Die neue Nestlé-Zukunftsstudie „Wie is(s)t Deutschland 2040?“ zeigt drei grundlegende Entwicklungen: Der Klimawandel beeinflusst Verfügbarkeit, Preise und Produktion von Lebensmitteln. Künstliche Intelligenz entwickelt sich vom einzelnen Werkzeug zu einem steten Begleiter, der Ernährung, Gesundheitsdaten, Einkauf und Alltagsplanung miteinander verbinden kann. Zugleich bekommt Prävention eine neue Bedeutung: Die Menschen möchten vorsorgen und ihre tägliche Ernährung bewusst nutzen, um möglichst lange gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Bei aller Offenheit für Veränderung gibt es bei einem Blick in die Studie eine klare Konstante: Genuss ist nicht verhandelbar. 92 Prozent der Befragten bezeichnen Essen als wichtige Quelle von Genuss. 81 Prozent sagen, Essen sei am schönsten mit anderen. Und 78 Prozent sind überzeugt, dass Essen auch in Zukunft gut schmecken muss.
Handelslandschaft entwickelt sich weiter
In diesem Umfeld entsteht die Zukunft der Ernährung. Daniela Wippler, Head of Consumer and Marketplace Insights & Analytics Nestlé Deutschland, sagte: „Die Studienergebnisse machen deutlich: Ernährung wird künftig vielfältiger, komplexer und stärker zur Frage von Orientierung, Vertrauen und Eigenverantwortung. Darin liegen Herausforderungen, aber auch Chancen, Ernährung der Zukunft aktiv mitzugestalten und Menschen in ihren Bedürfnissen zu unterstützen.“
Wippler erläuterte ebenfalls, dass sich die Handelslandschaft voraussichtlich weiterentwickeln werde. So könnten sich 49 Prozent der Befragten vorstellen, autonome Stores zu nutzen. 46 Prozent der Verbraucher bleibt Einkaufserlebnis und Inspiration beim Einkaufen wichtig. 33 Prozent sehen im Handel einen guten Berater für personalisierte Ernährung.
Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland: „Wir wollen die Ernährung von morgen so mitgestalten, dass sie gesünder, widerstandsfähiger und alltagstauglicher wird, ohne das zu verlieren, was gutes Essen ausmacht, nämlich Freude, Genuss und Verbindung. Neue Lösungen müssen sich daran messen lassen, ob sie Geschmack, Lebensqualität und Gemeinschaft erhalten und gleichzeitig auf veränderte Realitäten und Bedürfnisse einzahlen.“
Verständnis nachhaltiger Ernährung ändert sich
Der Klimawandel wird für die Menschen vom abstrakten Zukunftsrisiko zu einer konkreten Einflussgröße auf dem Teller. 65 Prozent erwarten, dass Klimawandel und Krisen Lebensmittel knapper, teurer und anfälliger für Lieferengpässe machen werden. 55 Prozent rechnen damit, dass Menschen ihr Essverhalten an Klimafolgen und Verfügbarkeiten anpassen müssen. 43 Prozent könnten sich vorstellen, alternative Produkte zu nutzen, wenn klassische Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Getreide knapp werden. Ebenso viele sind offen für Lebensmittel aus neuen Rohstoffen, beispielsweise fermentierte Proteine oder Algen.
Damit verändert sich auch das Verständnis nachhaltiger Ernährung. Im Mittelpunkt steht weniger die Frage, ob Ernährung Ausdruck einer bestimmten Haltung ist. Wichtiger wird, ob Lösungen im Alltag funktionieren und dazu beitragen, Versorgung, Qualität und Bezahlbarkeit zu erhalten. 68 Prozent sagen, dass sich nachhaltige Ernährung nur durchsetzen wird, wenn entsprechende Angebote bezahlbar, verfügbar und attraktiv sind. Möglichkeiten für neue, nachhaltigere Wege in der Landwirtschaft sehen 71 Prozent.
Gesundheit als Aufgabe persönlicher Zukunftssicherung
Diese Verschiebung zeigt sich auch im Vergleich mit der Nestlé-Zukunftsstudie aus dem Jahr 2015, die auf das Jahr 2030 blickte. Damals erschien nachhaltige Ernährung stärker als moralische Werteentscheidung und Ausdruck des persönlichen Lebensstils. 71 Prozent der Befragten rechnen mit einer Zukunft, die vom Klimawandel und einem pragmatischen Umgang damit geprägt ist.
Gesundheit wird zunehmend eine Aufgabe der persönlichen Zukunftssicherung. Gesund zu essen ist damit nicht länger nur ein guter Vorsatz, sondern wird Teil langfristiger Vorsorge und Selbstwirksamkeit. Bereits heute sagen 67 Prozent: „Ich sollte mich gesünder ernähren.“ 68 Prozent erwarten, dass mentale Gesundheit künftig weiter an Bedeutung gewinnt. 44 Prozent glauben, dass viele Menschen ihre Ernährung im Jahr 2040 gezielt darauf ausrichten werden, körperlich und mental leistungsfähig zu sein.
Akzeptanz personalisierter Ernährung wächst
Parallel wächst die Akzeptanz personalisierter Ernährung. 37 Prozent sehen darin ein wichtiges Instrument für den Erhalt der eigenen Gesundheit. 78 Prozent empfinden eine Zukunft mit einem starken Fokus auf individuelle Prävention als fortschrittlich. Statt allgemeiner Empfehlungen für alle erwarten die Menschen zunehmend Lösungen, die persönliche Bedürfnisse, Lebensphasen und verfügbare Gesundheitsinformationen berücksichtigen. Dabei muss Gesundheitsvorsorge in den Alltag passen. 40 Prozent geben an, dass ihnen häufig die Zeit fehlt, sich so zu ernähren, wie sie es gerne möchten. 54 Prozent sind überzeugt, dass Spritzen oder Tabletten zur Gewichtsregulation künftig von mehr Menschen genutzt werden. Als Teil der alltäglichen Routine können sich 34 Prozent der Befragten vorstellen, Vorsorgeuntersuchungen an Gesundheitsstationen im Handel zu nutzen.
Aufgeschlossen für KI als Ernährungsberater
46 Prozent befürworten KI als persönlichen Ernährungsberater. 42 Prozent würden in Zukunft KI nutzen, um Gesundheitsdaten auszuwerten und daraus Empfehlungen abzuleiten. 34 Prozent nutzen KI bereits heute bei ihrer Kaufentscheidung. Die Akzeptanz beruht damit nicht allein auf Technologiebegeisterung, sondern auf dem Versprechen: weniger Aufwand, bessere Orientierung und stärker an persönlichen Bedürfnissen ausgerichtete Vorschläge. Gleichzeitig gibt es aber auch Skepsis: 40 Prozent befürchten Kontrollverlust und Fremdbestimmung durch KI. 43 Prozent lehnen humanoide Roboter ab, die zu Hause selbstständig kochen. 38 Prozent möchten keine implantierten Sensoren nutzen, die dauerhaft Körperdaten erfassen.
Die Menschen begrüßen Unterstützung, wollen aber nachvollziehen können, auf welcher Grundlage Empfehlungen entstehen und selbst entscheiden, welchem System sie vertrauen. Transparenz, Datensicherheit und Wahlfreiheit werden deshalb zu zentralen Voraussetzungen. Dabei sind jüngere Menschen eher bereit als ältere, Entscheidungen an verlässliche Systeme abzugeben, die sie für vertrauenswürdig halten.
Genuss und Gemeinschaft bleiben prägend
Genuss und Gemeinschaft als Zukunftsentwurf bleiben ein zentraler Maßstab für 69 Prozent der Befragten. Auch in einer stärker von Gesundheit, Technologie und Klimafolgen geprägten Ernährungszukunft müssen Geschmack und gemeinsame Erlebnisse ihren Platz behalten.
Aus den Ergebnissen der Studie leitet Nestlé-Chef von Maillot drei zentrale Handlungsfelder ab: Gesundheitliche Orientierung solle nicht zu Überforderung führen. Nestlé arbeitet über das gesamte Portfolio fortlaufend an verbesserten Rezepturen und verständlicher Orientierung etwa mit Portionshinweisen, zusätzlichen Nährwertinformationen und dem Nutri-Score. Es würden mehr Zutaten wie Vollkorn, Gemüse und Ballaststoffe berücksichtigt. Zugleich seien weniger Salz, Zucker und gesättigte Fettsäuren für Nestlé ein großes Thema, so von Maillot. In Sachen Gesundheit werde dabei nicht nur an Menschen, sondern auch an die Bedürfnisse von Haustieren gedacht.
Resilienz und Versorgungssicherheit stärken
Ein weiteres Handlungsfeld: Resilienz und Versorgungssicherheit müssten gestärkt werden. Wenn Klimafolgen die Verfügbarkeit und Preise von Rohstoffen veränderten, würden widerstandsfähige Landwirtschaft und stabile Lieferketten umso wichtiger. Weltweit stammen nach Zahlen des Nestlé-Chefs bereits 20,7 Prozent von Nestlés zentralen Rohstoffen von Betrieben, die regenerative Praktiken anwenden. Beispiel: 53 Prozent des Grünkaffees stammen von Farmen, die regenerative Praktiken anwenden.
„Auch neue Zutaten, alternative Produkte und pflanzenbasierte Angebote können dazu beitragen, mit knapper werdenden Rohstoffen umzugehen und den Wandel zu einem resilienteren und nachhaltigeren Ernährungssystem zu fördern.“
Nestlé will auch in der KI‑Welt sichtbar bleiben
Letztes Handlungsfeld: Technologie solle dort eingesetzt werden, wo sie Menschen unterstützt. Nestlé arbeitet nach den Ausführungen von Alexander von Maillot daran, dass Marken, Produkte, Rezepte, Ernährungsempfehlungen und andere wissenschaftlich fundierte Informationen auch in einer KI-geprägten Informations- und Einkaufswelt sichtbar bleiben, korrekt verstanden und zuverlässig wiedergegeben werden können.
Für die Zukunftsstudie „Wie is(s)t Deutschland 2040?“ hat Nestlé gemeinsam mit der Marktforschungsagentur Bonsai Research und Zukunftsforscher Peter Wippermann unter Einbezug der Expertise von 14 Fachleuten aus Trendforschung, Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft, Handel und Gesellschaft sowie Verbrauchern fünf gleichwertige und plausible Zukunftsbilder entwickelt. Anschließend wurden diese im Rahmen einer repräsentativen Online-Befragung im April 2026 von 1.581 Menschen in Deutschland bewertet.
In den gezeichneten Zukunftsbildern sind die drei Megakräfte unterschiedlich stark ausgeprägt. Dazu gehören genussvolle und gemeinschaftliche Esskultur (Genuss und Gemeinschaft), individuelle Gesundheitsvorsorge (Preventive Health), pragmatische Ernährung unter Klimadruck (Klimarealismus), weitgehend automatisierte Convenience (Seamless Convenience) sowie technologiegestützte Leistungsoptimierung (Bio-Hacking). Die Zukunftsentwürfe können sich überschneiden und je nach Lebenssituation und Bedürfnissen unterschiedlich relevant werden. Die aktuelle Untersuchung knüpft an die Nestlé-Zukunftsstudie aus dem Jahr 2015 an, die auf die Ernährung im Jahr 2030 blickte.