BVE-Halbjahresbilanz Ernährungsindustrie muss Umsatzeinbußen verkraften

Die deutsche Ernährungsindustrie steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Umsätze der Branche um 2,3 Prozent zurück – trotz eines leichten Umsatzplus. Das zeigt die Halbjahresbilanz der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Mittwoch, 28. Oktober 2026, 11:32 Uhr
Thomas Klaus
Die deutsche Ernährungsindustrie arbeitet unter schwierigen Umständen: Sinkende Verkaufspreise treffen auf anhaltend hohe Produktions- und Standortkosten und belasten zunehmend die Ertragslage der Unternehmen. Bildquelle: Getty Images

Die deutschen Lebensmittelhersteller haben mit Gegenwind zu kämpfen: Sinkende Verkaufspreise treffen auf anhaltend hohe Produktions- und Standortkosten und belasten zunehmend die Ertragslage der Unternehmen. Das zeigt die Halbjahresbilanz der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Die Branchenvertretung fordert deshalb deutlich verbesserte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, damit die Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig gesichert wird. 

Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete die deutsche Ernährungsindustrie einen Umsatz von 115,8 Milliarden Euro und damit rund 2,7 Milliarden Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Während die Inlandsumsätze um 2,4 Prozent zurückgingen, sanken die Auslandsumsätze um 2,1 Prozent.

Dabei entwickelte sich der Absatz mit plus 0,9 Prozent leicht positiv, wobei das Bild zweigeteilt war: Im Inland blieb die abgesetzte Menge mit einem Rückgang von 0,1 Prozent nahezu unverändert, während sie im Ausland um 2,5 Prozent zunahm. Die rückläufigen Umsätze sind somit vor allem auf gesunkene Verkaufspreise zurückzuführen. Im Inland reduzierten sich diese um 2,3 Prozent, im Ausland sogar um 4,5 Prozent.

Marcel Winter, Leiter des Brüsseler Büros von der BVE und Verantwortlicher für Marktdaten und Konjunktur, analysiert: „Die Unternehmen müssen in einem von Kaufzurückhaltung und intensivem Preiswettbewerb geprägten Marktumfeld deutliche Preisabschläge hinnehmen, um ihre Waren in einer ähnlichen Menge veräußern zu können. Gleichzeitig bleiben die Kosten für Energie, Personal und Produktion auf einem hohen Niveau. Die Folge ist ein zunehmender Druck auf die Gewinnmargen, der die finanziellen Spielräume für Investitionen und Modernisierungen einschränkt.“

Winter: Zahlen zeichnen beunruhigendes Bild

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeige zudem, vor welchen strukturellen Herausforderungen die Ernährungsindustrie stehe. So weise die heimische Lebensmittelproduktion über die vergangenen zehn Jahre einen rückläufigen Trend auf. Der Produktionsindex, welcher die Produktionsleistung abbildet, befindet sich nach BVE-Angaben in den letzten 10 Jahren in einem negativen Trend. Die Entwicklung unterstreicht aus Sicht des Verbandes die Bedeutung wettbewerbsfähiger Standortbedingungen, damit Lebensmittel auch künftig wirtschaftlich in Deutschland produziert werden könnten.

Winter sagt: „Die aktuellen Zahlen zeichnen ein beunruhigendes Bild. Wir produzieren auf lange Sicht immer weniger in Deutschland, und in den vergangenen sechs Monaten sanken die Umsätze merklich. Diese Kombination aus schrumpfender Inlandsproduktion und akuten Umsatzeinbußen geht zunehmend an die wirtschaftliche Substanz der Betriebe..“

Aus Sicht der BVE ist die Politik daher gefordert, die Wettbewerbsfähigkeit der Ernährungsindustrie konsequent zu stärken. Neben einer dauerhaften Entlastung bei Energie- und Standortkosten seien insbesondere der Abbau bürokratischer und regulatorischer Belastungen sowie der Verzicht auf zusätzliche steuerliche Belastungen notwendig.