Proveg-Analyse Handel geht bei Strategien für pflanzlichen Absatz voran

Im Lebensmitteleinzelhandel und im Contract-Catering sind konkrete Ziele zur Steigerung des Absatzes pflanzlicher Produkte bereits verbreitet. In der Lebensmittelproduktion, der Systemgastronomie und im Eigenregie-Catering sind entsprechende strategische Vorgaben öffentlich bislang weniger sichtbar. Das zeigt eine neue Branchenanalyse der Ernährungsorganisation Proveg.

Dienstag, 13. Oktober 2026, 12:04 Uhr
Thomas Klaus
Viele Lebensmittelhändler arbeiten daran, den Absatz pflanzlicher Produkte zu steigern. Bildquelle: Mirco Moskopp

Eine neue Analyse der Ernährungsorganisation Proveg untersucht auf Grundlage öffentlich kommunizierter Unternehmensdaten aus dem Zeitraum von Januar 2020 bis Juli 2026 die strategischen Maßnahmen und Ziele von 32 Akteuren aus Branchen, die die Ernährung im Alltag maßgeblich prägen. Dazu zählen die Lebensmittelproduktion, der Einzelhandel sowie die Gastronomie mit Systemgastronomie, Contract- und Eigenregie-Catering. Das Ergebnis sei eindeutig: Maßnahmen gebe es viele, konkrete Ziele bislang jedoch wenige.

Branchenübergreifend konzentrierten sich die untersuchten Unternehmen vor allem auf Produkt- und Kommunikationsmaßnahmen. Wenn sie strategische Ziele formulierten, beträfen diese überwiegend den Sortimentsanteil pflanzlicher Produkte. Dieser bildet ab, wie groß das pflanzliche Angebot ist. Der „Protein-Split“ erfasst dagegen das Verhältnis der Verkaufsmenge von pflanzlichen Proteinen zu tierischen Proteinen. Umsatzziele wiederum beziehen sich auf die wirtschaftliche Entwicklung pflanzenbasierter Produkte.

Portfolioanalyse fehlt in vielen Fällen

Ein Großteil der untersuchten Unternehmen erfasse die eigene Ausgangslage noch nicht erkennbar systematisch, berichtet Projektleiterin Debora Schweinsberg. Eine gezielte Portfolioanalyse helfe dabei, den Status quo zu bestimmen, Absatzpotenziale aufzudecken, konkrete Ziele zu setzen und passende Maßnahmen datenbasiert zu steuern. „Taktgeber, die gezielt datengestützt vorgehen, sind branchenübergreifende Vorbilder und können viel Dynamik erzeugen“, glaubt Schweinsberg.

Vorreiter aus allen Branchen nutzten Schweinsberg zufolge bereits messbare Zielgrößen: Im Einzelhandel setzten Lidl und die Rewe Group auf konkrete Vorgaben für den Protein Split, während Aldi Süd ein Ziel für den Sortimentsanteil verfolge. Im Contract-Catering definierten Apetito Catering, Aramark, Klüh Catering und Sodexo ebenfalls Ziele für den Sortimentsanteil.

Die Lebensmittelproduzenten PHW-Gruppe und Premium Food Group (vormals Tönnies) bezögen ihre Ziele auf den Umsatz mit pflanzenbasierten Produkten. Valora in der Systemgastronomie sowie Audi, DB Gastronomie und Mercedes-Benz im Eigenregie-Catering formulierten dagegen Ziele für den Sortimentsanteil.

Der Lebensmitteleinzelhandel verbinde in seiner öffentlichen Kommunikation messbare Ziele, konkrete Maßnahmen und regelmäßige Berichterstattung besonders systematisch, sagt die Proveg-Expertin.

Steigerung des pflanzlichen Absatzes gehört auf die Managementebene

Auch Contract-Caterer setzten im operativen Alltag bereits viele Maßnahmen um. Über messbare Fortschritte berichteten sie bislang jedoch selten. Die Systemgastronomie baue ihr Angebot ebenfalls aus und schaffe mit aufmerksamkeitsstarken Kampagnen Sichtbarkeit für pflanzliche Optionen. Öffentlich bette sie diese Schritte jedoch kaum in strategische Ziele ein, heißt es in der Analyse.

Die Lebensmittelproduktion konzentriere sich nach Einschätzung von Proveg auf punktuelle Produktinnovationen. Eigenregie-Caterer erweiterten zwar ihr pflanzenbasiertes Angebot, integrierten dies öffentlich jedoch selten in strategische Ziele. Messbare Ziele und regelmäßig erfasste Fortschritte bildeten dabei eine belastbare Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung.

„Die Steigerung des pflanzlichen Absatzes gehört auf die Managementebene“, folgert Schweinsberg. „Die Betriebskantine zum Beispiel ist weit mehr als ein reiner Versorgungsbetrieb. Sie sollte fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie sein.“

Besonderes Handlungspotenzial böten nach Ansicht von ProVeg Instrumente, über deren Nutzung Unternehmen bislang selten berichteten. Dazu zählten die Preisgestaltung, Mitarbeiterschulungen sowie die Platzierung pflanzlicher Angebote im Regal und auf der Speisekarte.

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