Milchpreise / Agrarminister Marketingcoup der Discounter

LEBENSMITTEL PRAXIS | 12. November 2015

Agrarminister Till Backhaus (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) hält nach der Reaktion des Handelsverbandes Deutschland (HDE) seine Kritik an der Milchpreispolitik der Discounter aufrecht. „Ich glaube, hier stimmt das Sprichwort ‚Getroffene Hunde bellen‘“, wird der Minister zitiert. Er reagierte damit auf einen Brief von HDE-Präsident Josef Sanktjohanser an ihn.

Anzeige

Die jüngsten Preiserhöhungen bei Trinkmilch hatte Backhaus als Marketingcoup der Discounter bezeichnet. Bei den Milchbauern komme kein einziger Cent davon an. Sanktjohanser wies die Verantwortung dafür zurück. „Wir möchten mit Nachdruck der These entgegentreten, die Lebensmittelpreise des Einzelhandels seien für die existenziellen Probleme der Bauern verantwortlich“, erklärte er in dem zwei Seiten langen Schreiben. Die Verantwortung liegt seiner Meinung nach bei der Milchwirtschaft. Die aktuell wieder steigenden Milchpreise würden von den Molkereien nicht an die Bauern weitergereicht.

Backhaus blieb bei seiner Meinung: Der Vergleich der Gewinnmargen von Landwirten, Molkereien und der großen Lebensmitteleinzelhändler zeige, „wer täglich Geld verliert, wer die rote Null hat und wer millionenschwere Gewinne einfährt“. Die Preise für Milcherzeuger sind derzeit im Keller. Gründe dafür sind laut Backhaus neben dem Überangebot auch die schwache Nachfrage in China und das Exportverbot nach Russland. Für 1 kg Milch erhielten die Bauern im August 2014 im Bundesdurchschnitt 37,1 Cent, im August 2015 nur noch 27,8 Cent. Im September gab es in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt 26,1 Cent. Der Trend zeige trotz der Milchpreiserhöhung im Handel weiter abwärts.