Bildquelle: Hangenfoto / Anna Schnauss, Axel Griesch

Edeka Xpress Im Kleinen erfolgreich

Für Flächen unter 600 Quadratmetern hat die Edeka Südbayern das Format Xpress entwickelt. Es gibt eine Nahversorger-Variante und seit Kurzem auch eine mit separatem Convenience-Lauf. Ein Marktbesuch mit Geschäftsführer Claus Hollinger.

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Claus Hollinger steht am Eingang des Edeka-Xpress-Marktes in der Münchner Karlstraße und beobachtet die hereinkommenden Menschen. Obwohl viele die Eingangsschranke in den Laden gar nicht passieren, wirkt der Geschäftsführer der Edeka Südbayern zufrieden. Denn diese Kunden stellen sich an der Vorkassen- Theke an und sorgen dort für Umsatz. Die Karlstraße ist einer der ersten Xpress-Märkte mit separatem Convenience- Kundenlauf. 2017 waren nach der Tengelmann-Übernahme von den 172 Filialen, die nun zur Edeka Südbayern gehören, rund 50 Märkte mitFlächen bis 600 Quadratmeter zunächst auf das Xpress-Nahversorger- Konzept umgestellt worden. Jetzt folgt der Feinschliff.

Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen alle ehemaligen Tengelmann-Filialen umgebaut werden. 13 waren bereits 2017 an der Reihe, in diesem Jahr folgen 30 weitere. Der Grund für die Millionen-Investition: „Die meisten Märkte verzeichnen bereits eine gute Entwicklung durch die Umstellung auf Edeka. Noch besser sind die Zahlen jedoch nach dem Umbau.“ Laut Hollinger bleiben die meisten Xpress- Märkte Nahversorger, nur etwa 15 bis20 werden mit Convenience-Schwerpunkt neu gestaltet.

So wie die Karlstraße. Seit dem Komplettumbau, für den der Laden zehn Wochen lang geschlossen war, laufen die Kunden an den Kassen und einer Sitzgruppe vorbei direkt auf die Theke zu, deren weiße Blende mit dem Edeka-Slogan „Wir lieben Lebensmittel“ ins Auge fällt. „Die weiße Theke ist filigraner und edler als eine klassische Metzgertheke“, findet der Edeka- Südbayern-Chef. Die Auswahl ist auch größer. Die Mitarbeiter offerieren Backwaren, belegte Brötchen, Snacks, Leberkäse und Co., warme Mittagsgerichte, kalte Getränke sowie Käse- und Wurstspezialitäten. In der Truhe gegenüber gibt es zudem fertige Salate und SB-Grillwürstchen. Eilige Esser müssen so nicht extra durch den 626 Quadratmeter kleinen Xpress-Markt gehen. Der Aufpreis für die Bequemlichkeit ist überschaubar: An der Convenience-Theke kostet zum Beispiel eine 0,5-Liter-Flasche Coca-Cola 1,85 Euro inklusive Pfand. Im Markt gibt es dieses Gebinde nicht. Der Kunde kann dort für die gleiche Menge wählen zwischen zwei 0,25-Liter-Dosen Coca-Cola für insgesamt 1,49 Euro und der 0,5-Liter- Flasche Pepsi für 0,84 Cent.

Für Hollinger ist die Convenience- Theke ein Erfolgsmodell. Der Umsatzanteil mit den von der Tochtergesellschaft Backstube Wünsche geliefertenBackwaren sei dort verdreifacht worden. Auch die Nachfrage nach Speisen zur Mittagszeit sei ungebremst. „Insgesamt gehen in unseren Märkten täglich bis zu 500 Speisen – von der Leberkässemmel bis zum Tagesgericht – über den Ladentisch“, sagt er. Suppen wie die sizilianische Tomatensuppe (für 3,30 Euro) stammen von der Münchner Suppenküche, Tagesessen wie rotes Thaicurry mit Reis (für 5,40 Euro) vom zu Feneberg gehörenden Lieferanten Reiter. Deshalb kann die Edeka in der Karlstraße auf einen Koch verzichten. Die 17 Mitarbeiter, die während des Umbaus für die Arbeit an der Theke geschult wurden, sind außerhalb der Stoßzeiten anderweitig im Markt tätig. Das Essensangebot wird mittels des neuen Gastro- Konzepts präsentiert. Es ermöglicht eine je nach Standort individuelle Auswahl aus neun Modulen, darunter sind Frühstück, Salat, Pizza, Pasta, Suppen und Snacks.

Getestet haben die Gaimersheimer die Theke sowie andere Xpress-Elemente in der Leopoldstraße, einer Hochfrequenzlage in Schwabing. Der zweigeschossige Markt mit gut 1.000 Quadratmetern Fläche – 1953 als erste Tengelmann-Filiale in München eröffnet – firmiert unter Edeka, sieht im Erdgeschoss aber eher wie ein Xpress- Convenience-Markt aus. Wegen zahlreicher Bäcker in der Umgebung gibt es dort weniger Backwaren, dafür aber im Gegensatz zur Karlstraße auch Fleisch in Bedienung. Die Edeka Südbayern hat dort die Frische beim Umbau aus dem Untergeschoss nach oben geholt. Der Lohn: Der Umsatz wächst zweistellig.

Ein solches zweistelliges Plus erreichen nach der Komplettsanierung auch viele Xpress-Nahversorger, zum Beispiel der 572-Quadratmeter-Markt in der Gollierstraße im Westend. Die Kunden legen dort besonderen Wert auf Frische. Das wird schon beim Blick durch das Schaufenster auf die im Vergleich zu den Convenience-Läden deutlich größere Obst- und Gemüseabteilung deutlich. Diese hebt sich außer durch die Xpress-typische grüne Farbgebung durch einen Fußboden in Kopfsteinpflaster-Optik vom Rest des in blau, rot und anthrazit- grau gehaltenen Marktes ab. 18 Prozent Umsatzanteil machen Obst, Gemüse und Blumen dort aus, die Theken 14 Prozent. Dafür ist der Convenience- Anteil geringer als etwa in der Karlstraße.

Beim Umbau passiert auch bei den Nahversorgern viel: In der Gollierstraße wurde zum Beispiel der Kundenlauf auf rechts gedreht, die Kühlschränke aus Platzgründen an den Wänden entlang platziert, Regale zum Teil quer gestellt und mehr Böden eingezogen. So verfügt der Markt über 35 laufende Regalmeter mehr als zu Tengelmann- Zeiten. „Pro Markt haben wir so die Artikelanzahl um 25 Pro-zent erhöht“, erklärt Hollinger. In diesem Jahr eröffnen drei neue Xpress- Nahversorger in den Münchner Stadtteilen Perlach und Neuperlach sowie am Starnberger See. „Dazu planen wir einen weiteren Markt mit dem Schwerpunkt Convenience im Stadtgebiet“, sagt Hollinger.

Er betont aber: „Die Xpress-Flächen sind ein Zusatzgeschäft für uns.“ Der klassische Edeka-Vollsortimenter stehe bei der Expansion klar im Fokus. „Wir dürfen uns nicht auf der Tengelmann- Übernahme ausruhen.“ Ginge es nach ihm, hätten alle Märkte der Edeka Südbayern eine Verkaufsfläche von 1.600 bis 2.000 Quadratmetern, mindestens aber eine von 1.200. „In München kriegen wir aber nicht immer solche Flächen. Da müssen wir die Chancen nutzen, die sich bieten“, sagt er. Das erklärt das neu entfachte Interesse an Kleinflächen.

Xpress-Convenience-Märkte sind nur für Ballungsgebiete wie München geplant, Nahversorger dagegen auch anderswo. Derzeit gibt es in ehemaligen Tengelmann-Filialen, die zu klein für die Edeka-Vertriebsschiene waren, je einen Xpress mit lokalem Logo in Starnberg, Freising, Augsburg und Bad Tölz. „Tengelmann hatte ein und dasselbe Konzept für alle Größen. Das war für uns undenkbar“, erklärt Hollinger. „Die Leistungsfähigkeit vonkleinen Märkten ist einfach eine andere.“ In den drei besuchten Märkten liegt der Durchschnittsbon aktuell zwischen 6 und 11 Euro, es kommen bis zu 2.000 Kunden täglich.

Der Edeka-Südbayern-Chef ist allerdings überzeugt: „In Innenstädten sind Xpress-Flächen profitabel zu betreiben.“ Deshalb sieht er dieses Format zukünftig auch als Option für selbstständige Händler an.