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Edeka Deutliche Ansage

Sonja Plachetta | 09. Mai 2019
Edeka: Deutliche Ansage
Bildquelle: Edeka

Edeka-Chef Markus Mosa wehrt sich gegen Preisforderungen der Hersteller und will künftig auch mit Fachmärkten wie einem neuen Bio-Format expandieren.

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Künftig wird häufiger nicht mehr Edeka drauf stehen, wo an sich Edeka drin ist. Das wurde bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2018 deutlich. Die charmant verpackte Kampfansage gilt sowohl für Fachmarktbetreiber als auch für Lebensmittelhersteller, denen Edeka-Chef Markus Mosa noch stärker Paroli bieten will.

„Vollsortimenter können Fachmarkt-Kunden nicht mehr ansprechen“, begründete Mosa unter anderem das Engagement der Hamburger bei der Drogeriemarktkette Budni. Unter dem Namen gibt es derzeit zwei von Edeka geführte Filialen. Bis zu 15 sollen es insgesamt noch in diesem Jahr werden, sagte er. Sobald das Konzept gut funktioniere, sollen jährlich 50 weitere Budni-Märkte unter Edeka-Flagge folgen.

Geplant ist darüber hinaus ein Bio-Supermarkt mit Namen „Naturkind“. Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um eine ehemalige Tengelmann-Marke. Der erste Naturkind-Markt soll im Spätsommer in Hamburg-Altona eröffnen, betrieben von einem selbstständigen Edekaner. Zwei bis drei weitere Naturkind-Filialen seien derzeit in Planung, sagte Mosa. Dort soll es keine Edeka-Bio-Ware, sondern ausschließlich Fachhandelsmarken geben. Vorstellbar sei jedoch eine eigene Naturkind-Eigenmarke. Denen, die sich vor solch kleinen Expansionsschritten nicht fürchten, gab Mosa eine Warnung mit auf den Weg: „Am Anfang sind wir langsam, aber wenn wir ins Rollen kommen, nur schwer aufzuhalten.“

Deutlicher als die Fachmarktbetreiber spüren im Moment schon die Lebensmittelhersteller die Kampfbereitschaft der Edeka. Mosa wies zwar darauf hin, dass 75 Prozents des Umsatzes über Markenprodukte generiert wird, und betonte: „Wir sind kein Gegner der Markenartikelindustrie. Wir sind im gleichen Boot.“ Doch er knüpft seine Liebe an eine Bedingung, nämlich „wettbewerbsfähige Preise“. Der Edeka-Chef stört sich daran, dass „Hersteller von der Rohstoffpreisentwicklung unabhängige Preiserhöhungen fordern“. Wenn Finanzinvestoren wie im Fall Heinz Marken übernehmen und der Handel den Kaufpreis durch überhöhte Preisforderungen bezahlen solle, „wehren wir uns aus Überzeugung“, unterstrich er. Die als Heinz-Ersatz kreierte Ketchup-Eigenmarke Papa Joe‘s bewirbt Edeka provokativ mit „Enjoy the Original“. Und Mosa legte nach: „Die Händler haben so viel Ware angefordert. Ich wüsste nicht, wie Heinz da wieder ins Regal kommen sollte.“ Seien Preise nicht nachvollziehbar, gebe es genug Alternativen – von anderen Markenartiklern, von Start-ups, deren Neuheiten Händler unbürokratisch über die Edeka-Plattform Foodstarter bestellen können, oder von Eigenmarken. Um letztere günstiger einzukaufen, könnte die internationale Einkaufsgemeinschaft Agecore Handelsmarkenprodukte künftig europäisch ausschreiben und so günstiger einkaufen, kündigte Mosa an. Auch die Eigenproduktion wollen die Hamburger ausbauen, um mehr Wertschöpfung in die Gruppe zu ziehen. In diesem Jahr werden etwa die Produktionslinien des eigenen Backwarenbetriebs Panem in Thüringen erweitert.

Hinzu komme, dass Edeka massiv in ein attraktives Preisniveau investiert habe, etwa mit einem größeren Gut-und-Günstig-Angebot bei Obst und Gemüse. Durch diese optimierte Wettbewerbsfähigkeit bei Preisen sieht Mosa selbst für den Fall eines Konjunkturrückgangs keine Gefahr für stabile Verkaufserlöse.

2018 stieg der Umsatz des Edeka-Verbunds um 3,2 Prozent auf 53,6 Milliarden Euro – „bei deutlich geringerer Preisentwicklung als im vergangenen Jahr“, wie Mosa konstatierte. Motor des Wachstums waren erneut die selbstständigen Edekaner. Die rund 3.700 Kaufleute lagen mit 27,6 Milliarden Euro Umsatz 4,9 Prozent über Vorjahr. Auf bestehender Fläche überzeugten sie mit einem Plus von 3,6 Prozent, bei stabiler Umsatzrendite. Netto Marken-Discount erzielte 2018 Erlöse in Höhe von 13,3 Milliarden Euro (+ 2,1 Prozent; auf bestehender Fläche: +1,3 Prozent).

In diesem Jahr will der Verbund zwei Milliarden Euro investieren, 1,7 Milliarden Euro entfallen auf die Regionen. Zwei Drittel davon sollen in den Einzelhandel fließen, ein Drittel in Logistik und Produktion.
Edeka wird künftig mehr Fachmärkte betreiben, sagt Chef Markus Mosa.

Edeka hat laut Markus Mosa nichts gegen Marken, greift diese aber mit neuen Eigenmarken an, etwa mit den „All in Fruits“-Smoothies im Glas oder dem Ketchup Papa Joe‘s, der selbstbewusst wirbt mit „Enjoy the original“ (Genieße das Original).