Bundeskartellamt Beklagt Handelskonzentration

LEBENSMITTEL PRAXIS | 25. September 2014

Aldi, Lidl, Edeka und Rewe - das Bundeskartellamt ist beunruhigt wegen der zunehmenden Marktmacht der „großen Vier“ im deutschen LEH. 85 Prozent des Absatzes halten demnach die vier Firmen derzeit und expandieren weiter. Die Situation sei „besorgniserregend“,  sagt Kartellamtschef Andreas Mundt.

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Missbrauch sieht die Wettbewerbsbehörde etwa nach der Übernahme der Plus-Filialen durch Edeka 2009. Danach habe der Marktführer zahlreiche Lebensmittelhersteller zu Nachverhandlungen aufgefordert und erhebliche sogenannte Hochzeitsrabatte verlangt, lautet der Vorwurf des Kartellamtes. Diesen Rabatten nach der Übernahme habe keine Leistung gegenübergestanden. Edeka wehrt sich gerichtlich gegen die Vorwürfe.

Drei Jahre lang hat das Bundeskartellamt die Marktmacht der Ketten und das Marktverhalten der Branche untersucht: Erst in ausgewählten Produktgruppen von Tiefkühlpizza über Kaffee, Ketchup bis zu Milch und Konserven, danach per Befragung von über 200 Lebensmittelherstellern und 21 Handelsunternehmen.

Von Handelsseite kommt jedoch Kritik an der Studie. Edeka bezeichnet die Untersuchung als „gründlich misslungen“. Ein kleiner und nicht repräsentativer Ausschnitt ergebe kein richtiges Bild des ganzen Sektors, wird argumentiert. Der scharfe Wettbewerb auf den Absatzmärkten werde vollständig ausgeblendet. Auch die Verbraucherzufriedenheit bleibe in der Untersuchung unberücksichtigt.

Das Kartellamt sieht jedoch Gefahren in der Marktentwicklung. „Der Lebensmitteleinzelhandel ist hochkonzentriert. Die Marktstruktur droht sich noch weiter zu verschlechtern“, resümiert die Aufsichtsbehörde. Preisdruck des mächtigen Handels auf die Lieferanten sei eine zweischneidige Sache, mahnt der Kartellamtschef. Er könne zwar im Einzelfall für niedrigere Preise sorgen - falls die Rabatte weitergegeben werden - auf Dauer gehe das aber auf die Qualität der Produkte. Außerdem wachse die Abhängigkeit der Hersteller mit geringeren Einnahmen immer mehr.

Europaweit ist die Konzentration des Lebensmittelhandels ein großes Thema. Anfang Oktober veröffentlicht die EU eine eigene Untersuchung. Diskutiert wird in Brüssel, ob eine Selbstregulierung reicht oder gesetzliche Schranken nötig sind. Das Bundeskartellamt hält dagegen das deutsche Wettbewerbsrecht für ausreichend. Bei den vier Großen würden wegen ihrer Marktmacht aber künftig besonders strenge Kriterien angelegt, kündigte Mundt an.