Rewe/Unilever Handels- oder Herstellermacht?

Sonja Plachetta | 06. Juni 2013
Rewe/Unilever: Handels- oder Herstellermacht?

Bildquelle: Fotolia

Die Rewe Group hadert derzeit mit dem Unilever-Konzern. Der Streit dreht sich um eine Butter, genauer um eine Preiserhöhung derselben. Weil es bisher zu keiner Einigung kam, liefert Unilever derzeit den Artikel „Du darfst - Leichte Butter 39% Fett" nicht mehr an Rewe.

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Unilever hat mit dem Hinweis auf gestiegene Abgabe-Preise für Butter den Preis für den Artikel „Du darfst - Leichte Butter 39% Fett", 250g, um einen zweistelligen Prozentsatz erhöht. Da dieses Produkt streng genommen keine Butter ist, würde die Preiserhöhung umgerechnet auf den im Artikel enthaltenen Butteranteil eine noch deutlichere Preiserhöhung bedeuten.

Laut der Süddeutschen Butter- und Käse-Börse sind die Butterpreise (Blockbutter, Deutsche Markenbutter lose) zuletzt im Durchschnitt deutlich gestiegen: von knapp 3,60 Euro auf knapp 4,10 Euro pro kg. Noch vor einem Jahr lag dieser Preis bei nur 2,50 Euro pro kg. Das sagt natürlich wenig über die Bezugspreise von Unilever aus, umso mehr aber über die Schwankungen der Marktpreise. Die Abgabepreise an Weiterverarbeiter ändern sich in der Regel auch schneller als z.B. die Butterpreise für Endverbraucher, weil hier meist längerfristige Kontrakte des Lebensmittelhandels vorliegen. Die Einflussfaktoren auf den Preis sind vielfältig: Verfügbarkeit, Milchspitzen, Verwertungsmöglichkeiten für Erzeuger, Exporte etc.

Der Rewe-Konzern bot nach Informationen der LEBENSMITTEL PRAXIS jedenfalls offenbar dem Konzernriesen Zustimmung zu einer Preiserhöhung an, die aber geringer, nämlich nur in Größenordnung der tatsächlich gestiegenen Rohstoffkosten, liegen sollte. Dies soll Unilever kategorisch abgelehnt haben. Am vergangenen Freitag soll Unilever dann dem Handelskonzern einen Lieferstopp angekündigt haben. Seit Montag liefert das Unternehmen Unilever „Du darfst - Leichte Butter 39% Fett", 250g, nicht mehr an die Rewe Group. Betroffen sind Rewe-Filialen, selbstständige Rewe-Händler, Toom und auch die Großhandlung der Rewe Dortmund. Der Unilever-Konzern wollte gegenüber der LEBENSMITTEL PRAXIS dazu keinen Kommentar abgeben, betont aber, dass es zu Geschäftsverhältnissen mit Abnehmern generell keine Kommentare gebe. Auch die Rewe hält still.

Wie lange die Vorräte für das Produkt bei der Rewe vorhalten, kann derzeit niemand sagen. Aber auch wenn die Fronten derzeit verhärtet erscheinen: Solche Fälle sind als Muskelspiele bekannt, und eine Einigung liegt sicher im Bereich des Möglichen.