Gibt es Länder, die aus Ihrer Sicht sehr innovativ sind? Die hervorstechen?
Sonja Meise: Definitiv! Die USA sind für mich ganz vorne mit dabei, vor allem wenn es um Start-ups im Food-Bereich geht. Wer schon mal in einem Whole Foods war, weiß, was ich meine: Da stehen Produkte im Regal, die man hier teils noch nie gesehen hat. Kakaowasser aus der Kakaopulpe? Probiotisches Salatdressing? Klingt verrückt, ist aber oft richtig spannend – und natürlich immer irgendwie „healthy“. Auch Länder wie Singapur und Israel sind echte Innovations-Hotspots, besonders im Food-Tech-Sektor. In Supermärkten sieht man das dort nicht immer sofort, aber wenn man ein bisschen recherchiert, stößt man auf viele spannende pflanzenbasierte Entwicklungen. Und was Geschmacksexperimente angeht, vor allem bei Snacks, Chips oder Tiefkühlprodukten, sind Asien und die USA ohnehin kaum zu toppen. Da wird einfach viel mutiger ausprobiert.
Wie innovativ sind deutsche Supermarktregale aus Ihrer Sicht?
Da hat sich echt was getan in den letzten Jahren. Die deutsche Food-Start-up-Szene ist richtig lebendig geworden. Wer auf Messen wie dem Food Innovation Camp in Hamburg unterwegs ist, sieht schnell: Hier brodelt’s! Auch die großen Marken sind experimentierfreudiger geworden – vor allem in Kühlregalen, bei Snacks oder Süßigkeiten merkt man, dass Innovation mittlerweile einen festen Platz hat. Es ist cool zu sehen, dass sich auch im klassischen Lebensmitteleinzelhandel etwas bewegt.
Welche Produktkategorien stechen für Sie hervor – im In- und Ausland?
Vor allem im Ausland merkt man ganz deutlich den Fokus auf funktionale Snacks und Drinks. Produkte mit Health-Benefits – zum Beispiel Probiotika, pflanzliche Proteine, Adaptogene – stehen dort weit oben. Und auch hierzulande entwickelt sich das in eine ähnliche Richtung. Der Protein-Hype war nur der Anfang. Ich könnte mir gut vorstellen, dass als Nächstes Themen wie Kollagen und Darmgesundheit richtig durchstarten. Das einzige Problem ist nur, dass solche Produkte oft teuer sind und es sich die meisten nicht leisten können und wollen.
Welche Trends oder Produktskills beobachten Sie – in Deutschland und international?
Klar, auf den Social-Media-Kanälen sind es oft die richtig abgefahrenen Produkte, die gehypt werden. Schrille Süßigkeiten, bunte Drinks, Fast Food mit Wow-Effekt. Und die Gen Z feiert das total. Aber parallel dazu sehen wir, dass auch viele gesunde Produkte viral gehen, oft in Verbindung mit cleverem Storytelling. Kefir ist zum Beispiel gerade wieder total angesagt, und das zeigt: Gesundheit, vor allem Darmgesundheit, wird immer mehr zum Lifestyle-Thema. Was letztlich zählt? Der Mix aus „trendy“, „healthy“ und einer guten Portion Entertainment. Wenn es catchy ist, geht’s auch viral. Und dann spielt auch der Preis des Produktes oft keine Rolle mehr, denn die Generation „Me, Me, Me“ möchte gesehen und gelikt werden.
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