Jobmarkt driftet auseinander Personaler beklagen Mangel an geeigneten Bewerbern

Fast zwei Drittel der Personalverantwortlichen berichten von zunehmenden Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Laut Xing-Arbeitsmarktreport fehlt es häufig nicht an Bewerbungen, sondern an qualifizierten Kandidaten. Zu hohe Anforderungen und mangelnde Transparenz erschweren das Recruiting zusätzlich.

Dienstag, 13. Oktober 2026, 12:13 Uhr
Thomas Klaus
Auch im Handel gibt es inzwischen Probleme, geeignetes Personal zu finden. Bildquelle: Getty Images

Der neue repräsentative Arbeitsmarktreport der Karriereplattform Xing zeigt: Fast zwei Drittel der befragten Personalverantwortlichen (62 Prozent) berichten, dass es in den vergangenen zwölf Monaten schwieriger geworden ist, offene Stellen zu besetzen – und das trotz gestiegener Arbeitslosenzahlen und einer schwächelnden Konjunktur (eher schwieriger: 51 Prozent, deutlich schwieriger: 11 Prozent).

Nur knapp jedes fünfte Unternehmen (17 Prozent) berichtet von einer Verbesserung. Dabei liegt das Problem häufig weniger in der Zahl der Bewerbungen als in ihrer Passung: Die Hälfte aller befragten Unternehmen (50 Prozent) erhält zwar viele Bewerbungen, darunter aber zu wenige geeignete. Bei 81 Prozent der Unternehmen ist weniger als die Hälfte der eingehenden Bewerbungen über alle ausgeschriebenen Rollen hinweg ausreichend qualifiziert. Das belegt der neue repräsentative Arbeitsmarktreport der Plattform Xing.

Bei der Mehrheit der Unternehmen betrifft die angespannte Lage einen erheblichen Teil der offenen Stellen: Jeder zweite Personalverantwortliche (51 Prozent) gibt an, dass ein Viertel bis die Hälfte der Vakanzen schwer zu besetzen ist, bei weiteren 10 Prozent betrifft das sogar über die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen. Als wichtigste Gründe nennen die Recruiter zu wenige fachlich passende und verfügbare Kandidaten am Markt (45 Prozent), zu wenige Bewerbungen, die tatsächlich zur ausgeschriebenen Rolle passen (37 Prozent) sowie eine Diskrepanz zwischen Gehaltsvorstellungen und vorhandenem Budget (33 Prozent). Auch starker Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern (30 Prozent) und zu spezifische Anforderungen der Fachbereiche (28 Prozent) gehören zu den Hürden.

Besonders Jüngere mit Schwierigkeiten

Gleichzeitig berichten Beschäftigte über zunehmende Probleme bei der Jobsuche: 42 Prozent erleben sie in ihrem beruflichen oder privaten Umfeld schwieriger als früher, nur 15 Prozent als einfacher. Besonders kritisch fällt die Einschätzung bei den 25- bis 34-Jährigen aus: In dieser Altersgruppe sagt die Hälfte (50 Prozent), die Jobsuche sei schwieriger geworden. Frauen (46 Prozent) bewerten die Entwicklung ebenfalls häufiger negativ als Männer (38 Prozent).

„Dass Unternehmen trotz der schwachen Konjunktur über größere Probleme bei der Stellenbesetzung berichten, ist bemerkenswert“, sagt der Xing-Arbeitsmarktexperte Julian Stahl. „Mehr verfügbare Kandidaten und weniger offene Stellen müssten die Lage eigentlich entspannen – paradoxerweise wird sie schwieriger. Unternehmen und Jobsuchende finden nicht zueinander. Und ein Teil dieses Matching-Problems entsteht dort, wo Unternehmen mit zu engen Anforderungen, fehlender Transparenz oder unnötigen Hürden selbst zusätzliche Reibung erzeugen.“

Hohe Anforderungen erschweren Personalsuche

Denn schwer zu besetzende Stellen wirken weit über das Recruiting hinaus – und können weiteren Personalbedarf auslösen. Jeder zweite HR-ler (53 Prozent) berichtet, dass dadurch bestehende Teams höher belastet werden – und knapp jeder Dritte (29 Prozent), dass Mitarbeiter deshalb das Unternehmen verlassen: „ein Recruiting-Teufelskreis“, so Stahl. 39 Prozent sehen darüber hinaus Verzögerungen bei Projekten, jeweils 31 Prozent Einbußen bei Produktivität beziehungsweise Wachstum sowie bei der Qualität der Arbeit.

Hohe Anforderungen erschweren die Personalsuche zusätzlich: Drei Viertel (77 Prozent) der HR-Verantwortlichen stimmen der Aussage zu, dass Fachbereiche häufig unterschätzen, wie schwierig bestimmte Profile am Markt zu finden sind; 28 Prozent nennen zu spezifische Anforderungen der Fachbereiche als einen der Hauptgründe für schwer zu besetzende Stellen.

Bei einem Viertel (26 Prozent) erschweren diese Umstände sogar die Zusammenarbeit zwischen Recruiting und Fachbereichen. „Unternehmen können die Lage auf dem Recruitingmarkt nicht ändern, aber sie können ihren eigenen Anteil daran beeinflussen“, sagt Stahl. „Dazu gehört auch, Anforderungsprofile regelmäßig auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen und Fachbereiche und HR enger zusammenzubringen. Wer nach dem perfekten Kandidaten sucht, den es am Markt kaum gibt, verschärft seine Personalsuche zusätzlich.“

Kontakt mit Bewerbern verbesserungswürdig

Ansatzpunkte gibt es auch beim Kontakt mit potenziellen Bewerbern. In Stellenanzeigen vermissen Jobsuchende vor allem Angaben zu Gehalt (54 Prozent) und Arbeitszeiten (38 Prozent); jeweils rund einem Fünftel fehlen Informationen zu Homeoffice-Möglichkeiten (22 Prozent), zum Team (21 Prozent) sowie zu Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten (21 Prozent). Im Bewerbungsprozess wünschen sich Beschäftigte vor allem Klarheit und Tempo: 51 Prozent erwarten eine schnelle Absage, wenn es nicht passt, 46 Prozent eine persönliche Rückmeldung innerhalb weniger Tage und jeweils 42 Prozent Transparenz über den Status beziehungsweise klare Informationen zu den nächsten Schritten.

Der jährliche Xing-Arbeitsmarktreport wurde im September 2026 zum dritten Mal in Folge vom Marktforschungsinstitut Appinio im Auftrag der Jobbörse unter 2.000 Angestellten (18 bis 65 Jahre, repräsentativ für Alter und Geschlecht) sowie 300 Recruitern in Deutschland im Rahmen einer Online-Umfrage durchgeführt.

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