Top 30 Bemühte Verfolger

Langeweile an der Tabellenspitze - so könnte man das Ranking der Top 30 der deutschen Lebensmittelhändler beschreiben. Aber trotz wenig Bewegung: Konzentration und Marktmacht nehmen weiter zu.

Freitag, 09. März 2018, 00:15 Uhr
Reiner Mihr

Gewaltige Marktmacht: die fünf größten Lebensmittel-Handelskonzerne der Republik vereinen fast 75 Prozent der Umsätze im Lebensmittelhandel auf sich. Schon für sich genommen sind Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Aldi und Metro Riesen. Dabei ist der Fünfte im Bunde, die Metro-Gruppe mit nicht mal 14 Milliarden Euro Umsatz, fast schon klein gegen den „Tabellenführer“ Edeka mit zusammen 57 Milliarden Euro Umsatz. Zudem sind auch die kleineren Unternehmen mit den „Großen“ noch vielfältig verbandelt: Wasgau, Lüning oder Budnikowsky als völlig autark zu bezeichnen, könnte man auch als vermessen auslegen.

Für Hersteller und Lieferanten wird das nicht leichter. Gerade die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Edeka und Nestle symbolisiert das wachsende Machtbewusstsein des Handels.

Methodik der Top 30 Lebensmittelhandel Deutschland

Das Ranking der größten deutschen Lebensmittelhandelsunternehmen basiert auf Zahlenmaterial von Nielsen Tradedimensions, Frankfurt. Von Nielsen Tradedimensions geschätzte Umsätze sind mit Stern (*) gekennzeichnet. Ausgewiesen werden im Inland getätigte Bruttoumsätze (inklusive MwSt.) Bei Unternehmen, die nur Nettoumsätze publizieren, wurde auf Brutto hochgerechnet. Die Erlöse von Edeka und Rewe beinhalten die Umsätze des angeschlossenen selbstständigen Einzelhandels (SEH). Bei Unternehmen, deren Geschäftsjahr zum 30. Juni oder 30. September endet, wurden die Umsätze 2016/17 dem Kalenderjahr 2017 zugeordnet.

Gastkommentar von Bettina Gleim, Tradedimensions

Die Top 30
Auch in diesem Jahr zeigt Nielsen Tradedimensions die 2017 in Deutschland erwirtschafteten Umsätze der Lebensmittelhändler im Top 30 Ranking.

Im letzten Jahr hat sich der Rückzug der Tengelmann-Gruppe aus dem Lebensmittelhandel erstmals in den Umsätzen der übrigen Teilnehmer niedergeschlagen. Dennoch ist nicht viel Bewegung unter den Top-Playern der Branche zu erkennen. Die abgegebenen Märkte sind nun verteilt und hauptsächlich bei Edeka und Rewe zu finden. Allein der Nachrücker Chefs Culinar West (Weeze) ist als Neuzugang im Ranking zu verbuchen.

Die 30 größten Lebensmittelhändler in Deutschland konnten 2017 ihren Gesamtumsatz um starke 3,8 % gegenüber dem Jahr 2016 steigern – von 228,7 auf 237,3 Milliarden Euro. Der Food-Umsatz 2017 lag bei knapp 196,1 Milliarden Euro.

Im oberen Drittel der Tabelle sind dieses Jahr keine Rangfolge-Änderungen zu finden. Zu groß sind die Abstände zwischen den Führenden der Branche, an deren Spitze wieder unangefochten Edeka – diesmal mit einer Steigerung von 5,4% auf knapp 57,1 Milliarden Euro – zu finden ist. Dies ist unter anderem auch auf die Integration der Tengelmann-Filialen in das Netz der Großhandlungen Edeka Minden-Hannover (+6,5%), Edeka Rhein-Ruhr (+5,4%) und Edeka Südbayern (+11,3%) zurückzuführen. Die Filialen wurden auf das Banner Edeka und das neue Nahversorger-Konzept E xpress aus Südbayern umgestellt. Netto (Maxhütte) hat ebenfalls Tengelmann-Märkte in das Filialnetz integriert und insgesamt eine Umsatzsteigerung von 3,7% erzielt. Zudem schreitet die Konsolidierung fort: Nachdem 2017 Budnikowsky unter das Dach der Edeka geschlüpft ist, wurde jetzt bekannt, dass sich auch Feneberg (Kempten) langfristig an den Marktführer bindet.

Die Nummer 2 im Top 30-Ranking, die Kölner Rewe-Gruppe inklusive Rewe Dortmund, wuchs 2017 wiederholt mit großer Dynamik: Sie steigerte ihren Umsatz – auch durch die Übernahme der Supermärkte Nord (Kiel) – um 6,5% auf knapp 42,5 Milliarden Euro und ist somit weiterhin ein ernst zunehmender Konkurrent . Rewe hat den Kurs der Innovation und Modernisierung auch im letzten Jahr konsequent fortgesetzt. So konnte unter anderem eine Steigerung der Flächenleistung gewährleistet werden. Ein weiteres Standbein bildet die Stärkung der selbstständigen Kaufleute. Rewe tut einiges, um das dynamische Wachstumstempo zu halten.

Die Discount-Unternehmen haben, bis auf Netto Nord (- 0,7%) in Stavenhagen, ihren Umsatz allesamt erheblich steigern können. Hier spielen neben dem quantitativen Wachstum, welches sich in der Eröffnung neuer Filialen oder Erweiterung der bestehenden Verkaufsflächen widerspiegelt, Konzepte eine Rolle, die bis vor kurzem nur bei Supermärkten zu finden waren. Seit einiger Zeit werden auch bei Discountern – besonders bei Aldi und Lidl – unter anderem Werbeaktionen durchgeführt, Sortimente an regionale Gegebenheiten angepasst oder Filialen aufgehübscht. So soll ein Wechsel des Kunden zum Vollsortimenter unterbunden werden.

Metro hat sich 2017 in zwei rechtlich unabhängige Gesellschaften geteilt, von denen in diesem Ranking der Lebensmittelspezialist beleuchtet wird. Dieses Unternehmen – bestehend aus Real, Metro C & C und Rungis express – wies 2017 erneut einen Umsatzrückgang von 2,6% aus. Es bleibt abzuwarten, ob der Konzern künftig wieder Zuwächse verbuchen kann.

Bei Bünting zeigt sich der Umsatz rückläufig. Nach 2016 (-4,5%) ist eine Abnahme von 17,7% zu verzeichnen. Dies ist neben den Problemen im Filialgeschäft auch auf den Verkauf der Elektroniksparte zurück zu führen. Mit der Neugestaltung der Märkte und der Reorganisation der Logistik ist das Unternehmen jedoch auf gutem Weg.

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