UTP-Richtlinie Handel lehnt schärfere Regulierung von Vertragsverhandlungen ab

Der Handelsverband Deutschland wendet sich gegen Pläne, die Vertragsverhandlungen zwischen Lebensmittelindustrie und Einzelhandel stärker zu regulieren. Der Verband beruft sich auf eine Studie, die zeige: Höhere Profite bei Konzernen wie Nestlé oder Unilever kämen nicht bei den Landwirten an. Stattdessen drohen steigende Preise für Verbraucher.

Mittwoch, 04. November 2026, 15:41 Uhr - Strategien
Manuel Glasfort
Verhandlungen in der Lebensmittelbranche zwischen Herstellern und Handel werden hart geführt. Doch ein stärkeres Eingreifen der Politik ruft Widerstand hervor. Bildquelle: Getty Images

Der Handelsverband Deutschland (HDE) wehrt sich gegen Bestrebungen auf europäischer Ebene, die Vertragsverhandlungen zwischen Lebensmittelindustrie und Einzelhandel stärker zu regulieren. Eine Studie im Auftrag des Verbandes kommt zu dem Ergebnis, dass eine Ausweitung der europäischen Richtlinie zu unfairen Handelspraktiken (UTP-Richtlinie) nicht die Lage der Landwirte verbessert. Dies teilte der Verband mit.

In der politischen Debatte fordern einzelne Interessengruppen, dass künftig auch multinationale Industrieunternehmen unter den Schutzschirm der UTP-Richtlinie fallen sollen. Davon wären Konzerne wie Unilever, Nestlé oder Coca-Cola betroffen. Die Vertragsverhandlungen des Handels mit diesen Weltkonzernen würden damit massiv zugunsten der Industrie beeinflusst, heißt es in der Mitteilung. Die Befürworter der Regulierung gehen davon aus, dass steigende Profite bei der Großindustrie an die Landwirte weitergegeben würden.

Die Studie der Unternehmensberatung Düsseldorf Competition Economics kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis. „In unserer Studie wird deutlich, dass ein solch allgemeiner, verlässlich zugunsten der Landwirtschaft wirkender Kaskadeneffekt nicht zu erwarten ist. Das ist ökonomisch nicht plausibel“, zitierte der Verband den Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap in der Mitteilung. Haucap ist Gründungsdirektor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Soll die wirtschaftliche Situation landwirtschaftlicher Erzeuger gezielt verbessert werden, sollten Maßnahmen möglichst unmittelbar und ausschließlich bei den landwirtschaftlichen Betrieben ansetzen, so Haucap weiter.

Handelsverband fordert Fokus auf direkte Lieferbeziehungen

Der Handelsverband fordert, dass sich die UTP-Richtlinie auf die direkten Lieferbeziehungen der Landwirte konzentrieren muss. Der Einzelhandel bezieht seine Waren nur in sehr wenigen Fällen direkt von den Landwirten, meist sind weiterverarbeitende Betriebe wie Molkereien oder verarbeitende Industrien dazwischengeschaltet. „Die Mär vom Kaskadeneffekt ist auserzählt. Kein Landwirt profitiert von einer Stärkung der Verhandlungsposition von Industrieunternehmen“, zitierte der Verband seinen Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Genth warnte zudem vor steigenden Verbraucherpreisen. Wenn der Handel in seinen Verhandlungen mit Herstellern durch neue Regulierung eingeschränkt wird, kann die Industrie ihre Margen verbessern, so Genth. Am Ende werde sich das auch in den Regalen bemerkbar machen. 

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