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Frischobst CHINA - Lieferant von morgen

Heidrun Mittler | 08. April 2011
Frischobst: CHINA - Lieferant von morgen

Bildquelle: iStockphoto

China, der schlummernde Riese aus Fernost, kurbelt den Export an. Doch will der deutsche Handel Frischware aus dem Reich der Mitte?

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Ex oriente lux – aus dem Osten kommt das Licht. Das wussten schon die Römer. Aber wer hätte je geahnt, dass dem Licht noch unzählige Handelsgüter folgen würden? 2009, so melden die Statistiker, waren die Chinesen zumindest kurzfristig Exportweltmeister – damit hatten sie Deutschland diesen Rang abgelaufen. Die Stärke im Export liegt nicht zuletzt am künstlich niedrig gehaltenen Kurs des chinesischen Yuans, der den Exporteuren einen Vorteil im internationalen Wettbewerb beschert. Die Stärke resultiert weiter aus dem Umbau des Landes, wie Autor Gerd F. Michelis im nachfolgenden Beitrag beschreibt. Er hat China bereist und viele Eindrücke mitgebracht, die zum Nachdenken anregen. Erstaunlich: Die Chinesen produzieren mehr Äpfel als alle Länder der Europäischen Union zusammen. Noch verblüffender: Sie verstärken gerade bei landwirtschaftlichen Gütern ihre Export-Aktivitäten, trotz des hohen Eigenbedarfs.

Hört man sich im deutschen Handel um, wie groß die Bedeutung chinesischer Frischprodukte bei uns ist, stößt man in den meisten Fällen auf vornehme asiatische Zurückhaltung. Einige große Handelszentralen wie Aldi Süd und Nord oder Kaufland wollen sich zu konkreten Fragen nicht äußern. Die Edeka-Zentrale lässt verlauten, dass Food-Importe aus China „für das Sortiment der Edeka-Gruppe nur eine marginale Bedeutung" haben, bei Obst und Gemüse biete man nur „vereinzelte Produkte an".

Ähnlich argumentiert Guido Frölich, verantwortlicher Qualitätsmanager Obst und Gemüse bei Tegut: Frische Ware aus China spielt quasi keine Rolle, gehandelt würden lediglich einzelne Produkte, die typisch für ihre asiatische Herkunft sind, wie Honigpomelos, rote Kiwis und Ya-Birnen. Grundsätzlich betont Frölich, dass Tegut „Wert auf langfristige Lieferbeziehungen legt und ständig bemüht ist, den Anteil deutscher und europäischer Ware weiter auszubauen".


Einen ähnlichen Eindruck bekommt man, wenn man selbstständige Einzelhändler befragt. Viele sind spontan überfragt, welches Frischobst aus China stammt. Dann stellt sich in der Regel heraus, dass es „in homöopathischen Dosen" verkauft wird. Unklarheiten herrschen in Sachen Apfel Fuji vor: Dieser stammt ursprünglich aus Japan, der Süße mit nur wenig Säure wird heute als Lizenzmarke angebaut, zwar auch in China, aber eben so gut am Bodensee oder in Südtirol. Da stellt sich die Frage, ob der Verbraucher überhaupt wissen will, welcher Absender auf dem Karton steht. Nicht alle, aber immerhin einige interessieren sich für das Herkunftsland, was Tegut dazu veranlasst hat, bei Knoblauch wieder auf europäische Ware umzustellen, mit der Begründung, dass „hier Kundenvorbehalte bestanden". Vorbehalte hat auch die Edeka-Zentrale, die argumentiert: „Obst und Gemüse aus China entsprechen zumeist nicht den EU-Rückstandsverordnungen und darüber hinaus nicht den Edeka-Anforderungen" in Bezug auf logistische, soziale, ökologische und allgemeine Qualitätsfragen.

Zum Thema soziale Kompetenz bleibt anzumerken, dass Amnesty international gerade einen Bericht veröffentlicht hat, nachdem China 2010 mehr Menschen hingerichtet hat als alle anderen Staaten der Erde zusammen (www.amnesty.de). Zum Thema chemische Rückstände sollte man wissen, dass Äpfel aus China bei ihrer Einfuhr genauso behandelt werden wie beispielsweise Äpfel aus Neuseeland, mit Stichproben bei der Einfuhr. Dazu Doris Gerlach, Lebensmittelchemikerin bei der Tierärztlichen Grenzkontrollstelle Flughafen Frankfurt: „Ein generelles Einfuhrverbot in die EU besteht nur für Milch und Milchprodukte aus China wegen möglicher Melaminbelastung, derzeit aber nicht für Obst und Gemüse.

Allerdings gibt es eine Reihe pflanzlicher Lebensmittel aus China, für die die EU aufgrund bekannter beziehungsweise erkannter Risiken so genannte Schutzmaßnahmen erlassen hat. Diese Waren müssen bei der Einfuhr am First Point of Entry (FPO) besonders kontrolliert werden, können also nicht an jeder x-beliebigen Grenzkontrollstelle in die EU eingeführt werden." Zu diesen Problemfrüchten, so hat Autor Michelis herausgefunden, gehören Erdnüsse. Dieses unscheinbare Schalenobst aus dem Reich der Mitte muss auf Aflatoxine – gefährliche Schimmelpilzgifte – kontrolliert werden, und zwar seit vergangenem Jahr doppelt so häufig wie zuvor. So wird nun jede fünfte – statt jeder zehnten – Lieferung genauer unter die Lupe genommen, was dazu führte, dass Kontrolleure 2010 Erdnussexporte aus China fast 80 Mal an den Außengrenzen der EU zurückwiesen. Und um ein paar 50-kg-Säcke handelte es sich dabei nicht, sondern zumeist um ganze Containerladungen. Gesamtgewicht: fast 1.300 t.