schweizern bereits 2014 ihr Emmentaler (-15 Prozent auf 3.460 t) sowie ihr Tilsiter (-20 Prozent auf 182 t) bereitet. Am besten entwickelte sich Appenzeller (+ 1 Prozent auf 4.151 t), gefolgt von Le Gruyère (+ 4 Prozent auf 3.315 t). Doch auch Tête de Moine (+ 3 Prozent auf 597 t) und Vacherin Fribourgeois (+10 Prozent auf 46 t) konnten zulegen.